Magersucht

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Wissen zu Magersucht

Die Magersucht wird auch als Anorexia nervosa bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Essstörung, die vor allem Mädchen und junge Frauen betrifft und die von einem selbst herbeigeführten Gewichtsverlust gekennzeichnet ist.
Sie kommt vorrangig in den westlichen Industrienationen vor und betrifft mittlerweile auch immer häufiger junge Männer. Diese Personen haben ein sehr schlankes Körperideal, halten sich an strenge Diätpläne oder verweigern die Nahrung ganz. Die Betroffenen sind häufig leistungsorientiert und haben den Hang zum Perfektionismus.

Eine Erkrankung mit schwerwiegenden Folgen

Durch die Nahrungsunterversorgung drohen ernsthafte körperliche Komplikationen, die eine psychiatrische und psychotherapeutische Hilfestellung erfordern. Ein stationärer Klinikaufenthalt ist bei schwereren Formen unumgänglich. Viele der Betroffenen leiden zudem an weiteren psychischen Auffälligkeiten wie Zwangsstörungen, Persönlichkeitsstörungen oder Depressionen.

Diagnose zu Magersucht

Ärzte und Psychotherapeuten orientieren sich bei der Diagnosestellung an den folgenden Kriterien:
  • Ein ausgeprägtes Untergewicht besteht ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 17,5. Für die Diagnosestellung einer Anorexia nervosa muss das Körpergewicht mehr als 15 % unter dem Normalgewicht liegen, das für das Alter und die Körpergröße zu erwarten wäre.
  • starke Angst vor Gewichtszunahme und ein extrem schlankes Körperideal,
  • Hochgefühl und Stolz bei Nahrungsverweigerung und Gewichtsverlust,
  • Selbst bei extremem Untergewicht haben Betroffene den Eindruck, zu dick zu sein, weil sie an einer Fehlwahrnehmung ihres Körpers leiden, der sogenannten Körperwahrnehmungsstörung.
Hinzu kommen häufig weitere Symptome, wie das Ausbleiben der Monatsblutung in mindestens drei Zyklen, ein niedriger Puls und Blutdruck, eine geringe Körpertemperatur und bei einer fortgeschrittenen Magersucht eine flaumweiche Körperbehaarung (Lanugobehaarung). Eine zusätzliche Blutuntersuchung kann zudem eine Konzentrationsänderung der lebenswichtigen Mineralien (Elektrolyte) und der Schilddrüsen- und Geschlechtshormone ergeben sowie eine Blutarmut (Anämie) oder einen gestörten Blutzuckerstoffwechsel, weil sich der Ernährungsmangel auch auf die Körperfunktionen auswirkt.

Befragung von Angehörigen

Die Befragung eines Angehörigen kann zusätzlichen Aufschluss geben, denn die Betroffenen neigen dazu, ihre Situation zu verkennen oder zu verharmlosen. Häufig beginnt die Erkrankung mit einer Diät, deren Kalorienplan beibehalten wird. Betroffene vermeiden kalorienreiche Nahrung und essen auffällig langsam. Das Essen wird auf dem Teller hin und her geschoben und in kleine Stücke zerteilt. Ansonsten leben Betroffene recht isoliert und nehmen im Verlauf immer weniger an familiären Mahlzeiten teil. Manche Magersüchtige betreiben exzessiven Sport, andere nehmen zusätzliche Appetitzügler oder Abführmittel. Ein Teil der Betroffenen erbricht sich nach dem Essen.

Abgrenzung anderer Erkrankungen

Auch andere Erkrankungen können zu einer massiven Gewichtsabnahme führen und müssen daher bedacht und ausgeschlossen werden.

Dazu gehören:

Behandlung zu Magersucht

Körper und Seele brauchen Therapie

Bei der Magersucht sind sowohl körperliche als auch seelische Symptome therapiebedürftig, deshalb ist eine Kombination aus verschiedenen Behandlungsformen erforderlich. Daher sollte auch nicht nur ein Arzt zu Rate gezogen werden, sondern ebenfalls ein Psychotherapeut und ein Ernährungsberater. Im Vordergrund steht zunächst die Gewichtszunahme, um körperliche Schäden zu vermeiden und das Gewicht zu normalisieren. Die Therapie dauert häufig mehrere Jahre, denn auch die schädlichen Denkweisen und Verhaltensmuster zu Gewicht und Ernährung müssen aufgedeckt, durch neue ersetzt und eingeübt werden. Das ist nur im Rahmen einer längerfristigen Begleitung möglich.

Klinikaufenthalt

Sofern es sich um eine schwere Magersucht handelt und die Mangelernährung lebensbedrohlich ist, Selbstmordgefahr besteht oder eine weitere psychische Erkrankung eine Rolle spielt, ist ein Klinikaufenthalt erforderlich.

In der Klinik erarbeitet ein interdisziplinäres Team einen speziell auf die betroffene Person zugeschnittenen Behandlungsplan, der verschiedene Ansätze mit einbezieht:
  • Einzel- und Gruppenpsychotherapie
  • Kunst- oder Kreativtherapie
  • medikamentöse Therapie
  • Ernährungsberatung
  • körperliche Aktivierung

Prognose

Bei etwa 30 Prozent der Erkrankten verläuft der Heilungsprozess positiv, sie erreichen in etwa das Normalgewicht und bekommen ihre krankheitsbegünstigenden Denkweisen in den Griff. Bei etwa 25 Prozent der Betroffenen chronifiziert sich das Krankheitsbild und erhöht das Risiko, an Untergewicht oder Selbstmord zu sterben. Etwa 10 Prozent der Betroffenen sterben tatsächlich infolge der Anorexie. Ein weiterer Anteil von etwa 35 Prozent nimmt zwar etwas zu, erreicht aber nicht das Normgewicht, weil sich Gedanken und Einstellungen zu Ernährung und Gewicht hartnäckig halten. Zudem leiden einige der Betroffenen auch später noch an anderen psychischen Auffälligkeiten, wie Suchtverhalten, Zwangsstörungen oder Depressionen.

Selbsthilfe zu Magersucht

Selbsthilfegruppen als Anlaufstelle

Da Betroffene ihre Erkrankung häufig verleugnen, tun sie sich schwer, Hilfe anzunehmen. Ein erster Schritt ist häufig die Suche nach Informationen im Internet. Auch die Telefonseelsorge und einige Kliniken bieten Telefonsprechstunden, bei denen Betroffene und Angehörige ihre Fragen unverbindlich und anonym stellen können.
Selbsthilfegruppen können für Betroffene und Angehörige eine wertvolle Hilfsmaßnahme sein, die auch langfristigen Austausch und Unterstützung ermöglicht. Auch der Partner, die Familie und Freunde stellen eine unabdingbare Stütze dar, jedoch sollten sie keinen Druck ausüben, weil Betroffene sich dann sehr schnell zurückziehen.

Daten/Fakten zu Magersucht

Besonders gelten Frauen zwischen dem 15. und dem 25. Lebensjahr als Risikogruppe, denn etwa ein Prozent von ihnen leiden unter einer Magersucht. Nur selten entwickelt sich die Krankheit danach. Der Erkrankungsbeginn setzt häufig kurz nach der ersten Regelblutung ein, wobei sich die Altersgrenze in den letzten Jahren immer weiter nach unten verschoben hat. Insgesamt sind Mädchen und Frauen etwa 15 bis 20 Mal häufiger betroffen als junge Männer. Magersüchtige stammen aus allen gesellschaftlichen Schichten, wobei die Mittel- und Oberschicht häufiger vertreten ist. Mit etwa zehn Prozent ist die Sterblichkeitsrate bei Magersucht sehr hoch.

Links zu Magersucht

Informationen zur Magersucht
Klinikum der Universität München
http://www.kjp.med.uni-muenchen.de/klinik/ess_anorexia.php

Informationen der Bundesgesundheitszentrale zu Anorexia nervosa
Mit vielen Hinweisen und Links für Betroffene, Eltern und Lehrer sowie Info-Telefon: 0221/8920
http://www.bzga-essstoerungen.de/index.php?id=39

Ein Forum, das Hilfe zur Selbsthilfe bei Magersucht bietet
http://www.magersucht.de/



Autor: Huth, Dörthe13.04.2017

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