Insektizide als Diabetesrisiko

Insektizide beziehungsweise Bestandteile aus ihnen erhöhen das Diabetesrisiko, fanden Wissenschaftler an Mäusen heraus. Die chemischen Substanzen wirken sich offenbar auf den Zuckerstoffwechsel aus, schreibt das "Deutsche Ärzteblatt" über die in der Fachzeitschrift "Genome Biology" veröffentlichte Studie.


Studie: Insektizide erhöhten Diabetesrisiko dreifach

Organische Phosphate kommen in herkömmlichen Insektiziden, aber auch in Giftgas vor. Indische Wissenschaftler fanden jetzt heraus, über welchen molekularen Mechanismen die chemischen Verbindungen beim Menschen das Risiko für die Zuckerstoffwechselstörung Diabetes erhöhen.

Der Studie liegt die Beobachtung von über 3.000 Bewohnern ländlicher Gebiete in Indien zugrunde. Bei Menschen, die regelmäßig Insektiziden mit organischen Phosphaten ausgesetzt waren, zeigte sich ein dreifach höheres Diabeterisiko als bei jenen, die keinen Kontakt zu den Pflanzenschutzmitteln hatten. Die bekannten Risikofaktoren für Diabetes – wie Übergewicht, hohe Cholesterinwerte und Bewegungsmangel – spielten bei den Untersuchten nur eine untergeordnete Rolle. 

Um zu untersuchen, wie organische Phosphate wirken, gaben die Forscher Mäusen 180 Tage lang mit organischen Phosphaten angereichertes Wasser zu trinken. 180 Tage entspricht dabei etwa zwölf bis 15 Lebensjahren bei Menschen. Nager, die organischen Phospaten ausgesetzt waren, entwickelten eine gestörte Glukosetoleranz und einen erhöhten Blutzuckerspiegel. Der orale Glukosetoleranz-Test dient dem Nachweis eines gestörten Zuckerstoffwechsels und liefert Hinweise auf eine Diabeteserkrankung.


Aus Abbauprodukten könnte Zucker entstehen 

Organische Phosphate verändern Werte des Enzyms Azetylcholinesterase, das Reize in Nerven und Muskeln übermittelt. An Mäusen, die der chemischen Verbindung ausgesetzt waren, ließ sich aber kein verändertes Enzymlevel nachweisen. Wurde ihr Stuhl jedoch Mäusen transplantiert, die keinen Kontakt zu organischen Phosphaten hatten, entwickelten die Tiere eine gestörte Glukosetoleranz. Die Zusammensetzung der Mikroorganismen im Stuhl war außerdem verändert. Zudem wurde die chemische Verbindung verändert abgebaut, sodass es zu einer vermehrten Bildung von Ausgangstoffen für Zucker kam. Dies werteten die Forscher als mögliche Erklärung für einen erhöhten Blutzuckerwert.

Quelle: Dr. Julia Hofmann07.02.17Zum AnfangZurück

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