Kinderlähmung bei Baby und Kind

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Wissen zu Kinderlähmung (Poliomyelitis) bei Baby und Kind

Die Kinderlähmung (Poliomyelitits) ist eine Infektionskrankheit, die durch Viren übertragen wird. Von dem Polio-Virus sind drei Typen bekannt. Durch die hohe Durchimpfungsrate tritt die Poliomyelitis (kurz: Polio) in Deutschland und anderen Industrieländern nur noch sehr selten vor. Die Übertragung des Virus geschieht fäkal-oral. Das bedeutet, dass schlechte hygienische Verhältnisse die Ausbreitung des Polio-Virus begünstigen.
Kurz nach einer Infektion kann das Virus auch per Tröpcheninfektion durch Niesen, Husten, Sprechen von Mensch zu Mensch übertragen werden. Etwa drei Tage nach der Ansteckung können Kinder bereits infektiös sein und den Erreger über viele Wochen, auch nach Abklingen der Symptome, ausscheiden und so weitergeben. Polio verläuft in bis zu 95% mit wenigen oder gar keinen Symptomen. Nur in seltenen Fällen kommt es zu Lähmungen durch einen Befall von Gehirn oder Rücken-mark, die der Krankheit ihren Namen gaben. Bei solch schweren Verläufen kann die Infektion auch zum Tod führen. Die Inkubationszeit beträgt drei Tage bis vier Wochen.

Diagnose zu Kinderlähmung (Poliomyelitis) bei Baby und Kind

Die Krankheitsfälle, die schwerer verlaufen, lassen sich meist eindeutig durch das Symptombild als Poliomyelitis erkennen. Da viele Infektionen jedoch mild verlaufen, kann bei Verdacht zur Sicherung der Diagnose das Virus direkt im Stuhl oder Rachenabstrich nachgewiesen werden oder indirekt durch Nachweis von Antikörpern (Abwehrstoffen) im Blut, die gegen das Virus gebildet werden. Allerdings gibt das keine Auskunft darüber, ob das Virus das Nervensystem befallen hat. Falls das Virus auch das Gehirn befällt, werden sich Viren im Liquor, der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit, nachweisen lassen. Dazu muss eine Lumbalpunktion durchgeführt werden. Dazu wird mit einer langen Hohlnadel Liquor aus dem Rückenmark entnommen.

Symptome

In fast allen Fällen verläuft die Krankheit unbemerkt oder nur mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Übelkeit und Erbrechen, Gliederschmerzen.
Es gibt im Prinzip drei Formen der Poliomyelitis:
  • abortive Poliomyelitits: Nach sechs bis neun Tagen kommt es zu grippeähnlichen Symptomen. Das Nervensystem ist nicht betroffen.
  • nicht-paralytische Poliomyelitis: Etwa drei bis sieben Tage nach der abortiven Form entwickeln sich erneut Kopf- und Gliederschmerzen. Zudem tritt wieder Fieber auf (bei Kindern über 38,5°C). Zusätzlich kommt es zu Zeichen einer Hirnhautentzündung mit Nackensteifigkeit und Rücken-schmerzen. Muskelkrämpfe (Spasmen) sind ein weiteres Zeichen für eine nicht-paralytische Kinderlähmung. Die typischen Lähmungserscheinungen treten jedoch nicht auf.
  • paralytische Poliomyelitis: Bei circa einem Prozent der Menschen mit nichtparalytischer Poliomyelitis treten nach einigen Krankheitstagen asymmetrische Lähmungen der Arme und Beine auf. Bauch- und Augenmuskel können auch betroffen sein. In sehr schweren Fällen treten auch Lähmungserscheinungen der Atemmuskulatur auf, wodurch es zu schwerer Atemnot oder sogar zum Atemstillstand kommen kann. Das bedeutet, das basale Hirnareale betroffen sind, in denen sich auch das Kreislaufregulationszentrum und die Schlucksteuerung befinden.

Behandlung zu Kinderlähmung (Poliomyelitis) bei Baby und Kind

Das Polio-Virus kann nicht direkt bekämpft werden. Das bedeutet, dass die Therapie nur symptomgerichtet erfolgen kann. Die abortive Form der Poliomyelitis muss meist nicht im Krankenhaus behandelt werden.
Sobald aber Lähmungserscheinungen auftreten, ist eine Überwachung im Krankenhaus unbedingt erforderlich. Eine Verlegung auf die Kinder-Intensivstation muss jederzeit möglich sein, damit auf die Schluck- und vor allem die Atemstörungen frühzeitig reagiert werden kann. An die Behandlung der akuten Krankheitsphase mit Schmerz- und fiebersenkenden Mitteln werden krankengymnastische und orthopädische Maßnahmen als Bewegungstherapie angeschlossen, damit sich Folgeerscheinungen an Muskeln und Wirbelsäule möglichst wenig ausprägen können.

Prognose

Die meisten Infektionen verlaufen unbemerkt oder mild und heilen ohne Folgeschäden aus. Nur in sehr seltenen Fällen ist die Krankheit tödlich. In schwereren Krankheitsfällen, bei denen es zu einer paralytischen Poliomyelitis gekommen ist, kann es sein, dass sich ein Post-Polio-Syndrom (PPS) entwickelt. Dies geschieht vermutlich durch die starke Überbelastung der Muskulatur (chronische Ermüdung) während der Krankheitsphase. Beim PPS können sich noch Jahre nach der Infektion Lähmungserscheinungen wieder verschlimmern. Zudem kommt es zum Muskelschwund und folgenden Symptomen:
  • vermehrte Ermüdbarkeit bei gleicher körperlicher Belastung
  • Schmerzen
  • Verlust von Muskelkraft.

Selbsthilfe zu Kinderlähmung (Poliomyelitis) bei Baby und Kind

Die beste Prophylaxe besteht in einer Impfung, die bis zum 18. Lebensjahr durchgeführt sein sollte. Falls es zu einer Infektion gekommen ist, sollte bei grippeähnlichen Symptomen mit starken Muskelspasmen oder sogar Lähmungserscheinungen unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Außerdem muss vermehrt auf Lebensmittel-hygiene und Toilettenhygiene geachtet werden. Eltern oder andere Menschen, die mit einem erkrankten Kind in näherem Kontakt stehen, sollten sich unbedingt mituntersuchen lassen, sofern sie nicht geimpft sind, da gerade durch Windeln wechseln oder auch Hilfe auf der Toilette erhöhte Ansteckungsgefahr besteht.

Daten/Fakten zu Kinderlähmung (Poliomyelitis) bei Baby und Kind

Bis Ende der neunziger Jahre gab es in Deutschland eine "Schluckimpfung". Da es jedoch immer wieder Einzelfälle von "Impfpolio", eben ausgelöst durch den Impfstoff, gab, wurde ein neuer Impfstoff entwickelt - ein inaktivierter Lebendimpfstoff, der in den Muskel injiziert wird. In Deutschland trat der letzte bekannte Polio-Fall im Jahr 1992 auf. In einigen afrikanischen Ländern (Kenia, Nigeria) und in Asien (Pakistan, Afghanistan, Indien) ist diese Infektionskrankheit jedoch noch ein Problem. Nicht geimpfte Reisende können sich dort anstecken und die Krankheit nach Europa einschleppen.

Links zu Kinderlähmung (Poliomyelitis) bei Baby und Kind

Informationen des Robert-Koch-Instituts und Empfehlungen der Ständigen Impfkommission:
http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/P/Polio/Polio.html
Autor: Krack, Vanessa27.07.2014

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