Lebensmittel: Zucker oftmals unterschätzt

Viele Verbraucher sind sich des hohen Zuckergehalts in Lebensmitteln nicht bewusst, ergab eine aktuelle Untersuchung. Sie kaufen Kindern Produkte, die zu viel Zucker enthalten. Die Konsequenz ist oftmals Übergewicht des Nachwuchses. Das "Deutsche Ärzteblatt" berichtet über die Studie.


Eltern nehmen Einfluss auf kindliche Ernährung

Drei von vier Eltern schätzen den Zuckergehalt von Fertignahrungsmitteln nicht realistisch ein. Das ergab eine Untersuchung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Verbund mit der Uni Mannheim. Die Studie wurde anlässlich des 1. Zuckerreduktionsgipfels in Berlin vorgestellt. 

Die größte Fehleinschätzung betraf der Studie zufolge Joghurt. In der Vorstellung der Eltern sind in 250 Gramm Joghurt nicht mehr als vier Zuckerwürfel enthalten. Tatsächlich waren aber elf Zuckerwürfel Bestandteil des Joghurtbechers. Der Studie liegt eine Befragung von über 300 Eltern sowie eine Größen- und Gewichtsmessung ihrer Kinder zugrunde.

Im Bemühen um eine Senkung des Zuckeranteils in der Ernährung sei die Unterschätzung des Zuckergehalts von Fertignahrungsmitteln der bedeutendste Befund, so die Forscher. Dabei könnten Eltern maßgeblich auf die Auswahl der Nahrungsmittel ihrer Kinder Einfluss nehmen. Der hohe Zuckeranteil im Essen ist ein Risikofaktor für Übergewicht. In der Studie wiesen die Kinder von Eltern, die den Zuckergehalt falsch einschätzen, eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit für Übergewicht auf.


Forscher: Lebensmittelkennzeichnung ist unzureichend

Aufgrund des zunehmenden Auftretens von Übergewicht in der Gruppe der 11- bis 17-Jährigen – 18 Prozent sind übergewichtig oder adipös – fordert der Vorstandsvorsitzende der AOK Martin Litsch, dass Politik und Lebensmittelindustrie mehr Anstrengungen zur Zuckerreduktion in Lebensmitteln unternehmen. Er fordert mehr Transparenz bei verstecktem Zucker. Um gesündere Ernährungsentscheidungen treffen zu können, müssten Eltern abschätzen können, wie viel Zucker in Nahrungsgsmitteln einschließlich Getränken enthalten ist.

Laut Litsch sträubt sich die Lebensmittelindustrie aber seit Jahren gegen eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung. Weiterhin werde unnötig viel Zucker eingesetzt und Produkte mit gezieltem Kindermarketing vertrieben. Gegenwind kommt von der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker e. V., die ein Werbeverbot für abwegig hält. Kinder sollten stattdessen weniger fernsehen. 

Quelle: Dr. Julia Hofmann14.07.17Zum AnfangZurück

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