Essstörungen

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Wissen zu Ess-Störungen

Während unsere Gesellschaft einerseits ein Überangebot an Nahrung bietet, gilt auf der anderen Seite ein sehr schlankes Körperideal. So zeigen sich Essstörungen auch in sehr unterschiedlichen Formen. Magersucht, Bulimie oder starkes Übergewicht äußern sich sehr verschieden und haben doch eines gemeinsam: Die lebensnotwendige Nahrungsaufnahme ist zu einem Problem geworden, das den Alltag dominiert. Essstörungen bringen oft körperliche, seelische und soziale Schwierigkeiten mit sich. Die Anzahl der Menschen, die von Essstörungen betroffen sind, ist in den letzten Jahren stetig gestiegen.

Unter Essstörungen fallen folgende Formen:
  • Anorexia Nervosa (Magersucht)
  • Bulimia Nervosa (Ess-Brech-Sucht oder auch Bulimie)
  • Adipositas (Fettleibigkeit)
  • Binge Eating Disorder (anfallsartiges Schlingen ohne kompensatorische Maßnahmen)
  • Orthorexia nervosa (Zwang, gesund zu essen).

Diagnose zu Ess-Störungen

Das Körpergewicht ist zwar ein wichtiger Faktor zur Erkennung von Unter- oder Übergewicht mithilfe des BMI-Wertes (Body Mass Index), doch ist besonders das Essverhalten für die Diagnostik einer Essstörung ausschlaggebend.
Die Art und Weise, über Nahrung und Gewicht zu denken und damit umzugehen, gibt in Kombination mit dem Körpergewicht Aufschluss über die Form der Essstörung.

Folgende Hinweise sollten bei der Diagnostik von Essstörungen berücksichtigt werden

  • übertriebene Angst vor Gewichtszunahme und dem dicker werden
  • Vermeidung von Nahrung trotz Hunger
  • selbst auferlegte Diätpläne
  • Erbrechen nach dem Essen oder nach Heißhungerattacken
  • Nutzung von Abführmitteln oder anderen Medikamenten, um das Gewicht im Griff zu halten
  • übertriebene Beschäftigung mit gutem Aussehen, Ernährung oder Sport
  • Spüren von Druck, gesellschaftlichen Schlankheitsidealen zu entsprechen.

Die Symptome überschneiden sich

Die Symptome verschiedener Essstörungen überschneiden sich. Ist das Körpergewicht eines Menschen geringer als ein BMI von 17,5, gilt dies als Untergewicht und kann durch eine Anorexia nervosa verursacht sein.
Bulimiker sind häufig normalgewichtig, können aber auch untergewichtig sein. Essattacken gibt es sowohl bei Betroffenen der Bulimia nervosa als auch bei Menschen mit Adipositas.

Psychische Begleiterkrankungen

Betroffene leiden häufig zusätzlich noch unter anderen psychischen Störungen, wie Persönlichkeitsstörungen, Depressionen, Ängsten oder Substanzmissbrauch. Diese können eine zusätzliche Belastung darstellen und das Leiden verschlimmern.

Behandlung zu Ess-Störungen

Häufig wird eine Behandlung von Psychotherapie, ärztlicher Betreuung und eine Ernährungsberatung kombiniert, um die Essstörung in den Griff zu bekommen. Die Bereitschaft, Unterstützung von außen anzunehmen, ist der erste und der wichtigste Schritt für Betroffene.
Die Wahl der Behandlungsform ist abhängig von der Form und dem Ausprägungsgrad der Essstörung. Bei leichten bis mittelgradigen Essstörungen besteht die Möglichkeit, an einer ambulanten Psychotherapie, einer Familientherapie oder einer Gruppentherapie teilzunehmen.
Bei schwereren Graden der Essstörung bietet eine stationäre Aufnahme in eine Fachklinik die beste Möglichkeit, da rund um die Uhr ein interdisziplinäres Team unterstützend zur Verfügung steht. Bei einem bedrohlichen Gewichtsverlust oder anderen Gefahren für Leib und Leben folgt in der Regel die Zwangseinweisung in eine Klinik, sofern der Betroffene selbst keine Einsicht zeigt.

Prognose

Eine langfristige therapeutische Begleitung erhöht die Chance, die Essstörung in den Griff zu bekommen. Rückfälle sollten nicht entmutigen, sie gehören bei vielen Betroffenen dazu und sollten mit in den Genesungsprozess einkalkuliert werden.

Selbsthilfe zu Ess-Störungen

Vor einer Behandlung steht meist ein langer Weg von Selbsthilfeversuchen Betroffener, die mehr oder weniger erfolgreich waren. Mittlerweile gibt es viele Selbsthilfegruppen, die als Anlaufstelle zusätzlich zu einer therapeutischen Behandlung aufgesucht werden können. Sie dienen vielen Betroffenen auch im Anschluss an die Therapie eine als langfristige Unterstützung.
In diesen Gruppen tauschen sich die Teilnehmer über ihre Beschwerden, über Behandlungsmethoden, Probleme mit anderen Menschen oder dem eigenen Essverhalten aus und machen sich gegenseitig Mut, um Rückfälle wieder in den Griff zu bekommen. Auch der Partner, die Familie und Freunde können eine wertvolle Unterstützung für Menschen mit Essstörungen sein, sofern sie keinen Druck ausüben.

Daten/Fakten zu Ess-Störungen

Eine gesellschaftliche Problematik

Besonders häufig sind junge Frauen betroffen, weil sie sich dem gesellschaftlichen Schönheitsideal auf besondere Weise verpflichtet fühlen.

Doch zunehmend leiden auch Männer unter Essstörungen:
  • 95 Prozent aller Anorexiebetroffenen sind weiblich, insgesamt sind in der Bevölkerung etwa zwei Prozent der Frauen betroffen. Die Erkrankung beginnt meist in der Pubertät und kommt vorrangig in höheren sozialen Schichten vor.
  • Auch bei der Bulimia nervosa sind etwa 90 Prozent der Betroffenen Frauen, bei einer Gesamtverteilung von etwa zwei bis vier Prozent, vorrangig aus der Mittelschicht. Die Bulimie beginnt meist etwas später, etwa ab 20 Jahren.
  • Von Adipositas sind etwa neun bis 25 Prozent der Frauen betroffen und zehn bis sechzehn Prozent der Männer. In unteren sozialen Schichten ist die Adipositas weiter verbreitet als in höheren.

Links zu Ess-Störungen

Beratung4kids e. V – Beratung für junge Menschen bis 20 Jahre
Mit Foren zu Essstörungen, selbstverletzendem Verhalten oder Schule
http://www.beratung4kids.de

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu Essstörungen
Informationen für Betroffene, Eltern, Angehörige und Lehrer
http://www.bzga-essstoerungen.de/

Betreutes Internetforum zum Austausch mit Betroffenen und Mailberatung
Ein Projekt des Mädchenhauses Heidelberg e. V.
Betreutes Internetforum zum Austausch mit Betroffenen
http://www.ess-störungen.net
Autor: Huth, Dörthe12.05.2016

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