Chronische Rückenschmerzen

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Wissen zu Rückenschmerzen - chronisch

Dauern Rückenschmerzen länger als drei Monate an, gelten sie als sogenannte chronische Rückenschmerzen. Ohne gezielte Maßnahmen gegen die Beschwerden ist kaum damit zu rechnen, dass sie einfach so wieder verschwinden.
Rückenschmerzen bestehen meist im unteren Bereich der Wirbelsäule (Lendenwirbelsäule) und werden als Lumbalgie bezeichnet. Der Rücken besteht aus Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule mit 33 Wirbeln und den dazwischen liegenden Bandscheiben, die wie Stoßdämpfer wirken. Bänder und Muskeln gehören zum Halteapparat und stützen die Wirbelsäule.

Sie ist eben nicht nur eine stabile Achse, die den aufrechten Gang ermöglicht, sie ist in gewissem Umfang auch beweglich und elastisch. Tätigkeiten wie Bücken, Drehen oder Strecken können somit ausgeführt werden. Entwickeln sich chronische Schmerzen im Bereich des Rückens, sind sie wesentlich schwerer zu beeinflussen als akute Schmerzen, weil das Gehirn sich die Andauernden merkt (Schmerzgedächtnis) und diese auch dann meldet, wenn die Ursache möglicherweise beseitigt ist.
Der Schmerz an sich kann hier zur eigenständigen Erkrankung werden. Chronische Rückenschmerzen sind in der Bevölkerung häufig und können über Jahre, ja sogar ein ganzes Leben lang bestehen. Schmerzphasen können sich mit Phasen der Schmerzfreiheit abwechseln. Ohne Behandlung kommen die Beschwerden aber immer wieder, was meist einen erheblichen Verlust der Lebensqualität bedeutet und zu starken Einschränkungen führt.

Ursachen

Die Gründe chronischer Rückenschmerzen können organisch sein. Knöcherne Strukturen, Bandscheiben und Bänder sind dann verändert und führen zu Schmerzen. Häufigste Ursache sind Verschleißerscheinungen (degenerative Erkrankungen), seltener sind entzündliche Erkrankungen die Ursache chronischer Rückenschmerzen. Anhaltende Beschwerden können sich auch aufgrund dauerhafter Fehlbelastung und psychischer Faktoren (wie Stress und Überlastung) entwickeln, ohne dass eine organische Veränderung auszumachen ist.

Diagnose zu Rückenschmerzen - chronisch

Beginn, Verlauf und Charakter der Beschwerden können wichtige Hinweise zur Diagnose liefern. Die körperliche Untersuchung ermöglicht oft bereits die erste Einordnung der Schmerzen.
Der Behandler prüft die Haltung der Wirbelsäule und fahndet nach auslösbaren Schmerzen und muskulären Verspannungen, zusätzlich geben die Beweglichkeit der Wirbelsäule und die Muskelkraft weitere Hinweise. Eine neurologische Untersuchung mit der Prüfung der Sensibilität und der Reflexe kann ernsthafte Veränderungen der Wirbelsäule anzeigen. Röntgenuntersuchung und bildgebende Untersuchungsverfahren wie Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT) lassen den Nachweis von Veränderungen der Wirbelsäule zu. Auch die Knochenszintigrafie kann bei bestimmten Verdachtsdiagnosen zum Einsatz kommen.
Selten, etwa bei entzündlichen Erkrankungen, müssen noch weitergehende Untersuchungen und auch eine Blutuntersuchung zur Diagnose herangezogen werden. Bei chronischen Rückenschmerzen hat sich eine ganzheitliche Diagnostik und Therapie bewährt. Idealerweise sollten Ärzte unterschiedlicher Fachgebiete wie Orthopädie, Neurologie/Neurochirurgie, Psychosomatik, Schmerzmedizin und auch der Augen- und Zahnheilkunde Teile der Diagnostik übernehmen.
Zur Diskussion stehen auch alternativmedizinische Verfahren wie Akupunktur, Traditionelle Chinesische Medizin oder Homöopathie. Auf diese Weise können verschiedene Gegebenheiten, die am Schmerzgeschehen beteiligt sind oder beteiligt sein könnten, erkannt werden.

Symptome

Je nach Ursache können sich chronische Rückenschmerzen unterschiedlich äußern. In den meisten Fällen sind sie im Kreuz, also in der Lendenwirbelsäule lokalisiert.
Die dauerhaften Schmerzen veranlassen zur Schonung und dem Einnehmen von Schonhaltungen. Diese bedeuten aber eine andauernde Fehlbelastung, die zu weiteren Muskelverspannungen und damit Schmerzen führt, sodass sich chronische Schmerzen langsam verschlimmern.
Warnsignale sind:
  • Emfindungsstörungen
  • Taubheitsgefühle
  • Lähmungen sowie
  • Störungen beim Urinlassen oder Stuhlgang.

Behandlung zu Rückenschmerzen - chronisch

Die Therapie chronischer Schmerzen erfordert häufig ein ganzheitliches Vorgehen. Neben der Behandlung organischer Veränderungen etwa an Bandscheiben oder Knochen und Gelenken spielen Körperwahrnehmung, Verarbeitung des Schmerzgeschehens im Gehirn und psychische Aspekte eine Rolle.
Auch schmerzferne Strukturen wie Zähne und Kiefer oder die Augen können am Schmerzgeschehen beteiligt sein und müssen dann behandelt werden. Grundsätzlich spielt Bewegung in der Therapie chronischer Schmerzen eine große Rolle.
Die Krankengymnastik (Physiotherapie) mit speziellen Übungen für Rücken und Bauch kräftigt die Muskulatur und wirkt Fehlhaltungen entgegen. Übliche Schmerzmedikamente wirken oftmals nicht so gut wie schmerzstillende Wirkstoffe, die im zentralen Nervensystem ansetzen.
Dies sind zum Beispiel Antidepressiva und Opioide. Die Schmerzen lassen sich oft auch durch die lokale Verabreichung von Medikamenten lindern (Lokalanästhesie, Entzündungshemmer).
Sind anatomische Veränderungen Ursache der Schmerzen, hilft möglicherweise eine Operation. Daneben gibt es eine Vielzahl unterstützender Behandlungen wie Elektrostimulation (TENS), Akupunktur, Yoga, Tai-Chi, Biofeedback und Entspannungsmethoden. Eine psychologische Betreuung oder Psychotherapie können die Behandlung ebenfalls wirksam ergänzen.

Prognose

Auch bei chronischen Schmerzen gilt: Je früher sie behandelt werden, desto besser. Bei einem ganzheitlichen Behandlungsansatz und einer Behandlung beim Schmerzspezialisten stehen die Chancen gut, dass sich die Schmerzen verbessern lassen.
Wird den Ursachen der Schmerzen aber nicht auf den Grund gegangen, ist mit einer weiteren Chronifizierung zu rechnen. Die Folgen sind eine weitere Beeinträchtigung der Lebensqualität und Einschränkungen im Alltag bis hin zur Berufsunfähigkeit.

Selbsthilfe zu Rückenschmerzen - chronisch

Aktiv gegen den Schmerz
Menschen mit chronischen Schmerzen sollten diese Situation nicht einfach hinnehmen, auch nicht, wenn bisherige Behandlungsversuche scheiterten. Dies sollte vielmehr Anlass sein, sich in einem Schmerzzentrum vorzustellen, wo man von verschiedener Seite aus den Ursachen der Beschwerden auf den Grund geht.

Schmerzgeplagte sollten sich soviel wie möglich und, soweit es die Schmerzen zulassen, bewegen. Rückenschonende Sportarten wie Fahrradfahren und Schwimmen sind besonders geeignet. Rückengymnastik und Rückenschule sind für Patienten mit chronischen Rückenschmerzen ebenfalls sehr wichtig.
Wer unter Übergewicht leidet, sollte dies mit gesunder Ernährung und Bewegung reduzieren, denn Menschen mit Übergewicht leiden nachweislich häufiger unter Rückenschmerzen.

Daten/Fakten zu Rückenschmerzen - chronisch

Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit. Bis zu 80 Prozent der Bevölkerung hat schon mindestens einmal im Leben Rückenschmerzen gehabt, die Mehrzahl häufiger oder etwa jeder Dritte gar regelmäßig.
Rückenschmerzen sind die zweithäufigste Ursache für Arztbesuche und der häufigste Grund für Krankschreibungen. Meist liegen die Gründe in Bewegungsmangel und Fehlhaltungen, auch Übergewicht spielt eine Rolle.
Zudem leiden Kinder und Jugendliche immer häufiger an Rückenschmerzen und weisen Haltungsschäden auf. Zwei Drittel der Kinder zwischen zehn und sechzehn Jahren kennen diese Problematik. Bewegungsmangel und Fehlbelastungen sind auch bei ihnen der häufigste Grund.

Links zu Rückenschmerzen - chronisch

Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V.
Postfach 103
27443 Selsingen
Tel: 04284 - 926 99 90
Fax: 04284 - 926 99 91
E-Mail: info@agr-ev.de
http://www.agr-ev.de

Wirbelsäulenliga e.V.
WSL Geschäftsstelle
Widenmayerstr. 29
80538 München
Tel: 089 - 210 969 66
Fax : 089 - 210 969 69
E-Mail: info@wirbelsaeulenliga.de
http://www.wirbelsaeulenliga.de

Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (Deutscher Sportärztebund) e.V.
Geschäftsstelle Anne Engel
Klinik Rotes Kreuz
Königswarter Straße 16
60316 Frankfurt/Main
Tel: 069 - 407 14 12
Fax: 069 - 407 18 59
E-Mail: dgsp@dgsp.de
http://www.dgsp.de




Autor: Hofmann, Julia03.08.2014

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