Behandlung von Wohnort abhängig

Wie oft untersucht wird und wie behandelt wird, entscheidet nicht immer die Erkrankung und das Stadium. Entscheidender ist oftmals der Wohnort, ergab die Untersuchung "Faktencheck Gesundheit" der Bertelsmann Stiftung.

 

Regional  achtmal mehr Operationen

Kranke Menschen gehen davon aus, dass es unerheblich ist, ob sie in Würzburg oder Berlin behandelt werden. Tatsächlich aber gibt es große Unterschiede in der Versorgung Kranker, wie die Bertelsmann Stiftung zum wiederholten Male herasgefunden hat. Untersuchungen aus dem Jahr 2011 sind damit bestätigt. Zugrunde liegt die Untersuchung von neun Operationsverfahren: Entfernung von Mandeln, Blinddarm, Gebärmutter, Prostata, Gallenblase sowie Kaiserschnitte, Bypass-Operationen, Defibrillator-Implantationen und Kniegelenk-Ersatz.

 

So erhalten in Bad Kreuznach etwa achtmal mehr Kinder eine Entfernung der Rachenmandeln als in Bremerhaven oder Cloppenburg. Auch bei anderen Operationen fanden sich deutliche Unterschiede. Dies wertet die Stiftung als Hinweis darauf, dass die Versorgung nicht immer dem Bedarf der Bevölkerung entspricht. Weder medizinisch lassen diese Unterschiede erklären, noch durch die Alters- oder Geschlechtsstruktur der Gebiete.

 

Mehrere Ursachen vermutet

Besonders auffällig waren einige Städte und Kreise, die gleich mehrere Operationsverfahren häufiger als andere anwendeten. Dies waren beispielsweise Kitzingen, Weiden und Neustadt an der Waldnaab in Bayern, aber auch Neer und Coppelburg in Niedersachsen und Landau und Birkenfeld in Rheinland-Pfalz.

 

Regional hat sich seit dem dem letzten Faktencheck aber wenig verändert. Die Zahlen aus 2011 und 2014 gleichen sich also und weichen kaum voneinander ab. 

 

Faktencheck vermutet, dass fehlende Leitlinien eine Ursache sein könnten, aber auch, dass ärztliche Aufklärung in verschiedenen Gebieten sehr unterschiedlich wahrgenommen wird. Entscheidungen für Operationen sollten aber nicht von der Angebotskapazität im jeweiligen Gebiet oder Gewohnheiten ortsansässiger Ärzte abhängen.

Quelle: Dr. Julia Hofmann22.09.14Zum AnfangZurück

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