Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese)

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Methode zu Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese)

Die Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) dient der vorgeburtlichen Diagnostik von Erkrankungen des ungeborenen Kindes. Sie findet meist zwischen der 14. und 19. Schwangerschaftswoche statt. Anhand des Fruchtwassers lassen sich Aussagen zu unterschiedlichen Erkrankungsarten machen.

Wie funktioniert die Fruchtwasseruntersuchung?

Der Arzt sticht mit einer dünnen Punktionsnadel durch die Bauchdecke der schwangeren Frau. Unter Ultraschallkontrolle dringt er mit der Nadel durch die Gebärmutterwand in die Fruchtblase. Die Kontrolle über das Ultraschall soll verhindern, dass das Kind verletzt wird.
Er gewinnt etwa 20 ml Fruchtwasser, das kindliche Zellen enthält. Diese Zellen lassen sich in einer Kultur anzüchten und anschließend auf die Anzahl der Chromosomen oder Erkrankungen wie Gendefekte untersuchen. Im Fruchtwasser lassen sich auch Eiweißstoffe nachweisen, die auf bestimmte Fehlbildungen hindeuten.

Wozu dient die Fruchtwasseruntersuchung?

Die Fruchtwasseruntersuchung wird Frauen empfohlen, wenn
  • sie über 35 Jahre alt sind. Ältere Frauen haben ein etwas erhöhtes Risiko für Erbgutveränderungen, die Ursache von Behinderungen sein können
  • bereits eine Chromosomenstörung bei einem bereits geborenen Kind vorliegt
  • Eltern oder Verwandte eine Erbkrankheit aufweisen
  • Verdacht auf eine Entwicklungsstörung oder Fehlbildung beim ungeborenen Kind besteht
  • Infektionen mit Bakterien oder Viren vermutet werden
  • Stoffwechselstörungen ausgeschlossen werden sollen
  • zwischen Mutter und Kind eine Blutgruppenunverträglichkeit besteht
  • die Lungenreife des Kindes bei drohender Frühgeburt bestimmt werden soll.

Was ist im Vorfeld der Untersuchung zu beachten?

Im Vorfeld der Untersuchung findet eine Ultraschalluntersuchung statt, die eine Bestimmung von Größe und Lage des Kindes sowie die Lage der Plazenta zulässt. So kann die beste Punktionsstelle ermittelt werden.

Wie läuft die Fruchtwasseruntersuchung ab?

Vor der Punktion der Fruchtblase wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, um die optimale Stelle der Punktion zu ermitteln. Die Frau kann sich für eine örtliche Betäubung entscheiden, muss es aber nicht. Es folgt der Hauteinstich, der mit dem einer Blutabnahme vergleichbar ist.
Nach der Untersuchung soll die Frau sich mindestens zwei Tage lang schonen, also keinen Sport machen, nicht schwer heben und auch auf Sex verzichten. Ein Schnelltest (FISG-Test) erlaubt bereits nach 24 Stunden erste Aussagen zur Chromosomenanzahl. Nach acht bis zwölf Tagen ist mit einer Ergebnissmitteilung des untersuchenden Labors zu rechnen.

Alternativen zu Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese)

Risiken

Wenn auch selten, kann es in Zusammenhang mit der Untersuchung zu Komplikationen kommen. Schlimmste Komplikation ist eine Fehlgeburt, das Risiko ist mit 0,5 Prozent angegeben.

Selten, aber durchaus möglich sind:
  • Fruchtwasserverlust durch unvollständigen Verschluss der Eihäute
  • Blutungen und Verletzungen der Gebärmutter
  • Infektionen
  • Verletzung des Kindes
  • Wehenartige Beschwerden, Wehen.

Alternativen

Chromosomen lassen sich auch mithilfe der Chorionzotten-Biopsie, einer Entnahme von Zellen des Mutterkuchens (Plazenta), bestimmen, sowie mit einer Nabelschnurpunktion, denn aus der Nabelschnur lassen sich ebenfalls kindliche Zellen gewinnen. Mit einer Blutuntersuchung bei der Frau lässt sich ein Test durchführen, der der Abschätzung des Risikos von Chromosomenstörungen dient (Triple-Test). Eine Ultraschalluntersuchung kann ebenfalls Fehlbildungen aufdecken und Hinweise auf das Vorliegen einer Behinderung ergeben.

Kosten zu Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese)

Die Untersuchungskosten übernehmen die Gesetzliche Krankenkassen (GKV). Einen sogenennaten Schnelltest (FISH-Test) muss die Frau aber selbst bezahlen.

Daten/Fakten zu Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese)

Besonders das Risiko eines Kindes mit Down-Syndrom (Trisomie 21) ist bei Müttern über 35 Jahre immer wieder im Gespräch. Denn die Behinderung tritt mit zunehmendem Alter der Mutter häufiger auf. Dennoch muss die Untersuchung immer kritisch hinterfragt werden und sich vor allem im Vorfeld überlegen, welche persönliche Konsequenz ein positives Testergebnis haben würde.
Die allgemein gesteigerte Angst und die Bewertung von immer mehr Schwangerschaften als Risikoschwangerschaft führte in den letzten Jahrzehnten zu einem sprunghaften Anstieg der vorgeburtlichen Diagnostik. Während in den alten Bundesländern 1970 nur sechs Amniozentesen stattfanden, waren es 1882 bereits über 15.800 und 1993 über 56.500. In Bayern stieg die Häufigkeit von 1987 bis 2002 von 3,4 Prozent auf 9,5 Prozent. Die Sterblichkeit der Kinder um den Geburtstermin herum hat aber seit 1990 nicht abgenommen. Aber auch Fehldiagnosen sind bekannt. So gab es in der Vergangenheit immer wieder Krankheitsdiagnosen, denen die Geburt eines völlig gesunden Kindes folgte.

Links zu Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese)

Informationen der Universität Bonn
www.ukb.uni-bonn.de/

Informationsschrift des Arbeitskreises Pränatale Diagnostik in Münster
www.praenataldiagnostik-info.de

Informationen der Charité Berlin
http://geburtsmedizin.charite.de
Autor: Hofmann, Julia26.01.2016

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