Vaters Ernährung beeinflusst Nachwuchs

Die Ernährungsweise von Vätern in spe wirkt sich auf die geistigen Fähigkeiten des Nachwuchses aus – zumindest im Tierversuch. Forscher gehen allerdings davon aus, dass sich das bei Menschen genauso verhalten könnte.


Ernährung kann Erbsubstanz verändern

Es häufen sich die Hinweise darauf, dass nicht nur die Ernährung und der Lebensstil von Müttern vor der Empfängnis die Entwicklung von Kindern beeinflusst. Auch angehende Väter nehmen Einfluss. Wird männlichen Nagetieren beispielweise besonders fettreiches Futter verabreicht, geben sie an ihren Nachwuchs die Tendenz weiter, Diabetes zu entwickeln.

Erklären lässt sich das unter anderem durch ernährungsbedingte Veränderungen der Erbsubstanz, der DNA. Hier lassen sich chemische Veränderungen in der DNA-Methylierung nachweisen. Diese kleinen chemischen Anhänge der DNA kontrollieren die Aktivität von Genen. Enthält die Nahrung viele dieser Anhänger, verändert das die DNA und damit die Genaktivität.

Lange dachte man, diese Genveränderungen würden während des Prozesses der Vereinigung von Spermium und Ei aussortiert. "Tatsächlich übersteht aber ein Teil der väterlichen DNA-Methylierung diesen Prozess", so Dan Ehninger, Leiter der aktuellen Forschungsarbeit vom Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen in Bonn.


Väterliche Ernährung beeinflusst Hirnfunktion

Er und sein Team untersuchten die Auswirkungen dieser sogenannten epigenetischen Veränderungen auf den Nachwuchs von Mäusen. Der Nachwuchs männlicher Mäuse, deren Nahrung viele Methylspender wie Folsäure, Vitamin B 12, Cholin, Betain oder Zink enthalten hatte, schnitt in Lern- und Gedächtnistests schlechter ab als Kinder normal ernährter Tiere. Auch nur vorübergehende Veränderungen in der Ernährung konnten sich in den kognitiven Fähigkeiten der Nachkommen niederschlagen, zeigen die im Journal "Molecular Psychiatry" veröffentlichten Studienergebnisse. 

Veränderungen ließen sich nicht nur im Verhalten, sondern auch im Gehirn der Tiere nachweisen. Nervenverbindungen in dem für das Gedächtnis wichtigen Bereich des Hippocampus reagierten schwerfälliger auf elektrische Reize.

Auch Menschen könnten zu vielen Methylspendern in der Nahrung ausgesetzt sein, so die Wissenschaftler. Sie nennen beispielhaft mit Folsäure angereicherte Nahrungsmittel. Bei einem Mangel lassen sich negative gesundheitliche Konsequenzen durch die Zufuhr angereicherter Nahrungsmittel vermeiden. Ein zu hoher Konsum kann sich aber ebenfalls ungünstig auswirken. 

Quelle: Dr. Julia Hofmann21.04.17Zum AnfangZurück

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