Bakterien-Pille als Schutz vor Karies

Löcher in den Zähnen schmerzen nicht nur, sie bedeuten auch eine Zerstörung wertvoller Zahnsubstanz. Möglicherweise könnten probiotische Bakterien in Zukunft auf ganz einfache Art helfen, Karies vorzubeugen. Ergebnisse der zugrundeliegenden Studie veröffentlichte das Journal "Applied and Environmental Microbiology".


Bakterien namens A12 entdeckt

Karies betrifft über 90 Prozent der US-Bürger zwischen 20 und 64 Jahren. Ursache sind zuckerhaltige Nahrungsmittel und Getränke, eine schlechte Mundhygiene und zu wenig regelmäßige Besuche beim Zahnarzt. Für die Gesundheit des Mundes spielt der pH-Wert eine ausschlaggebende Rolle. Ist das Milieu im Mund zu sauer, entstehen leichter Löcher und andere Erkrankungen. Denn die Säure regt Bakterien auf der Oberfläche der Zähne an, mehr Säure zu bilden. Säure jedoch greift die Zahnoberfläche an und zerstört diese. Weitere Abbauprozesse am Zahn führen zum Entstehen mehr oder weniger tiefer Defekte bzw. Löcher.

Zahnmediziner um Robert Burne der Universität von Florida entdeckten nun einen neuen Bakterienstamm, der einem zu hohen und damit sauren pH-Wert im Mund vorbeugt, und deshalb auch vor dem Entstehen von Karies schützen könnte. Die Forscher hatten bereits in früheren Studien herausgefunden, dass zwei Hauptkomponenten bedeutsam sind, um den Mund-pH-Wert zu senken. Beim Abbau dieser Stoffe entsteht Ammoniak, das die Säure neutralisieren kann. Bei diesen beiden Stoffen handelt es sich um Harnstoff, den jeder Mensch in den Mund abgibt, und Arginin, eine Aminosäure.

Beim Abbau dieser beiden Stoffe spielen Bakterien eine Rolle, doch war bislang nicht bekannt, welche Mikroorganismen bei diesem Prozess am effektivsten sind und ob sie auch helfen, vor Karies zu bewahren. Offenbar kommt hier u. a. ein bislang nicht bekannter Stamm von Streptokokken in Frage, der A12 genannt wird.


Forscher: Art der Anwendung probiotischer Bakterien ist bislang unklar

Die Forscher hatten im Vorfeld der Entdeckung von A12 Experimente mit Proben von Zahnbelag gemacht, um Bakterien zu identifizieren, die besonders wirksam sind. Sie identifizierten im Belag 2.000 Bakterien, von denen 54 Arginin verarbeiten konnten. Von diesen besaß A12 die größte Fähigkeit, vor Karies zu schützen.

Man könnte diese probiotische Bakterien in den Mund von Kindern oder Erwachsenen mit Kariesrisiko einsetzen, so die Wissenschaftler. Wie oft das allerdings geschehen müsste, damit ein wirksamer Kariesschutz gewährleistet ist, wissen sie bislang nicht. Vielleicht reiche ein einziges Mal, möglicherweise wären aber auch wöchentliche Behandlungen nötig.

Außerdem entdeckten die Forscher, dass A12 auch in der Lage ist, einen Keim zu bekämpfen, der indirekt an der Kariesentstehung beteiligt ist. Streptokokkus mutans verarbeitet Zucker, sodass Milchsäure entsteht, was den pH-Wert des Mundes sauer macht. Eine weitere große Studie soll jetzt folgen.

Quelle: Dr. Julia Hofmann21.03.16Zum AnfangZurück

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