Refluxkrankheit bei Baby und Kind

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Wissen zu Refluxkrankheit bei Baby & Kind

Unter einer Refluxkrankheit oder Refluxösophagitis ist die Entzündung der Speisenröhrenschleimhaut zu verstehen. Diese Entzündung entsteht durch aus dem Magen zurücklaufende Säure (Säurereflux), die die Schleimhaut der Speiseröhre stark reizt. Meist ist eine Schwäche des unteren Speiseröhrenschließmuskels die Ursache. Bei Kindern tritt die Refluxkrankheit häufig in den ersten Lebensmonaten auf. Kurze Episoden mit Reflux sind bei Säuglingen normal, denn der Verschlussmechanismus der Speiseröhre muss erst noch ausreifen. Allerdings scheint es einen Zusammenhang zu geben zwischen Rauchen oder der Einnahme bestimmter Medikamente (beispielsweise Andrenergika, Anticholinergika, Xanthine oder Kalzium-Antagonisten) während der Schwangerschaft und einem erhöhtem Risiko für Refluxkrankheit bei Neugeborenen.

Andere mögliche Ursachen für eine Refluxkrankheit bei Babys

  • Störungen der Peristaltik (Bewegung) der Speiseröhre
  • niedriger Druck des unteren Verschlussmechanismus der Speiseröhre
  • Durchtrittsstelle der Speiseröhre durch das Zwerchfell ist zu groß (Hiatusvergrößerung)
  • Durch einen Zwerchfellbruch (Hiatushernie) verlagert sich der Magen teilweise oder vollständig in den Brustkorb
  • Der Winkel zwischen Speiseröhre und oberem Magenanteil ist größer als 90 Grad.

Diagnose zu Refluxkrankheit bei Baby & Kind

Für die Diagnosestellung ist die Krankengeschichte sehr wichtig (Anamneseerhebung). Außerdem müssen andere Erkrankungen als Ursache für ständiges Erbrechen ausgeschlossen werden. Dazu gehört beispielsweise eine Fehlbildung am Magenausgang (Pylorusstenose – Verengung des Magenpförtners).

Zur Untersuchung von Speiseröhre und Magen stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung:
  • Langzeit-pH-Messung: Dazu wird eine Sonde über Mund oder Nase in die Speiseröhre des Kindes eingeführt, die über 24 Stunden lang die Säurekonzentration misst.
  • Ultraschall (Sonografie) des Bauches,
  • Röntgenkonstrastdarstellung mit Breischluck: Das Kind bekommt ein flüssiges Kontrastmittel über den Mund (oral) verabreicht. In anschließenden Röntgenuntersuchungen kann dargestellt werden, wie viel Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt. Brüche oder Fehlbildungen können so auch dargestellt werden.
  • Ösophagoskopie: Sie wird bei Kindern nur selten durchgeführt, da sie sehr belastend ist und immer in Narkose durchgeführt werden muss. Allerdings können Schleimhautveränderungen gut gesehen und gegebenenfalls eine Gewebeprobe entnommen werden (Biopsie).

Symptome

  • Trinkschwäche
  • Unruhe und Schreien während oder nach dem Trinken
  • häufiges Spucken oder Erbrechen nach der Nahrungsaufnahme
  • atonisches Erbrechen, das heißt Herauslaufen von Mageninhalt aus dem Mund im Liegen
  • in seltenen Fällen blutiger Stuhl.

Behandlung zu Refluxkrankheit bei Baby & Kind

Mit einigen Verhaltensmaßnahmen können die Beschwerden beim Kind eventuell ohne Medikamente gelindert werden:
  • dem Kind viele kleine Mahlzeiten geben,
  • falls nicht mehr gestillt wird, sollte Nahrung eingedickt werden und das Saugloch an der Flasche dementsprechend vergrößert werden,
  • bis etwa 20 bis 30 Minuten nach der Nahrungsaufnahme sollte das Kind in senkrechter Position gehalten werden,
  • das Kind mit erhöhtem Kopfende schlafen legen.

Folgende Medikamente können dem Kind gegeben werden, wenn die Allgemeinmaßnahmen nicht ausreichen:
  • Protonenpumpenhemmer (PPI) (Omeprazol, Pantoprazol): PPIs hemmen im Magen ein bestimmtes Enzym, das für den Säureeinstrom aus den Zellen der Magenschleimhaut in das Mageninnere zuständig ist. Die höchste Enzymaktivität ist morgens festzustellen, deshalb werden PPIs vorwiegend morgens vor dem Frühstück eingenommen. Mittlerweile sind Protonenpumpenhemmer in niedriger Dosierung in der Apotheke rezeptfrei erhältlich, dennoch sollte die Dosierung von einem Arzt festgelegt werden.
  • H2-Antihistaminika (Ranitidin, Cimetidin): Diese blockieren bestimmte Histamin-Rezeptoren, sodass Histamin, das als Botenstoff bei Bildung und Freisetzung von Magensäure wirkt, gehemmt wird. Magensäure wird hauptsächlich nachts gebildet; aus diesem Grund sollten Antihistaminika zur Nacht eingenommen werden.
In schweren Fällen kann es sein, dass eine Operation durchgeführt werden muss, um den Verschlussmechanismus am unteren Speiseröhrenende wieder herzustellen oder den Magen wieder in die richtige Position zu verlagern.

Prognose

Im Allgemeinen ist die Prognose für das Ausheilen der Refluxkrankheit gut. Meist verschwinden die Symptome von allein, wenn Bewegung und Verschlussmechanismen in der Speiseröhre richtig ausgereift sind. Wenn die Kinder laufen lernen, bessern sich die Beschwerden durch die aufrechte Körperhaltung. Nur in eher seltenen Fällen kann die Refluxkrankheit so ausgeprägt sein, dass es zu Gedeihstörungen kommt, wenn Nahrung immer wieder erbrochen wird.

Komplikationen der Refluxkrankheit

  • Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis),
  • chronische Bronchitis,
  • chronischer Husten,
  • Lungenentzündung (Aspirationspneumonie),
  • im schlimmsten Fall Atemstillstand.
Die Entzündungen der Atemwege entstehen, wenn Nahrungsbreibestandteile eingeatmet werden.

Links zu Refluxkrankheit bei Baby & Kind

Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e. V.
Geschäftsstelle
Olivaer Platz 7
10707 Berlin
Tel: 030 - 319 831 5000
Fax: 030 - 319 831 5009
E-Mail: info@dgvsde
http://www.dgvs.de/Reflux-Krankheit

Universitätsklinikum Erlangen
Chirurgische Klinik
Krankenhausstraße 12
91054 Erlangen
Tel: 09131 - 853 32 01
Fax: 09131 - 853 65 95
E-Mail: chir-direktion@uk-erlangen.de
http://www.chirurgie.uk-erlangen.de/Reflux-Krankheit

Veröffentlichung im Ärzteblatt.de
Verfasser: Prof. Dr. med. Wolfgang Rösch
Medizinische Klinik des Krankenhauses Nordwest
Steinbacher Hohl 2–26
60488 Frankfurt
http://www.aerzteblatt.de/Konservative Behandlung der gastroösophagealen Refluxkrankheit
Autor: Krack, Vanessa20.01.2017

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