Sehverlust bei MS teilweise umkehrbar

Bei der Multiplen Sklerose (MS) kommt es häufig zu einem Sehverlust. Wissenschaftler entdeckten, dass ein frei in der Apothele erhältliches Medikament gegen Allergien das Sehen verbessert.


Viele MS-Patienten leiden unter Augenschäden

Das Antihistaminikum Clemastin fumrat ist ein in Apotheken erhältliches Medikament gegen Allergien. Es verbessert allergische Beschwerden, indem es sogenannte H1-Rezeptoren blockiert. Eine bislang nicht bekannte Wirkung zeigte sich in in einer Studie bei MS-Patienten. Der Wirkstoff konnte die teilweise verloren gegangene Sehkraft wieder herstellen.


Die MS gilt als Autoimmunerkrankung, bei der das eigene Immunsystem den Schutz der Nerven, das Myelin, angreift und beschädigt. Nicht selten nimmt das Sehvermögen Schaden, denn die Erkrankung ist im Bereich des zentralen Nervensystems aktiv, wozu auch die Sehnerven zählen. Dabei ist die Kommunikation zwischen Gehirn und oftmals auch Rückenmark und dem Körper gestört. Häufig beginnt die Erkrankung mit einer Entzündung des Sehnervs und Sehstörungen. Möglich sind unscharfes Sehen, Doppelbilder, Farbsehstörungen oder sogar Erblindung. Die Sehstörungen können sich wieder völlig zurückbilden oder es bleibt ein Sehschaden zurück. Schäden am Sehnerv sind bei MS häufig.

Ari Green und Mitarbeiter vom Multiple Scerosis Center der University of California/San Francisco belegten an 50 MS-Patienten mit Erkrankung des Sehnervs, dass Celmastin fumarat die Sehfunktion verbessern kann. Die durchschnittlich 40 Jahre alten Patienten mit fünfjähriger Erkrankungsdauer erhielten im Rahmen der fünfjährigen Studie zeitweise das Medikament oder ein Scheinpräparat. Vor und nach der Studienzeit unterzogen sich die Studienteilnehmer Sehtests.


Medikament verbessert Nervenübertragung

Mithilfe der Visuell Evozierten Potentiale (VEP) maßen die Wissenschaftler die Geschwindigkeit der Nervenleitung von der Retina bis zur Sehrinde des Gehirns. Die VEP sind eine übliche Untersuchung zur Testung der Nervenleitgeschwindigkeit bei Sehproblemen von MS-Patienten.

Laut Wissenschaftler wiesen Patienten, die das Medikament einnahmen, eine verbesserte Nervenleitgeschwindigkeit auf. Die Verzögerungen ließen sich an jedem Auge um durchschnittlich zwei Millisekunden reduzieren. Die Befunde sprächen möglicherweise für Reparationsprozesse des Nervenschutzmantels, so die Forscher anlässlich des Treffens der American Academy of Neurology in Vancouver, Kanada.

Quelle: Dr. Julia Hofmann26.04.16Zum AnfangZurück

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