Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

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Wissen zu Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), allgemein

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Zuckeranteil im Blut erhöht ist. Unbehandelt scheiden Diabetiker mit dem Urin vermehrt Zucker aus, was auch zur Namensgebung Zuckerkrankheit führte. Blutzucker ist der Gehalt des Traubenzuckers (Glukose) im Blut, der dem Körper wichtige Energie liefert. Der Blutzuckerwert wird über die Hormone Insulin und Glukagon reguliert, die in der Bauchspeicheldrüse gebildet werden.

Erhöhte Zuckerwerte

  • der normale Blutzuckerwert in nüchternem Zustand sollte unter 100 mg/dl (Milligramm pro Deziliter) betragen.
  • der normale Blutzuckerwert nach Nahrungsaufnahme beträgt bis zu 140 mg/dl.
  • ab einer Höhe des Zuckers im Nüchternblut von 126 mg/dl handelt es sich um Diabetes mellitus. Im nicht nüchternen Zustand liegt ab Werten über 200 mg/dl Diabetes mellitus vor.
  • Werte zwischen 100 und 120 mg/dl kennzeichnen einen Grenzbereich

Formen des Diabetes mellitus

Es lassen sich verschiedene Formen der Zuckerkrankheit unterscheiden:
  • Diabetes Typ-1: Früher auch als juveniler Diabetes bezeichnet. Die Erkrankung beginnt oft bereits in der Kindheit oder Jugend.
  • Diabetes Typ-2: Umgangsprachlich spricht man auch von Altersdiabetes, da früher vor allem ältere Personen davon betroffen waren. Zunehmend erkranken jedoch heutzutage auch jüngere Menschen an dieser Diabetesform.
  • Schwangerschaftdiabetes (Gestationsdiabetes): Diese Form tritt in der Schwangerschaft erstmalig auf und hängt mit dem in der Schwangerschaft veränderten Stoffwechsel zusammen.

Erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die Blutgefäße, weshalb dauerhaft erhöhte Werte Folgeerkrankungen aufgrund der Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) verursachen:
  • Schädigung von Herzkranzgefäßen: Koronare Herzerkrankung (KHK) und Herzinfarkt
  • Schädigung von Hirnarterien: Schlaganfall
  • Durchblutungsstörungen der Füße und Beine (Diabetisches Fußsyndrom, periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK))
  • Schädigung der Nierenarterien und Nierenfunktion
  • Schädigung von Augengefäßen
  • Schädigung von Nerven (diabetische Polyneuropathie)

Ursachen

Diabetes mellitus entsteht aufgrund verschiedener Ursachen, weshalb zwischen zwei Diabetestypen unterschieden wird:

  • Diabetes Typ-1: Insulin produzierende Zellen der Bauchspeicheldrüse bilden zu wenig Insulin. Die Körperzellen benötigen dieses Hormon, um Zucker aus der Nahrung in die Zellen aufnehmen zu können. Ursache ist die Bildung von Antikörpern, die Insulin produzierende Zellen zerstören.
  • Diabetes Typ-2: Die Zellen sind unempfindlich (resistent) gegenüber Insulin und können deshalb den Zucker aus dem Blut nicht ausreichend aufnehmen. Der Körper bildet vermehrt Insulin. Die Mehrarbeit der Insulin produzierenden Zellen kann zu einer Erschöpfung der Hormonbildung führen.
Bei beiden Formen spielt eine Veranlagung eine Rolle.

Diabetes Typ-2 kommt aber oft erst zum Tragen, wenn weitere Risikofaktoren, wie etwa
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • erhöhte Blutfettwerte
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
vorhanden sind. Die Risikofaktoren erklären, warum immer mehr Kinder und Jugendliche an Diabetes Typ-2 erkranken.

Diagnose zu Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), allgemein

In einer Blutuntersuchung werden wiederholt die Blutzuckerwerte im Nüchternblut gemessen. Der Betroffene darf zuvor zwölf Stunden nichts essen. Auch erhöhte Blutzuckerwerte im Blut des nicht Nüchternen sind verdächtig, wenn der Wert über 140 mg/dl beträgt. Die Urinuntersuchung liefert einen weiteren Hinweis, hat aber eine untergeordnete Bedeutung. Ein oraler Glukosetoleranztest (GTT) erfasst eine Zuckerstoffwechselstörung auch, wenn die Nüchternblut-Zuckerwerte normal sind. Ist Diabetes mellitus diagnostiziert, schließen sich weitere Untersuchungen etwa der Augen, des Herzens oder der Gefäße an. Körpergewicht, Blutdruck oder Blutfette müssen untersucht und kontrolliert werden. Eine neurologische Untersuchung kann ebenfalls notwendig sein.

Symptome

Bei Diabetes mellitus treten meist typische Symptome auf:

  • vermehrter Durst
  • häufiges Wasserlassen, nächtliches Wasserlassen
  • verminderter Appetit
  • Gewichtsabnahme
  • Müdigkeit, Leistungseinbußen
  • erhöhte Infektanfälligkeit (gehäufte Pilzinfektionen)
  • Juckreiz.
Zudem kann es bei länger bestehendem Diabetes zu Folgeerkrankungen der Gefäße kommen (Arteriosklerose).

Diese können sich je nach betroffenen Gefäßen bemerkbar machen als:
Geschädigte Gefäße und Nerven führen auch zu einer Wundheilungsstörung, bei der auch kleine Wunden nur schlecht heilen. Während beim Diabetes Typ 1 Symptome innerhalb kurzer Zeit auftreten, entwickeln sich die des Typs 2 langsam, sodass anfängliche Befindlichkeitsstörungen oft nicht wahrgenommen werden.

Behandlung zu Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), allgemein

Je nach Typ der Diabeteserkrankung unterscheidet sich die Behandlung. Allgemeines Ziel ist die Blutzuckerkontrolle. Der Blutzuckergehalt muss in Grenzen gehalten werden, damit keine Spätschäden und Folgeerkrankungen auftreten. Bei Diabetes Typ 1 besteht ein Mangel an Insulin, weshalb Insulin in Spritzenform zugeführt werden muss. Bei Diabetes Typ 2 bestehen mehrere Möglichkeiten der Behandlung, die auch in Kombination angewendet werden. Ein konservativer Behandlungsversuch kann ausreichen, um den Blutzuckerspiegel zu senken.

Dazu gehören:
  • Gewichtsreduktion
  • Bewegung, Sport
  • gesunde, ausgewogene Ernährung
Senken diese Veränderungen der Lebensgewohnheiten den Blutzucker nicht ausreichend, kommen Medikamente zum Einsatz. Sogenannte orale Antidiabetika werden verabreicht. Können diese auch in Kombination den Blutzucker nicht ausreichend senken, müssen auch Patienten mit Diabetes Typ 2 Insulin spritzen.

Prognose

Entscheidend für die Prognose ist eine gute Einstellung der Blutzuckerwerte. Rechtzeitig erkannt und behandelt lassen sich Folgeschäden vermeiden. Wird Diabetes mellitus nicht behandelt oder bleibt der Blutzucker dauerhaft erhöht, ist mit Folgeerkrankungen an den Gefäßen zu rechnen. Wichtig ist darüber hinaus, nicht nur den Diabetes mellitus zu behandeln, sondern auch weitere Risikofaktoren der Gefäßverkalkung (Arteriosklerose).

Selbsthilfe zu Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), allgemein

Dem Diabetes mellitus Typ 2 lässt sich häufig vorbeugen, wenn Risikofaktoren der Erkrankung, vor allem Übergewicht, möglichst erst gar nicht entstehen.
Eine gesunde Ernährung und Bewegung beugen dem Übergewicht und damit Diabetes vor. Auch erhöhte Blutfettwerte und Bluthochdruck lassen sich so vermeiden.

Daten/Fakten zu Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), allgemein

In den westlichen Industriestaaten ist Diabetes mellitus die häufigste Stoffwechselerkrankung. Über 90 Prozent der Fälle entfallen auf Diabetes Typ 2, der häufig vermeidbar wäre. Allein in Deutschland sind über sieben Millionen Menschen betroffen. Allerdings ist mit einer erheblichen Dunkelziffer aufgrund nicht diagnostizierter Fälle zu rechnen. Über die Hälfte der Patienten mit Diabetes Typ 2 ist über 65 Jahre alt. In den letzten Jahren ist zu beobachten, dass immer mehr jüngere Menschen Diabetes mellitus Typ 2 entwickeln. Nur fünf Prozent der Diabetespatienten weisen einen Diabetes mellitus Typ 1 auf. Am häufigsten erkranken Kinder im Alter zwischen elf und dreizehn Jahren. Der Schwangerschaftsdiabetes betrifft zwei bis fünf Prozent der schwangeren Frauen.

Links zu Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), allgemein

Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ)
Leibniz-Zentrum für Diabetesforschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf
http://www.ddz.uni-duesseldorf.de/index.html
http://www.diabetes-heute.uni-duesseldorf.de/index.html

Deutsche Diabetes-Gesellschaft
Reinhardtstr. 31
10117 Berlin
Tel: 030 - 311 693 70
Fax: 030 - 311 693 720
E-Mail: info@ddg.info
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

Deutscher Diabetiker Bund e. V.
Goethestr. 27
34119 Kassel
Tel: 0561 - 703 47 70
Fax: 0561 -703 47 71
E-Mail: info@diabetikerbund.de
http://www.diabetikerbund.de

Deutsche Diabetes-Stiftung
Geschäftsstelle
Staffelseestr. 6
81477 München
Tel: 089 - 579 57 90
Fax: 089 - 579 57 919
E-Mail: info@diabetesstiftung.de
http://www.diabetesstiftung.de

Kompetenznetz Diabetes mellitus
Klinikum rechts der Isar
Forschergruppe Diabetes
der Technische Universität München (TUM)
Kölner Platz 1
80804 München
Tel: 089 - 318 738 47
Fax: 089 - 318 77 33
E-Mail: kompetenznetz-diabetes@lrz.uni-muenchen.de
http://www.kompetenznetz-diabetes-mellitus.net
Autor: Hofmann, Julia22.04.2016

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