Verstopfung

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Wissen zu Verstopfung (Obstipation)

Verstopfung bezeichnet ein Symptom der gestörten Darmpassage. Die Häufigkeit des Stuhlgangs variiert von Person zu Person stark und kann dreimal täglich bis dreimal wöchentlich betragen. Von Verstopfung oder medizinisch Obstipation spricht man, wenn Menschen weniger als dreimal pro Woche Stuhlgang haben. Darüberhinaus ist der Stuhl hart und trocken, sodass die Entleerung schwierig und häufig mit Beschwerden wie Schmerzen und starkem Pressen verbunden ist. Manchmal ist der Stuhlgang dann auch ohne Hilfsmittel wie Klistiere oder die Finger nicht möglich. Besteht die Verstopfung bereits längere Zeit und anhaltend, spricht man von chronischer Verstopfung. Meist liegt der Verstopfung keine körperliche Krankheit zugrunde, sie kann jedoch auch Ausdruck einer anderen Störung sein oder begleitend zu anderen Krankheiten auftreten. Die chronische Verstopfung ist deshalb immer beim Arzt abklärungsbedürftig.
Verstopfung kommt in der Bevölkerung sehr häufig vor. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, ältere Menschen häufiger als junge.

Ursachen
Der Verstopfung liegt meist eine Verlangsamung der Darmbewegung bzw. Dampassage zugrunde. Der Darm ist regelrecht faul, sodass die Zeitdauer der Verdauung und die Passage des Stuhls bis zum Enddarm erheblich verlängert ist. Es stauen sich Ausscheidungsprodukte an, denen zudem vermehrt Flüssigkeit entzogen wird, sodass der Stuhl trockener und fester bzw. härter wird, was die Ausscheidung schließlich erschwert.
Ursache von Verstopfung ist meist eine falsche bzw. ballaststoffarme Ernährung und Bewegungsmangel. Fast immer sind die zugrundeliegenden Störungen funktioneller Natur, d.h. es liegt meist keine organische Störung zugrunde. Häufig tritt Verstopfung bei Bettlägerigkeit sowie in der Schwangerschaft auf. Selten sind mechanische Behinderungen, Störungen der Nerven oder des Stoffwechsels die Ursache der verlängerten Darmpassage. Um dies auszuschließen, sollte bei neu auftretender oder anhaltender Verstopfung, die sich mit einfachen Mittel nicht beseitigen lässt, ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Mythen
Viele Menschen leiden unter der Vostellung, dass sich im Darm Gift- und Schlackenstoffe ansammeln, die dem Körper schaden. Deshalb wünschen sich die meisten eine schnelle Darmentleerung oder gar Darmsäuberung. Der gesunde Körper verfügt jedoch über eine ausreichende Entgiftungsfunktion über die Organe Leber und Niere. Der Stuhl selbst stellt lediglich ein nicht mehr verwertbares Abfallprodukt dar, der dem Körper nicht schadet. Eine Blutreinigung ist nicht nötig und Abführmittel, Darmspülungen oder andere Maßnahmen zur Reinigung oder "Entschlackung" sind können sogar schaden.

Diagnose zu Verstopfung (Obstipation)

Der Arzt befragt den Patienten zunächst nach der Art und Dauer der Beschwerden sowie Lebensgewohnheiten wie Ernährung und Bewegung. Auch ein Fragebogen kann helfen, die Beschwerden bei chronischer Verstopfung genauer zu erfassen. Im Gespräch oder Fragebogen erfasst werden Stuhlhäufigkeit und -beschaffenheit (Konsistenz, Farbe), Dauer der bestehenden Vertopfung, Beschreibung des Entleerungsvorgangs, begleitende Schmerzen, frühere und derezeitige Erkrankungen sowie eine mögliche Medikamenteneinnahme.

Chronische Verstopfung lässt sich diagnostizieren bei:
  • Stuhlhäufigkeit unter dreimal pro Woche
  • harter Stuhlgang
  • Pressen beim Stuhlgang
  • Gefühl der unvollständigen Darmentleerung
  • Gefühl einer Blockade
  • Unterstützung der Darementlerung mit der Hand

Zunächst tastet der Arzt den Bauch ab und hört die Darmgeräusche ab. Hier können sich zum Beispiel Hinweise auf Blähungen ergeben. Es folgen die Inspektion des Analbereichs sowie das Abtasten des Enddarms. Eine Stuhluntersuchung auf verstecktes Blut kann eine Blutung im Magendarmtrakt ausschließen. Eine Blutuntersuchung kann Hinweise auf zugrundeliegende Erkrankungsen des Stoffwechsels wie Schilddrüsenkrankheiten oder eine Zuckerkrankheit geben. Eine Ultraschalluntersuchung des Bauches und eine Darmspiegelung dienen dem Ausschluss anderer zugrundeliegender Ursachen der Verstopfung, etwa mechanische Verschlüsse. Weiterführende Untersuchungen sind nur nötig, wenn ein spezieller Verdacht auf bestimmte ursächliche Krankheiten besteht.

Symptome
Eine Verstopfung kann sich je nach Schweregrad durch unterschiedliche Symptome äußern. Häufig leiden betroffene Menschen unter Völlegfühl,
allgemeinem Unwohlsein und Bähungen. Häufig ist der Stuhlgang schwierig und nur unter Anstrengung oder Zuhilfenahme von Fingern oder Abführmitteln möglich. Der Stuhlgang kann schmerzhaft sein. Typisch sind kleine harte Stuhlmengen. Besonders bei mangelnder Flüssigkeitsaufnahme können Beschwerden wie Kopfschmerzen und Müdigkeit hinzukommen. Weitere mögliche Beschwerden, die auf Verdaaungsproblem hindeuten sind Mundgeruch und Appetitlosigkeit .

Behandlung zu Verstopfung (Obstipation)

Die Behandlung der Verstopfung richtet sich nach der Ursache. Ist die Verstopfung wie meist funktioneller Natur ist eine Ernährungsumstellung mit mehr Ballaststoffen empfehlenswert. Daneben ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr mit mindestens zwei Litern täglich wichtig. Regelmäßige Bewegung wie auch Stressabbau bilden die Basis der Behandlung. Sind diese Maßnahmen erfolglos können vom Arzt verschriebeme Medikamente helfen. Liegen andere Erkrankungen zugrunde, müssen natürlich diese behandelt werden.

Ballaststoffe in der Nahrung regulieren den Stuhlgang. Ballaststoffe sind in Vollkornbrot, anderen Vollkornmehlprodukten, Getreideflocken, Cerealien, Obst und Gemüse enthalten. Vermeiden sollte man Weißmehlprodukte, zuckerhaltige Nahrungsmittel, Fast Food und zuviel tierische Fette.

Kleie, Lein- oder Flohsamen sind bei einer milden chronischen Verstopfung oft als alleinige Behandlung ausreichend. Diese unverdaulichen Füll- und Quellstoffe binden Wasser und vergrößeren damit das Volumen des Stuhls, sodass die Ausscheidung erleichtert ist.

Dabeneben gibt es osmotisch wirksame natürliche Substanzen wie Laktulose, die zu einem vermehrten Flüssigkeitsgehalt im Stuhl führen.

Helfen diese Maßnahmen nicht, dürfen auch Schwangere und Kinder Zäpfchen oder kleine Klistiere einsetzen. Abführmittel sollten nur nach ärztlicher Absprache eingesetzt werden. Regelmäßig angewendete Abführmittel können das Problem verschärfen, da diese zu einer erhöhten Kaliumausscheidung führen und ihrerseites eine Verstopfung auslösen können.
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Prognose
Bei einer funktionellen Verstopfung reichen normalerweise Baisismaßnahmen aus, um die Darmtätigkeit zu regulieren. Maßgeblich sind eine regelmäßige körperliche Bewegung,
eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Lässt sich die Verstopfung dennoch nicht beseitigen und bestehen weiterhin Auffälligkeiten beim Stuhlgang, sollte der Arzt die möglichen Ursachen weiter aufklären.

Denn eine unbehandelte chronische Verstopfung ist mit der Entstehung anderer Erkrankungen verbunden. Am häufigsten entstehen durch das Pressen und den übermäßigen Druck im Analbereich Hämorrhoiden. Aber auch Analrisse (Analfissuren) und Darmwandausstülpungen (Divertikel), die sich entzünden können (Divertikulitis) sind möglich. Daneben kann sich der Stuhl stark verhärten (Kotsteine). Die chronische Verstopfung ist darüberhinaus nicht nur körperlich, sondern auch seelisch belastend,

Selbsthilfe zu Verstopfung (Obstipation)

Liegt der Verstopfung keine behandlungsbedürftige Krankheit zugrunde, ist eine Veränderung der Lebensgewohnheiten wichtig, um die Verdauung zu normalisieren. Dazu gehören:
  • Regelmäßige Bewegung: Sollte kein Sport möglich sein, reicht auch tägliche mäßige Bewegung wie Spazierengehen aus, um den Darm zu mobilieren.
  • Umstellung der Ernährung (Ballaststoffe)
  • Flüssigkeitszufuhr von mindestens zwei Litern täglich

Quellstoffe wie Leinsamen, Weizenkleie und Flohsamen wirken regulierend.

Hilfreich sind darüberhinaus morgendliche Darmmassagen im Uhrzeigersinn sowie das morgendliche Trinken von Wasser oder Obstsaft. Wichtig ist auch den Stuhlgang nicht zu unterdrücken und bei Stuhldrang möglichst rasch eine Toilette aufzusuchen. Der Darm kann auch trainiert werden, indem man täglich regelmäßig zur gleichen Zeit die Toilette aufsucht. Hilft alles nicht, können Betroffene auch ein Klistier gebrauchen. Diese sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Daten/Fakten zu Verstopfung (Obstipation)

Schätzungen zufolge leiden in Deutschland fast ein Drittel der Menschen über 60 Jahre an Verstopfung. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Dass es weltweit große Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit der Verstopfung gibt, deutet schon auf die Lebensgewohnheiten als Ursache hin. Allgemein gilt Verstopfúng als Zivilisationskrankheit, die mit falscher Ernährung, Bewegungmangel und Stress zusammenhängt.

Links zu Verstopfung (Obstipation)

Gastro Liga e.V.
Ratgeber für Patienten: Obstipation (Verstopfung)

Autor: Hofmann, Julia19.04.2012

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