Herz-OP: Botox gegen Herzrhythmusstörung

Das Nervengift Botox reduziert Falten. Ein neues Anwendungsgebiet könnte zukünftig in der Herzchirurgie liegen. Botox schützte Patienten mit einer Bypass-Operation vor gefährlichen Herzrhythmusstörungen.

 

 

Vorhofflimmern ist häufige Herzrhythmusstörung nach Herz-OP

 

Die koronare Bypassoperation dient der Wiederherstellung der Blutversorgung des Herzmuskels, wenn die Herzkranzgefäße verengt bzw. blockiert sind. Die wiederhergestellte Blut- und Sauerstoffversorgung verbessert Beschwerden bei Herzenge (Angina pectoris) und koronarer Herzkrankheit und dient der Verhütung eines Herzinfarktes.

 

Die Behandlung erfordert einen mindestens mehrtätigen Krankenhausaufenthalt. Etwa 30 Prozent der Operierten entwickeln nach dem Eingriff gefährliche Herzrhythmusstörungen. Herzrhythmusstörungen des Herzvorhofes (Vorhofflimmern) sind eine häufige Komplikation nach Operationen am Herzen. Der unregelmäßige Herzrhythmus kann zu Blutgerinnseln führen, die in einen Schlaganfall münden können, wenn sie ins Hirn geschwemmt werden. Auch Herzversagen und andere schwere Komplikationen sind möglich.

 

Botox, das in das das Herz umgebende Fettgewebe gespritzt wird, scheint laut einer aktuellen Untersuchung vor Herzrhythmusstörungen zu schützen. Botox oder Botulinumtoxin ist ein Nervengift, produziert von dem Bakterium Clostridium botulinum. Kleinste in den Muskel injizierte Mengen des Giftes blockieren Nervensignale, die dafür sorgen, dass sich der Muskel kontrahiert.

 

 

Verhindert Botox Vorhofflimmern auch bei anderen Operationen?

 

Russische Forscher injizierten nun 60 Herzbypass-Patienten während der Operation entweder Botulinumtoxin oder Kochsalz in die Fettgewebspolster, die das Herz umgeben. Patienten, die das Nervengift erhalten hatten, entwickelten innerhalb von 30 Tagen nach dem Eingriff nur zu sieben Prozent Vorhofflimmern. Patienten mit Kochsalzlösung waren zu 30 Prozent betroffen. Nach einem Jahr wies kein Patient, der Botulinumtoxin erhalten hatte, Vorhofflimmern auf. In der Kochsalzgruppe hatten 27 Prozent die Rhythmusstörung.

 

Die Injektionen waren laut Forscher mit keinen Komplikationen verbunden. Übrige Komplikationen waren in beiden Gruppen vergleichbar. Sollten sich die Ergebnisse in anderen Studien reproduzieren lassen, könnte die Anwendung auch für Herzklappenoperationen interessant sein, denn Herzrhythmusstörungen kommen dabei ebenfalls häufig vor, so die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift der American Heart Association "Circulation: Arrythmia ans Electrophysiology". Bevor die Behandlung in der Routine zum Einsatz kommen kann, wird aber noch einige Zeit vergehen.

Quelle: Dr. Julia Hofmann28.10.15Zum AnfangZurück

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