ADHS: Wie sicher ist die Diagnose?

Die jüngsten Kinder einer Jahrgangsstufe in der Schule erhalten im Gegensatz zu älteren Kindern immer wahrscheinlicher die Diagnose einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS). Forscher warnen davor, Unreife mit ADHS zu verwechseln, heißt es im "Deutschen Ärzteblatt". 


ADHS-Diagnose häufig bei den Jüngsten einer Klasse

Jüngere Kinder einer Klasse erhalten häufiger eine ADHS-Diagnose als ältere Klassenkameraden. Dieser Zusammenhang wurde schon vor einer ganzen Weile festgestellt, doch hat sich der Trend verstärkt, zeigt eine Studie von Forschern der University of Nottingham. Die Ergebnisse ihrer Datenanalyse aus dem finnischen Bevölkerungsregister veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift "Lancet Psychiatry".

Die Diagnosehäufigkeit von ADHS bei Kindern variiert in verschiedenen Ländern. Der Zusammenhang zwischen Alter und ADHS Diagnose ließ sich bereits in Ländern mit häufigeren ADHS-Diagnosen nachweisen. Dazu gehören zum Beispiel die USA, Kanada, Island und Israel. Die aktuelle Untersuchung zeigt, dass die Verbindung zwischen Alter und Diagnosewahrscheinlichkeit auch in Ländern wie Finnland bedeutsam ist, in denen ADHS insgesamt weniger häufig diagnostiziert wird und es auch hier zu immer häufigeren Diagnosen vorzugsweise der jüngsten Kinder einer Klasse kommt.

Das Alter der Kinder einer Schulklasse kann bis zu zwölf Monate auseinanderliegen. Die jüngsten Kinder einer Klasse sind dabei meist zwischen September und Dezember geboren.


Forscher: Reife sollte Einschulung bestimmen

Laut Wissenschaftlern besteht die Gefahr, dass Eltern und Lehrer die Unreife jüngerer Kinder gegenüber älteren Kindern mit ADHS verwechseln könnten. Sie sprechen sich dehalb für ein flexibleres Einschulungsalter aus. Unreifere Kinder könnten dann später eingeschult werden. 

Auch in Deutschland ist die Häufigkeit von ADHS-Diagnosen gestiegen. Zwischen 2009 und 2014 stieg die Häufigkeit bei Kindern und Jugendlichen von fünf auf gut sechs Prozent. Das ergab eine bundesweite Krankenkassenauswertung, über die das "Deutsche Ärzteblatt" berichtete. 

Quelle: Dr. Julia Hofmann19.10.17Zum AnfangZurück

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