Hämorrhoiden

WissenDiagnoseBehandlungSelbsthilfeDaten/FaktenLinks

Wissen zu Hämorrhoiden

Hämorrhoiden sind Gefäßaufweitungen am Darmausgang. Sie gehören zu einem Gefäßsystem des Enddarms, das aus Arterien (Schlagadern) und Venen, in denen das "verbrauchte" Blut zum Herzen zurücktransportiert wird besteht. Die Aufweitung dieser Gefäße kommt dadurch zustande, dass durch einen erhöhten Muskeldruck des inneren Schließmuskels der venöse Rückfluss aus den tiefergelegenen Gefäßen erschwert ist. Durch diesen verstärkten Druck des nicht regelrecht nach oben abfließenden Blutes kommt es zur Bildung von Hämorrhoiden.

Unterscheidung

  • Äußere Hämorrhoiden: Sie sind mit einer Schicht äußerer Haut überzogen und zeigen sich meist als schmerzhafter bläulicher Knoten nahe des Anus (Darmausgang). Er entsteht durch eine sich an dieser Stelle gebildete Thrombose (Blutgerinnsel im Gefäß).
  • Innere Hämorrhoiden: Sie tragen außen Schleimhaut (die auch beispielsweise den Darm von innen auskleidet) und kommen viel häufiger vor als äußere.

Ausprägungsgrade

  • Stadium I: Die Knoten sind nur endoskopisch sichtbar (also bei einer Enddarmspiegelung)
  • Stadium II: Die Knoten verlagern sich beim Pressen (zum Stuhlgang) nach außen und rutschen danach von selbst wieder zurück
  • Stadium III: Die größeren Knoten gelangen auch ohne Pressdruck nach außen und müssen oft mit den Händen wieder zurück in den Enddarm geschoben werden.

Ursachen

Hämorrhoiden sind im Unterhautgewebe verankert. Mit zunehmendem Alter und begünstigt durch harten Stuhlgang können sie aber herausgerissen und nach unten Richtung Darmausgang verlagert werden. Der harte Stuhlgang ist zum einen mechanisch eine Belastung für die Darmschleimhaut, zum anderen trägt ein verstärktes und verlängertes Pressen beim Stuhlgang zur Entwicklung von Hämorrhoiden bei. Die Ursachen der Hämorrhoiden sind nicht eindeutig geklärt, wenngleich der Zusammenhang von Hämorrhoiden mit chronischer Verstopfung in mehreren Studien nachgewiesen wurde. Der Entstehungsprozess ist Ausdruck einer Alterung der elastischen (dehnbaren) Fasern des Schließmuskelapparates mit einer zunehmenden Bildung von starrem Bindegewebe. Dadurch verlagern sich die größer werdenden Gefäßknötchen weiter nach außen und sind schwerer zurückzuschieben.

Diagnose zu Hämorrhoiden

Hämorrhoiden werden durch Untersuchung der Analregion und einem Pressversuch festgestellt, wobei gegebenenfalls das Austreten der Hämorrhoiden aus dem Analkanal sichtbar sein kann. Die Sicherung der Diagnose erfolgt mittels einer Rektoskopie, bei der ein starres Rohr in den Enddarm eingeführt wird und durch eine Kamera die Schleimhautveränderungen im Enddarm angesehen und auch dokumentiert werden können. Im Rahmen der Untersuchungen bei vermuteten oder gesicherten Hämorrhoiden sollte eine Spiegelung des gesamten Dickdarms (totale Koloskopie) erfolgen, da es sich meist um die Abklärung der Ursache von Blutabgang aus dem Darm handelt.
Und dieses Blut kann, muss aber nicht aus Hämorrhoiden stammen und selbst wenn welche vorliegen, kann zeitnah auch ein Tumor geblutet haben. Hämorrhoiden sollten deshalb niemals automatisch alleine für die Blutungen verantwortlich gemacht werden, solange nicht der gesamte Darm untersucht worden ist. Diese Maßnahme ist ein kleiner Aufwand, mit dem in der Regel für Jahre das Thema Darmkrebs "abgehakt" werden kann, da dieser sich normalerweise sehr langsam aus Polypen (kleinen Auswüchsen der Darmwand) entwickelt. Diese sind ebenfalls bei der Darmspielung erkennbar und können oft auch in der gleichen Sitzung endoskopisch abgetragen werden!

Symptome

Die von Hämorrhoiden ausgelösten Beschwerden können Juckreiz und Brennen am Anus bedeuten sowie Blutungen, die insbesondere im Stadium II (hervortretende Knoten beim Pressen) während der Stuhlentleerung auftreten können.

Behandlung zu Hämorrhoiden

Vor einer Therapie sollte immer eine Darmspiegelung (bitte nicht nur der Enddarm!) durchgeführt werden. Bei Hämorrhoiden im Stadium I und gegebenenfalls auch II können nichteingreifende Maßnahmen erfolgversprechend sein. Dies sind in erster Linie ein weicher Stuhl, der durch ballaststoffreiche Ernährung und reichlich Flüssigkeitszufuhr erreicht werden sollte, gegebenenfalls auch - bei Unverträglichkeit großer Ballaststoffmengen - durch Lebensmittel wie Kefir. Die regelmäßige Einnahme von Abführmitteln sollte wegen des Gewöhnungseffektes und der Gefahr von Salzverlusten vermieden werden. Im Stadium III und gegebenenfalls auch II kommen technische Verfahren zur Anwendung, mit denen die Blutversorgung der Gefäße unterbunden wird.
Dies kann durch eine Verödung der zuführenden Blutgefäße geschehen, wobei eine Substanz in das Gewebe unter der Hämorrhoide gespritzt wird, welche eine Entzündungsreaktion auslöst. Die nachfolgende Vernarbung führt dann zu einer Abnahme der Blutzufuhr in die Hämorrhoide. Eine weitere Möglichkeit ist die sogenannte Gummibandligatur, welche die Methode der Wahl bei Hämorrhoiden zweiten Grades darstellt. Dabei wird die Hämorrhoide mit einer Art Zange gefaßt und ein fest sitzendes Gummiband darübergestülpt. Auch dadurch wird die Durchblutung der Hämorrhoide erheblich reduziert. Die eingreifendste Therapie ist die operative Radikalentfernung der Hämorrhoiden.

Prognose

Die Komplikationen von Hämorrhoiden können Thrombosen sein, also die Bildung von Blutgerinnseln in den erweiterten Gefäßen. Dies ist sehr schmerzhaft und muss durch eine operative Ausräumung des Blutgerinnsels behandelt werden. Weiterhin ist bei fortgeschrittenen Hämorrhoiden eine Knoteneinklemmung im Darmausgang möglich, was sich neben dem Fremdkörpergefühl im Anus ebenfalls durch starke Schmerzen äußert. Sollte es zu einer Entzündung der Hämorrhoiden und Besiedlung mit Bakterien kommen, können sich Abszesse (eitergefüllte rundliche Bereiche im Gewebe) und Fisteln (durch die eitrige Entzündung sich ausbildende "Gänge") bilden. Nach einer Sklerosierungsbehandlung (zur Austrocknung des Gewebes) ist nach mehreren Jahren mit einer hohen Rate an wiederauftretenden Hämorrhoiden zu rechnen.

Selbsthilfe zu Hämorrhoiden

Da die Verstopfung als eine wesentliche Ursache für die Hämorrhoidenentstehung angesehen werden kann, ist als vorbeugende Maßnahme eine Stuhlregulierung zu empfehlen. Dies bedeutet, dass mehrmals wöchentlich eine Stuhlentleerung erfolgen sollte. Dieser Stuhl sollte weich sein, um starkes Pressen beim Absetzen zu vermeiden. Voraussetzung dafür ist in erster Linie eine ausreichend hohe Flüssigkeitsaufnahme, die in der Regel mindestens zwei Liter betragen sollte (wenn nicht andere Krankheiten insbesondere eine Herzschwäche oder Nierenversagen dies verbieten).
Diese sollte verbunden sein mit einer ballaststoffreichen Ernährung, also - je nach Geschmack - viel Gemüse, Obst, Vollkornbrot und Müsli. Mit der Aufnahme von beispielsweise Kleie sollte vorsichtig umgegangen werden, da diese eine relativ große Menge an mitaufzunehmender Flüssigkeit erfordert, um aufquellen zu können. Fehlt die zusätzliche Flüssigkeit wird das Quellmittel zu einem Pfropfen werden, der eine Gefahr hinsichtlich der Entstehung eines Darmverschlusses in sich birgt.
Laut einer Studie sind auch scharfe Lebensmittel, Alkoholkonsum und körperliche Anstrengung Risikofaktoren für das Entstehen von Hämorrhoiden. Die Bedeutung von Übergewicht ist noch unklar.

Daten/Fakten zu Hämorrhoiden

Nach Schätzungen sind etwa 50 Prozent der Erwachsenen über 30 Jahren von diesem Leiden betroffen. Die Erkrankung tritt im Alter zunehmend auf. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr. Ein Häufungsschwerpunkt liegt in den westlichen Industrienationen.

Links zu Hämorrhoiden

Gastro Liga e.V.
Friedrich-List-Straße 13
35398 Gießen
Tel: 0641 - 974 810
Fax: 0641 - 974 8118
Mail: geschaeftsstelle@gastro-liga.de
http://www.gastro-liga.de

Berufsverband der Coloproktologen Deutschlands e.V.
Prinzregentenstr. 121
81677 München
Tel: 089 - 470 82 79
Mail: info@coloproktologen.de
http://www.proktologen.de/
Autor: Schmitt, Sabine09.09.2015

Quellenangabe für Zitate

Inhalte dieser Webseite dürfen für kommerzielle und nichtkommerzielle Zwecke ohne Rückfragen auszugsweise zitiert werden. Bedingung dafür ist die Einrichtung des folgenden Links als Quelle des Zitates: