Rückenschmerzen und Psyche

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Wissen zu Rückenschmerzen und Psyche

Zwischen Rückenschmerzen und Psyche gibt es vielfältige Zusammenhänge und Wechselwirkungen. Es ist bekannt, dass Stress, emotionale Belastungen und psychische Probleme oft schwer auf den Schultern lasten und Rückenschmerzen auslösen.
Manch ein Betroffener bemerkt selbst aber nicht den Stress, sondern nur die Rückenschmerzen, sodass dieser Zusammenhang häufig zunächst nicht festgestellt wird. Aus psychosomatischer Sicht sind die Probleme, die sich hinter Rückenschmerzen verbergen, oft unentdeckt.

Andererseits setzen Rückenschmerzen der Psyche zu. Besonders bei chronischen Schmerzgeschehen stehen Psyche und Körper in einer Wechselbeziehung, wobei das eine System das andere beeinflusst. Beschwerden zermürben und machen den Alltag mitunter zur Qual.
Im schmerzgeplagten Körper fühlt man sich unwohl, verlässt ungern das Haus und bleibt allein. Die Persönlichkeit verändert sich. Schmerzen lösen zudem Angst aus. Handelt es sich um eine schwere Erkrankung, könnte diese und jene Bewegung die falsche sein und die Situation verschlimmern.
Ängste fördern Vermeidungsverhalten, das die Situation aber häufig noch verschärft. Nicht zuletzt ist die Körper- und Schmerzempfindung sehr verschieden. Während eine Person Schmerzen weniger wahrnimmt und bewertet, reagieren andere auf den gleichen Schmerz möglicherweise verstärkt.
Auch in verschiedenen Familien ist der Umgang damit verschieden, sodass manches Empfinden und Verhalten vielleicht erlernt ist. Möglicherweise wurde Schmerz immer besonders beachtet, sodass leidenden Familienmitgliedern besondere Aufmerksamkeit zuteil wurde. Dann hat Schmerz auch einen positiven Aspekt, nämlich Zuwendung.

Ursachen

Neben Rückenerkrankungen, verschleißbedingten Veränderungen der Wirbelsäule oder selten auch Unfällen spielt bei Rückenschmerzen die Psyche eine herausragende Rolle.
Selbst bei zugrundeliegenden Erkrankungen beeinflusst die Psyche das Schmerzempfinden oft maßgeblich. Psychische Faktoren wirken auf die Muskulatur, ihren Spannungszustand und die Körperhaltung.

Diagnose zu Rückenschmerzen und Psyche

Für die Diagnostik von Rückenschmerzen ist die Anamnese immer sehr wichtig:
  • Wann trat der Schmerz erstmalig auf?
  • Wie häufig, wann und in welchen Situationen kommt es zu Schmerzen?
  • Wo befindet er sich?
  • Wie lange hält er an?
  • Wie intensiv ist der Schmerz?
Möglicherweise ergeben sich aus der Klärung dieser Fragen bereits Zusammenhänge mit der Psyche. Begleiterkrankungen und bislang eingenommene Medikamente können ebenfalls wichtige Hinweise liefern.
In der körperlichen Untersuchung wird die Haltung der Wirbelsäule, Stellung von Schultern und Becken, Beinlängen sowie das Gangbild des Patienten und die Beweglichkeit der Wirbelsäule geprüft, ebenso wird der Rücken abgetastet. Bestehen auslösbare Schmerzen?
Finden sich Verhärtungen der Muskulatur? In der neurologischen Untersuchung lassen sich Empfindung, Muskelkraft und Reflexe überprüfen.
Wird als Ursache der Schmerzen die Psyche als entscheidender Faktor vermutet, ist eine ganzheitliche Untersuchung unter Einbeziehung von Psychologen, Psychotherapeuten oder psychosomatischen Ärzten sinnvoll.

Symptome

Schmerzen am Rücken können akut oder chronisch sein. Typisch sind schmerzhafte Bewegungseinschränkungen der Wirbelsäule, die sich häufig - jedoch nicht immer - im Liegen verbessern und zu Schonhaltungen führen.
Akute Schmerzen treten plötzlich auf und bestehen nicht länger als sechs Wochen.
Länger anhaltende Schmerzen sind subakut und ab einer Dauer von drei Monaten chronisch. Warnsymptome, die therapeutisch rasch abgeklärt werden müssen, sind:
  • Empfindungsstörungen
  • Taubheitsgefühle
  • Lähmungen
  • Störungen beim Urinlassen oder Stuhlgang.

Behandlung zu Rückenschmerzen und Psyche

Die Psyche hat bei der Behandlung von Rückenschmerzen leider oftmals eine untergeordnete Bedeutung. Mehrere Monate andauernde Psychotherapien sind besonders bei chronischen Schmerzen als Teil der Schmerzbehandlung zu verstehen und erlauben eine differenzierte Therapie.
Eine Psychotherapie setzt an der Schmerzverarbeitung an. Einen hohen Stellenwert haben Verhaltenstherapie und Biofeedback. Darüberhinaus sind neben einer Bewegungstherapie Entspannungstechiken wie Autogenes Training und Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson bedeutsam, um Stress entgegen zu wirken.

Prognose

Werden frühzeitig auch psychologische Aspekte der Rückenschmerzen ins Kalkül gezogen, diese auch akzeptiert und behandelt, sind die Aussichten für eine Besserung der Rückenschmerzen gut.
Entscheidend ist das ganzheitliche Vorgehen. Werden psychische Aspekte ignoriert, unterhalten diese die Schmerzerkrankung und tragen zur Chronifizierung der Erkrankung bei.

Selbsthilfe zu Rückenschmerzen und Psyche

Rückenschmerzpatienten sollten ihre Beschwerden nicht immer als rein körperliches Problem begreifen. Denn Wechselwirkungen zwischen Rücken und Psyche sind nachgewiesen und allgemein anerkannt.
Werden seelische Ursachen vermutet oder vermuten Sie diese selbst, bedeutet dies nicht, dass keine körperlichen Schmerzen vorhanden sind oder gar, dass Sie eingebildet krank sind. Rückenschmerzen sollten immer ganzheitlich betrachtet werden - und niemand sollte sich selbst auf einen Körperteil oder einen Körperbereich reduzieren.
Scheuen Sie sich deshalb nicht, nach einer psycholgischen Beratung oder der Möglichkeit einer Psychotherapie zu fragen, wenn der Arzt das nicht von selbst anspricht. Das kann ihnen helfen, einen neuen Umgang mit Schmerzen zu erlernen.

Daten/Fakten zu Rückenschmerzen und Psyche

Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit. Bis zu 80 Prozent der Bevölkerung hat schon mindestens einmal im Leben Rückenschmerzen gehabt, die Mehrzahl häufiger oder etwa jeder Dritte gar regelmäßig.
Sie sind die zweithäufigste Ursache für Arztbesuche und der häufigste Grund für Krankschreibungen. Meist sind die Gründe für Rückenschmerzen Bewegungsmangel und Fehlhaltungen, auch Übergewicht spielt eine Rolle. Noch immer vernachlässigt sind die seelischen Aspekte von Rückenschmerzen. Wie hoch der Anteil psychisch bedingter Rückenschmerzen, ist unklar.

Links zu Rückenschmerzen und Psyche

Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) e.V.
Jägerstr. 51
D-10117 Berlin
Tel: 030 - 206 482 43
Fax: 030 - 206 539 61
E-Mail: info@dgpm.de
http://www.dgpm.de

Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V.
Postfach 103
27443 Selsingen
Tel: 04284 - 926 99 90
Fax: 04284 - 926 99 91
E-Mail: info@agr-ev.de
http://www.agr-ev.de

Wirbelsäulenliga e.V.
WSL Geschäftsstelle
Widenmayerstr. 29
80538 München
Tel: 089 - 210 969 66
Fax : 089 - 210 969 69
E-Mail: info@wirbelsaeulenliga.de
http://www.wirbelsaeulenliga.de

Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (Deutscher Sportärztebund) e.V.
Geschäftsstelle Anne Engel
Klinik Rotes Kreuz
Königswarter Straße 16
60316 Frankfurt/Main
Tel: 069 - 407 14 12
Fax: 069 - 407 18 59
E-Mail: dgsp@dgsp.de
http://www.dgsp.de








Autor: Hofmann, Julia03.08.2014

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