Karpaltunnelsyndrom

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Wissen zu Karpaltunnelsyndrom (KTS)

Beim Karpaltunnelsyndrom handelt es sich um eine Sensibilitätsstörung an der Hohlhand oder den Fingern, die durch eine chronische Kompression des sogenannten Nervus medianus entsteht. Ausgangspunkt des Karpaltunnelsyndroms ist der Karpaltunnel, eine zwei Zentimeter große, enge, röhrenartige Passage auf der Unterseite des Handgelenks. Sie besteht aus bandförmigem Bindegewebe, das zusammen mit dem Handwurzelknochen diesen Tunnel bildet. Durch diesen Tunnel verläuft unter anderem der mittlere von insgesamt drei Armnerven. Dieser Nervus medianus dient der Versorgung der Handinnenseite.
Wird auf diesen Tunnel – und damit auf den mittleren Armnerv – Druck ausgeübt, und das über einen längeren Zeitraum, kann sich ein Karpaltunnelsyndrom bilden. Dessen Entstehung wird in bestimmten Fällen durch anatomische Besonderheiten begünstigt – etwa bei Menschen, deren Karpaltunnel besonders enge Ausmaße aufweisen. In vielen Fällen kündigt sich diese Nervenschädigung durch ein leichtes Taubheitsgefühl in den Fingerkuppen an, im schlimmsten Fall können sogar dauerhafte Lähmungen auftreten: Das Karpaltunnelsyndrom (KTS) zeigt viele Ausprägungen und Schweregrade. Deshalb sollte mit dem Arztbesuch nicht zu lange gewartet werden.

Ursachen

  • Monotone Bewegungen der Hand über einen längeren Zeitraum (Arbeit, Freizeit)
  • entzündete und/oder geschwollene Sehnenscheiden innerhalb des Karpaltunnels
  • Schwangerschaft
  • Schädigung der Nieren.

Diagnose zu Karpaltunnelsyndrom (KTS)

Die oben genannten Beschwerden sind bereits ein deutlicher Hinweis, dass die Ursache ein Karpaltunnelsyndrom sein könnte. Weiter führende Untersuchungen sind:
  • Gefühlsprüfung: Um beurteilen zu können, wie viel Gefühl noch in den Fingern vorhanden ist und wie es um die Muskulatur der Daumenballen bestellt ist, wird der Karpaltunnel beklopft. Treten dabei Schmerzen oder Missempfindungen auf, können dadurch wichtige Rückschlüsse gezogen werden.
  • Handgelenkbeugung: Der Patient wird aufgefordert, die Handrücken gegeneinander zu drücken und so die Handgelenke zu beugen. Treten bei diesem „Phalen-Test” noch stärkere Beschwerden auf als sonst, ist dies bereits ein Hinweis auf ein Karpaltunnelsyndrom.
  • Neurologische Untersuchung: Hinweise auf ein bestehendes Karpaltunnelsyndrom lässt auch die Geschwindigkeit zu, mit der der Nervus medianus elektrische Reize übertragen kann. Um diese Geschwindigkeit zu messen, wird eine Elektro-Neurografie vorgenommen (ENG). Bei dieser Messung der Nervenleitgeschwindigkeit werden die beiden in Frage kommenden Nerven beider Arme ebenso untersucht wie nicht betroffene Nerven, die als objektiver Referenzvergleich fungieren. Ergibt die Messung des verdächtigen Nervus medianus langsamere Reizübertragungsgeschwindigkeiten, liegt eine Schädigung durch Dauerdruck nahe.
  • Ultraschalluntersuchung: Die Ultraschalluntersuchung kann Hinweise auf mögliche Nerv-Schwellungen geben.

Symptome

Mit Ausnahme des halben Ring- und des gesamten kleinen Fingers (diese Finger oder Fingerbereiche sind nicht mit dem Nervus medianus verbunden) können alle Greifglieder Symptome zeigen, die auf ein Karpaltunnelsyndrom hinweisen:
  • "Ameisenlaufen": Ist das Handgelenk besonders belastet worden, tritt anschließend ein unangenehmes Ameisenlaufen auf. Diese Symptome treten bevorzugt tagsüber auf.
  • Nächtliches Einschlafen der Hände: Die Schmerzen, die gleichzeitig im Bereich der Hand auftreten, lassen die Betroffenen aufwachen. Diese Beschwerden können bis in die Arme und sogar in die Schulter ausstrahlen. Wird der Arm anders gebettet oder die Hand geschüttelt, lassen sich die Schmerzen dadurch anfangs lindern.
  • Steife und geschwollene Finger am Morgen: Diese Symptome treten in der Regel bei Rechtshändern bei der rechten Hand auf, bei Linkshändern an der linken; betroffen sein können aber auch beide Hände zugleich.
  • Verminderung des Tastsinns; Störungen von Gefühl und Feinmotorik: In den Fingern, die die oben genannten Anfangssymptome gezeigt haben, kommt es im Laufe der Zeit zu Störungen des Tastsinns, Zeigefinger und Daumen können beispielsweise keine Nadeln oder Knöpfe mehr greifen.
  • Völlige Gefühllosigkeit, Delle im Daumenballen: Nach längerem, permanentem Druck auf die Nervenbahn kann der Nerv irreparabel geschädigt werden. Die Schmerzen können zu einer fast vollständigen Gefühllosigkeit in den Fingern führen. Der funktionslos gewordene Nerv kann keine Impulse mehr an die Handmuskeln weiterleiten, wodurch diese zurückgehen und im Daumenballen eine typische Delle (Daumenballenatrophie) entstehen lassen.

Behandlung zu Karpaltunnelsyndrom (KTS)

Wird das Karpaltunnelsyndrom rechtzeitig festgestellt oder liegt ein leichter bis mittelschwerer Fall vor, können konservative Therapieformen greifen. Diese Methoden ohne einen Eingriff empfehlen sich bei Schwangeren ebenso wie bei Diabeteskranken oder Betroffenen, die die äußeren Ursachen für das KTS, also die monotone Handbelastung, leicht ändern können:
  • Die Hand wird geschont – das kann bis zur Aufgabe des symptomauslösenden Hobbys oder des entsprechenden Berufes gehen. Dieser Wechsel der Lebensumstände vermeidet die Überlastung; der Druck verschwindet
  • Das betroffene Handgelenk wird nachts in Mittelstellung geschient. Oftmals klagen die Patienten dann aber über Schlaflosigkeit oder Schlafstörungen
  • In den Karpaltunnel kann Kortison gespritzt werden. Hier empfiehlt sich äußerste Vorsicht, um Verletzungen zu vermeiden
  • Bei Schwangerschaften können Diuretika sowie NSAR, also Wasser treibende und entzündungshemmende Präparate helfen.
Alternativ kann ein Eingriff unter regionaler Betäubung des gesamten Armes vorgenommen werden. Meist wird in der Hohlhand ein circa drei Zentimeter langer, offener Schnitt vorgenommen. Danach wird das Bindegewebe durchtrennt, das quasi das Karpaltunnel-„Dach” bildet. Der kurze Eingriff entlastet den Nerv von übermäßigem Druck. Der Nerv kann selbständig regenerieren. In letzter Zeit wird dieser Eingriff zunehmend endoskopisch, also ohne offenen Schnitt, durchgeführt.

Prognose

Wird das Karpaltunnelsyndrom frühzeitig festgestellt, tritt bei den Patienten meist eine sofortige Schmerzfreiheit ein. Gefühlsstörungen oder Beschwerden im Daumenballen hingegen bauen sich erst allmählich ab. Ob diese Beschwerden überhaupt je wieder vollständig abklingen, hängt davon ab, wie lange der Nerv dem Dauerdruck ausgesetzt gewesen ist. Allerdings können sich die genannten Beschwerden auch noch nach Monaten bessern – und vor allem: Das Karpaltunnelsyndrom wird selbst durch eine Operation nicht dauerhaft geheilt, sondern es kann jederzeit erneut auftreten.

Selbsthilfe zu Karpaltunnelsyndrom (KTS)

Selbsthilfe bedeutet in diesem Falle Vorbeugung – und die ist beim Karpaltunnelsysndrom kaum möglich: In 90% aller Fälle lässt sich die Ursache für die Erkrankung nicht feststellen. In jedem Fall aber empfiehlt es sich, einseitige Belastungen des Handgelenks durch längere monotone Bewegungen oder Anstrengungen zu vermeiden.

Daten/Fakten zu Karpaltunnelsyndrom (KTS)

Frauen sind drei Mal häufiger vom Kapaltunnelsyndrom betroffen als Männer. Das Lebensalter der Betroffenen liegt meistens zwischen 40 und 70 Jahren. Zehn Prozent aller Menschen leiden mindestens einmal in ihrem Leben unter einem Karpaltunnelsyndrom.

Links zu Karpaltunnelsyndrom (KTS)

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF)
Ubierstr. 20
40223 Düsseldorf
Tel: 0211 - 31 28 28
Fax: 0211 - 31 68 19
E-mail: office@awmf.org
http://awmf.org
http://www.awmf.org/Karpaltunnelsyndrom
Autor: Bertrams, Reimund27.07.2014

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