Gestörter Tastsinn macht Mäuse autistisch

Bei bestimmten Autismusformen sind Experten genetische Faktoren bekannt. Im Mausmodell zeigte sich nun, dass bestimmte Gene den Tastsinn verändern und so Autismussymptome auslösen.


Fehlendes Gen macht Mäuse scheuer

Wissenschaftler in Boston entfernten ein Gen – das auch bei Menschen mit Autismus Veränderungen zeigt – aus einigen Nerven außerhalb des Rückenmarks heranwachsender Mäuse. Die genetisch modifizierten Mäuse zeigten daraufhin eine höhere Scheue auf Berührungen als Tiere aus der Vergleichsgruppe. Auch eine Unterscheidung von glatten und rauen Oberflächen war den Tieren nicht mehr möglich. So wiesen sie kein Interesse an Gegenständen auf, die sich bis auf die Oberflächenstruktur nicht von bereits bekannten Gegenständen unterschieden. Tiere aus der Vergleichsgruppe untersuchten die neuen Gegenstände hingegen aufmerksam, da sie anders als die genetisch veränderten Mäuse einen Unterschied zu den bereits bekannten Objekten wahrnehmen konnten.


Fehlendes Gen verändert Nervenschaltstellen

Durch das Entfernen des Gens kam es bei den Versuchstieren zu Veränderungen an den Schaltstellen im Nervengewebe. So veränderte sich ein Rezeptor, der auch bei manchen Menschen mit Autismus genetisch bedingte Unterschiede zu dem Rezeptor gesunder Personen aufweist. Durch die Veränderungen weisen sowohl Mäuse als auch Menschen eine erhöhte Berührungsempfindlichkeit auf, was ihre Abneigung gegenüber Körperkontakt erklären könnte.

Die Folgen des veränderten Tastsinns könnten auch weitere Symptome des Autismus-Spektrums erklären. So ist Forschern bekannt, dass das Fehlen von Körperkontakt auch einen negativen Einfluss auf die kognitive Entwicklung von Kindern hat und später den Intelligenzquotienten vermindern kann. Dieser Zusammenhang zeigt sich jedoch nur bei Heranwachsenden. Auch im Mausmodell konnten die Wissenschaftler zeigen, dass Mäuse, die zum Zeitpunkt der Genausschaltung bereits erwachsen waren, keine autistischen Wesenszüge mehr entwickelten.

Noch ist den Forschern unklar, ob ihre neuen Erkenntnisse zukünftig Einfluss auf die Behandlung von autistischen Kindern haben könnten.

Quelle: Dr. Julia Hofmann24.06.16Zum AnfangZurück

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