Tischfussball wird zum Profisport

Mehr als nur ein Kneipenvergnügen: Immer mehr Menschen in Deutschland kickern professionell in Vereinen. Auch der Hamburger SV hat inzwischen eine eigene Tischfußball-Abteilung. Doch noch kämpft die Szene um Anerkennung.

Die Kickertische sind ausgerechnet blau-schwarz lackiert. Ein Zufall, sagt Henning Ramcke: «Der Hersteller produziert diese Serie nur in diesen Farben.» Es sind die Vereinsfarben des Hamburger SV, der seit Kurzem eine Tischfußballsparte mit rund 40 Mitgliedern hat - Tendenz steigend. Abteilungsleiter Ramcke rief sie im vergangenen Jahr ins Leben und funktionierte ein früheres Vereinslokal in Norderstedt in Schleswig-Holstein zum Sportzentrum um. Mit 20 Spielgeräten gilt es als das größte der Republik. Zur Eröffnung war das Interesse groß: Von regionalen Zeitungen bis zum ZDF kamen zahlreiche Medienvertreter.

«Es gibt heute wohl niemanden mehr, der Tischfußball nicht kennt», sagt Ramcke. «Viele empfinden es aber als Freizeitbeschäftigung.» Dabei ist Tischfußball längst kein reines Kneipenvergnügen mehr. Im ganzen Land spielen rund 6600 Menschen in über 400 Vereinen und damit doppelt so viele wie noch vor acht Jahren. «Wir sind hier bestens aufgestellt. Es wird immer intensiver und durch alle Zielgruppen hinweg gekickert», sagt Klaus Gottesleben, Präsident des Deutschen Tischfußballbundes (DTFB), spätestens 2019 könnten es schon 10 000 Mitglieder sein. Das würde genügen, um vom Deutschen Olympischen Sportbund als Sportart anerkannt zu werden.

Der DTFB will dem Tischfußball daher ein professionelles Image verpassen. Bereits nach der ersten Weltmeisterschaft 2006 in Hamburg hat der Verband den Ligabetrieb neu organisiert, Ranglistenturniere und Uni-Meisterschaften eingeführt. Bei Turnieren ist Alkohol verboten und Sportkleidung Pflicht. Heute zählen die deutschen Tischfußballer neben den Amerikanern, Österreichern und Belgiern um Superstar Frédéric Collignon zu den besten. Schon jahrelang führen sie die Weltrangliste an. Ein Grund: das gute Training in den Vereinen.

Die Tischfußballer des HSV üben mehrmals in der Woche. Einige spielen Doppel, andere Einzel. Ramcke trainiert seine Schusstechnik. Die hohe Geschwindigkeit macht es kaum möglich, den kleinen Hartgummiball im Auge zu behalten, bevor er mit Wucht ins Tor knallt. Wichtig sei vor allem die Auge-Hand-Koordination, erklärt Ramcke, damit Schüsse wie der Jetshot oder Pullshot gelingen. Doch auch die Regungen des Gegners, die Anspannung der Muskeln oder die Blickrichtung seienentscheidend, um das gegnerische Spiel zu durchschauen. «Vieles entscheidet sich eben nicht auf dem Tisch», sagt Ramcke.

Weltweit wird Tischfußball beliebter. Nicht zuletzt, weil der TV-Sender Eurosport einige Großereignisse im Fernsehen überträgt und der Weltverband ITSF mit ständig wächst. Auch in Deutschland verschwinden die weißen Flecken von der Landkarte. So zählt der DTFB mittlerweile 13 regionale Verbände, darunter Hochburgen wie das Saarland und Neulinge wie Mecklenburg-Vorpommern. «Wir sind auf einem guten Weg, immer mehr zu begeistern», sagt Präsident Gottesleben.

Frauen machen bundesweit rund zwölf Prozent der Vereinsmitglieder aus. Damit sind sie zwar unterrepräsentiert, allerdings gehören einige der 700 Tischfußballerinnen zu den international Erfolgreichsten - wie Viviane Widjaja. Die zweifache Weltmeisterin vom Frauen-Bundesligisten Bears Berlin hat sich in der Männerdomäne längst einen Namen gemacht. «Ich werde nicht belächelt», sagt sie. «Spätestens anhand meiner Ballführung merken viele Männer, dass ich nicht zum ersten Mal Tischfußball spiele.»

Quelle: dpa06.05.14Zum AnfangZurück

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