Prostatakrebs: Rektale Untersuchung aufgeben?

Die digitale Untersuchung wird bei Männern unter anderem durchgeführt, um aggressiven Prostatakrebs aufzuspüren. Profitieren ältere Männer von der oft als unangenehm empfundenen Untersuchung? In den meisten Fällen kann man davon absehen, ergab eine Studie in "Current Medical Research and Opinion".


Tastuntersuchung könnte Männer von Vorsorge abhalten

Eine Tastuntersuchung über das Rektum wird in der Vorsorge des Prostatakarzinoms als zusätzliche Untersuchung empfohlen. Daneben wird auf die Untersuchung eines Eiweißes im Blut gesetzt. Das prostataspezfische Antigen (PSA) wird nur in der Prostata gebildet und ist in Krebsgewebe der Vorsteherdrüse zehnfach erhöht. Aber auch andere Bedingungen (wie etwa eine mechanische Reizung der Prostata) oder Erkrankungen können zu einem erhöhten Blutwert führen.

Laut Ryan Terlecki, Urologe des Wake Forest Baptiste Medical Center in North Carolina ist die digitale rektale Tastuntersuchung ein klinisches Relikt mit relativ geringem Nutzen. Die Untersuchung halte manche Männer sogar von einer Vorsorgeuntersuchung ab. 

Er und sein Team untersuchten, ob die Tastuntersuchung nötig ist, wenn doch mit der PSA-Untersuchung im Blut ein anderer genauerer Test zu Verfügung steht. "Viele Ärzte halten an der digitalen Untersuchung fest, um aggressiv wachsende Prostatatumoren zu entdecken", so der Forscher. 


Forscher: Tastuntersuchung spürt nur wenige Krebsfälle auf

Die medizinische Literatur zum Thema und eine nationale Screeninguntersuchung mit mehr als 38.000 Männern, die jährlich drei Jahre lang eine digitale rektale Untersuchung und eine PSA-Untersuchung hatten durchführen lassen, gaben Aufschluss. Die Männer wurden anschließend 13 Jahre lang beobachtet.

Von besonderem Interesse waren über 5.000 Männer mit normalem PSA-Test, aber auffälligem Tastbefund. Nur zwei Prozent dieser Männer wiesen aber einen klinisch relevanten Prostatakrebs auf. Klinisch relevant bedeutet, diese Männer müssen beobachtet oder behandelt werden. Dies zeige, dass sich mit der Tastuntersuchung nur sehr wenige Krebsfälle entdecken lassen,  so der Wissenschaftler.

In Deutschland können alle Männer ab dem 45. Lebensjahr jährlich zur Prostatakrebs-Früherkennungsuntersuchung gehen. Diese besteht neben einer Befragung aus der digital rektalen Untersuchung. Die Kosten eines zusätzlichen PSA-Tests übernehmen die Gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht, so dass dieser als Privatleistung abgerechnet wird.

Quelle: Dr. Julia Hofmann16.09.16Zum AnfangZurück

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