Rezeptfreie Schlafmittel können Demenz fördern

Eine aktuelle Studie fand einen Zusammenhang zwischen anticholinerg wirksamen Arzneimitteln und der Entwicklung einer Demenz. Darunter fallen einige Mittel gegen Schlafstörungen, die rezeptfrei sind.

 

 

Alzheimer durch verschiedene Medikamente?

 

Anticholinergika sind Medikamente, die die Aktivität des Nervenübertragungsstoffes Acetylcholin im Gehirn und übrigen Körper blockieren. Die Medikamentengruppe kann zu verschiedenen Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit, Verstopfung, Urinverhalt und Trockenheit des Mundes und der Augen führen.

 

Eine im amerikanischen Ärzteblatt veröffentlichte Studie ergab jetzt, dass diese Substanzgruppe das Risiko für die Entwicklung einer Demenz steigert. Die Forscher um Professor Shelly Gray der University of Washington School of Pharmacy in Seattle warnen ältere Menschen vor Arzneimitteln mit Anticholinergika, darunter auch frei verkäufliche Medikamente wie Schlafmittel. Verordnete und eingenommene Medikamente allerdings sollten nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Eine anticholinerge Wirkung können Antidepressiva, Antihistaminika gegen Allergien und Harninkontinenzmedikamente haben.

 

 

Einige Medikamente sind ersetzbar

 

In der zugrunde liegenden Studie waren 3.500 Männer und Frauen über 65 Jahre untersucht worden. Diese wiesen zu Studienbeginn keine Demenzsymptome auf. Über den Studienzeitraum von 17 Jahren entwickelten 800 Studienteilnehmer eine Demenz.

 

Am häufigsten haben Studienteilnehmer anticholinerg wirkende Antidepressiva, ältere Antihistaminika und Medikamente für die Blasenfunktion eingenommen. Verschiedene Dosen dieser täglich eingenommenen Medikamente erhöhten das Risiko für eine Demenz.

 

Einige Patienten willigten ein, dass ihre Hirne nach ihren Tod näher untersucht werden dürfen. Die Wissenschaftler erhoffen sich davon weitere Erkenntnisse. Für Antidepressiva und Antihistamika gäbe es medikamentöse Alternativen. Zur Verbesserung der Blasenfunktion böten sich alternativ am ehesten Verhaltensveränderungen.  

Quelle: Dr. Julia Hofmann04.02.15Zum AnfangZurück

Quellenangabe für Zitate

Inhalte dieser Webseite dürfen für kommerzielle und nichtkommerzielle Zwecke ohne Rückfragen auszugsweise zitiert werden. Bedingung dafür ist die Einrichtung des folgenden Links als Quelle des Zitates: