Bulimie (Ess-Brech-Sucht)

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Wissen zu Bulimie (Ess-Brech-Sucht)

Die Bulimie wird umgangssprachlich auch als Ess-Brech-Sucht bezeichnet, weil die Betroffenen in anfallartigen Heißhungerattacken eine große Menge an Lebensmitteln aufnehmen und sich danach erbrechen oder versuchen, dem dickmachenden Effekt anders entgegenzusteuern. Beispielsweise versuchen sie, ihren Körper zu regulieren und den Zustand vor der Heißhungerattacke wieder herzustellen durch:
  • selbst herbeigeführtes Erbrechen
  • Abführmittel
  • Appetitzügler oder Entwässerungstabletten
  • Schilddrüsenpräparate.
Die Betroffenen schämen sich für ihren Kontrollverlust, doch selbst auferlegte Diätpläne und Hungerphasen führen im Verlauf wieder zu einer Heißhungerattacke und der Teufelskreis Bulimie beginnt von vorn. Alle anderen Lebenspläne und Lebensaspekte treten hinter der Erkrankung zurück. Die Gedanken kreisen um Essen und Abnehmen und werden so zum Lebensinhalt. Anlass ist zu Beginn der Erkrankung meist die übermäßige Angst, zuzunehmen und dick zu werden.

Diagnose zu Bulimie (Ess-Brech-Sucht)

Da sich die Betroffenen häufig für ihre Essanfälle schämen und glauben, sie könnten die Essproblematik selbst in den Griff bekommen, ist die Diagnosestellung nicht ganz einfach. Es bedarf eines guten Vertrauensverhältnisses zwischen Behandler und Betroffenem, bis er sich mit seinen Problemen freiwillig anvertraut. Bei Verdacht auf Bulimia nervosa kann neben der Blutuntersuchung auch ein EKG oder ein Ultraschall angeordnet werden, denn häufiges Erbrechen verursacht eine ganze Reihe von körperlichen Schäden. Die Magensäure greift die Mundwinkel, die Schleimhäute und den Zahnschmelz an. Zudem entzieht es dem Körper lebenswichtige Salze, was zu Verstopfung, einer Nierenschädigung oder Herzrhythmusstörungen führen kann. Die Mangelernährung schädigt den Organismus, kann zu brüchigen Knochen (Osteoporose) führen, eine Schilddrüsenerkrankung auslösen oder das Herzkreislaufsystem schädigen. In der Schwangerschaft kann die Bulimie der Mutter bleibende Schädigungen beim ungeborenen Kind auslösen.

Symptome

Die Betroffenen nehmen in unregelmäßigen Abständen innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne (bis zu zwei Stunden) eine Nahrungsmenge auf, die definitiv größer ist, als die meisten Menschen in einer vergleichbaren Zeit unter ähnlichen Umständen essen würden. Während des Essanfalls entsteht das Gefühl des Kontrollverlustes, also das Essen nicht stoppen zu können. Für die Diagnose einer Bulimia nervosa müssen die Essanfälle zweimal wöchentlich über einen Zeitraum von drei Monaten auftauchen.

Zu den Diagnosekriterien der Bulimia nervosa gehören:
  • krankhafte Furcht vor Gewichtszunahme
  • übermäßige Beschäftigung mit dem Essen und Diätplänen
  • Essanfälle mit Kontrollverlust
  • der Versuch, die Kalorienaufnahme durch verschiedene Maßnahmen rückgängig zu machen (Erbrechen, Sport, Medikamente)
  • Scham- und Schuldgefühle
  • eine depressive Stimmung.
Nicht selten geht mit der Bulimia nervosa eine Depression einher oder auch eine Persönlichkeitsstörung. Häufig finden sich in der Vorgeschichte Episoden von Magersucht (Anorexia nervosa).

Behandlung zu Bulimie (Ess-Brech-Sucht)

Das Suchtverhalten in den Griff bekommen

Ein erster wichtiger Schritt eines Betroffenen ist es, die Bulimie als Erkrankung anzuerkennen und Hilfsmöglichkeiten anzunehmen. Im Anschluss folgt je nach Schweregrad und Verlauf der Erkrankung die Entscheidung, ambulante oder stationäre Hilfe in Anspruch zu nehmen. In der Klinik ist eine Rundumbetreuung gegeben, welche es Betroffenen erleichtert, sich zu kontrollieren und die krankhaften Muster zu verändern. Spezielle Kliniken sind auf essgestörte Personen abgestimmt und bieten sowohl psychotherapeutische als auch medikamentöse Behandlung in Kombination mit Ernährungsberatung, Beschäftigungstherapie und Sportprogrammen. Auch in der ambulanten Psychotherapie gibt es Therapeuten und Ärzte, die sich besonders mit Essstörungen auskennen und manchmal neben der Einzeltherapie sogar eine zusätzliche Gruppe anbieten.

Prognose

Ohne fachkundige Hilfe und therapeutische Behandlung besteht wenig Aussicht auf einen langfristigen Heilungserfolg. Selbst bei einer Besserung der bulimischen Symptomatik besteht häufig eine Verschiebung auf andere psychische Erkrankungen, wie Zwangserkrankungen, Depressionen oder Suchterkrankungen. Von den Betroffenen, die sich einer Therapie gestellt haben, werden etwa die Hälfte wieder gesund.
Doch selbst unter den zunächst erfolgreich gesundeten Personen liegt die Rückfallquote bei etwa 30 Prozent. Dann heißt es, die Hilfsstrategien zu aktivieren, die ein Bulimiepatient unter therapeutischer Anleitung erlernt hat, eventuell wieder therapeutische Begleitung anzunehmen und sich Unterstützung durch eine Selbsthilfegruppe zu suchen.

Selbsthilfe zu Bulimie (Ess-Brech-Sucht)

Wer es nicht wagt, einem Behandler den eigenen Verdacht auf eine Essstörung anzuvertrauen, sollte sich an eine andere Person wenden. Eine Freundin oder ein Familienangehöriger, der gut zuhören kann, könnte eine erste Anlaufstelle sein. Wer lieber anonym bleiben möchte, kann die Telefonseelsorge anrufen oder sich in Internetforen informieren.
Der Besuch einer Selbsthilfegruppe ist unverbindlich, kann unterstützen und Mut machen, sich an eine professionelle Stelle zu wenden.

Daten/Fakten zu Bulimie (Ess-Brech-Sucht)

Die Bulimia nervosa wurde von dem griechischen Wort „Bous“ = der Stier und „Limos“ = der Hunger abgeleitet und bedeutet daher so viel wie "Stierhunger", weil die Betroffenen eine unwiderstehliche Gier nach Essen überkommt. Bulimie betrifft hauptsächlich junge Erwachsene, Frauen mehr als Männer. Sie tritt vorrangig bei Frauen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf.
Bei Bulimie kann das Körpergewicht erhöht, aber eben auch normal sein, in selteneren Fällen sind die Betroffenen untergewichtig. Häufig steht eine Körperbildstörung dahinter, bei der die Betroffenen ihren Körper anders wahrnehmen, als er in Wirklichkeit ist. Die Bulimie ist als ernst zu nehmende Suchterkrankung zu verstehen, mit einer Drogenabhängigkeit oder Alkoholsucht zu vergleichen und daher ebenso gefährlich. Mit der Annahme therapeutischer Hilfe erhöht sich die Chance auf eine langfristige Heilung deutlich.

Links zu Bulimie (Ess-Brech-Sucht)

Deutsche Forschungsinitiative Eßstörungen e. V. (DFE)
Beratungs- und Informationsserver zu Essstörungen
http://www.ab-server.de/


Bundesfachverband Essstörungen e. V.
Zur Beratung und Behandlung von Personen mit Essstörungen
http://www.bundesfachverbandessstoerungen.de/de/2/index.html


Hungrig-Online - Information und Kommunikation bei Essstörungen
"Du bist nicht alleine mit deiner Essstörung. Reden wir darüber! Anonym, kostenlos, rund um die Uhr."
http://www.hungrig-online.de/cms/


ANAD e. V. - ambulante Therapie und therapeutische Wohnguppen für Menschen mit Essstörungen  
Die Beratungsstelle bietet telefonische und persönliche Beratung.
http://www.anad-pathways.de/index.html
Autor: Huth, Dörthe05.04.2016

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