Trypophobie: Forscher klären Angst vor Löchern

Nicht wenige Menschen machen die Erfahrung, dass der Anblick von Lochstrukturen wie die Löcher eines Schwammes mit unangenehmen Gefühlen verbunden ist. Forscher finden jetzt eine mögliche Erklärung dafür. Demnach ist die Angst vor löchrigen Strukturen auf eine Angst vor Infektionen und Parasiten zurückzuführen.


Manche Menschen ekeln sich vor löchrigen Strukturen

Es ist bislang keine wissenschaftlich anerkannte Phobie oder Krankheit im eigentlichen Sinne: Die Trypophobie bezeichnet eine Auffälligkeit, die mehr Menschen kennen als erahnt. Manche Menschen entwickeln beim Anblick löchriger Strukturen, wie sie in einem Schwamm, Bienenwaben, aber auch im Milchschaum des Kaffees oder in Luftschokolade enthalten sind, unangenehme Gefühle. Mit der Wahrnehmung der zirkulären Muster kann eine intensive Abneigung und Angst verbunden sein, die auch mit körperlichen Symptomen wie Übelkeit und Juckreiz einhergeht.

Forscher der Universität Kent machen für die übertriebenen Reaktionen jetzt die tiefsitzende Urangst vor Parasiten und Infektionen verantwortlich. Frühere Erklärungen waren, dass empfängliche Personen auf die Anhäufungen runder Aussparungen in Strukturen stark reagieren, weil diese Strukturen auch bei giftigen Tieren wie Schlangen oder blaugeringelten Kraken vorkommen.

Die aktuelle Studie lässt dagegen vermuten, dass es sich um eine evolutionäre Angst vor Erkrankungen handelt, deren Erscheinungsbild den Lochstrukturen in Schwämmen und anderen Gegenständen ähnelt. Ob Pocken, Masern, Röteln, Typhus oder Krätze, wer daran erkrankt ist, weist Anhäufungen ähnlich aussehender Hautmale auf, die auf die Krankheit hinweisen.


Forscher: Hinter Trypophobie verbirgt sich Angst vor Krankheiten

Die Forscher untersuchten 300 Personen mit Trypophobie und verglichen diese in ihrer Studie mit 300 nicht unter diesen Ängsten Leidenden. Alle Teilnehmer sollten 16 Bilder mit realen Objekten löchriger Struktur ansehen. Acht der Bilder standen mit Erkrankungen in Verbindung. Zum Beispiel wurden Bilder eines Hautbereichs mit Pockennarben gezeigt oder ein Ausschlag auf der Brust. Die anderen Bilder standen nicht mit Erkrankungen in Verbindung und zeigten zum Beispiel eine Lotussamenkapsel oder Bohrlöcher in einer Ziegelwand.

Beide Gruppen von Probanden empfanden die mit Krankheiten verbundenen Bilder als unangenehm, jedoch reagierten Menschen mit Trypophobie stärker. Nach ihren Reaktionen befragt, gaben die an der Phobie Leidenden auch Symptome wie Übelkeit und den Drang zu erbrechen an. Dies geschah auch bei den eigentlich harmlosen Bildern mit Lochstrukturen. Auch Hautjucken und Krabbelgefühle kamen bei Probanden mit Angst vor Lochstrukturen häufig vor.

Die Forscher meinen, damit die Ursache der Erkrankung enttarnt zu haben. Es handele sich weniger um eine Furcht vor Löchern als vielmehr um eine auf bestimmte Muster in Gegenständen übertragene Angst vor Erkrankungen. Die Forscher veröffentlichten ihre Studie im Journal "Cognition und Emotion".

Quelle: Dr. Julia Hofmann28.07.17Zum AnfangZurück

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