Abführmittel keine Dauerlösung

An manche Dinge gewöhnt sich der Körper einfach. Wer regelmäßig seine Muskeln trainiert, muss nach einiger Zeit immer höhere Gewichte stemmen, um seine Kraft weiter zu vergrößern. Wer oft viel Alkohol trinkt, wird irgendwann nicht mehr so schnell betrunken wie jemand, der nie Alkohol trinkt. Ähnlich ist es mit Abführmitteln: Wer regelmäßig welche nimmt, um seine Darmtätigkeit anzuregen, gewöhnt seinen Körper mit der Zeit daran.

Der Darm wird dann immer träger und das Absetzen wird immer schwieriger. Wer unter chronischer Darmträgheit, also Verstopfung, leidet, löst sein Problem nicht, indem er immer mehr Abführmittel nimmt. Das geht nur gewisse Zeit. Der Betroffene umgeht das Problem mit den Medikamenten nur auf chemische oder physikalische Art.

Schätzungen zufolge leiden mindestens 5 bis 6 Prozent der Bevölkerung an Verstopfung, auch Obstipation genannt. 90 Prozent der Patienten sind weiblich. Die Gründe liegen oft in einer ungünstigen Lebensweise mit zu wenig Flüssigkeitszufuhr. Wenn Sie zum Beispiel durch viel Schwitzen ausgetrocknet sind, macht das einen harten Stuhl - der Körper quetscht den Stuhlgang quasi aus und entzieht damit Wasser.

Bei älteren Menschen tragen aber auch Stoffwechselstörungen wie Diabetes oder bestimmte Medikamente zu den Beschwerden bei. Blutdrucksenker wie Betablocker wirken sich auf den Stuhlgang aus. Parkinson-Medikamente und morphiumhaltige Arzneien könnten die Magen-Darm-Tätigkeit ebenfalls bremsen. Bei jüngeren Menschen ist es eher ein Reizdarmsyndrom, bei dem sich Verstopfungen mit Durchfällen abwechseln, oder eine sogenannte generalisierte Darmträgheit, die auf einer Nervenstörung beruht.

Länger als zwei bis drei Wochen sollten Abführmittel nicht angewendet werden. Man kann aber ganz klar sagen: Abführmittel sind per se nicht schädlich. Wer meint, er müsse dauerhaft Abführmittel nehmen, weil er sonst nie auf die Toilette kommt, sollte sich aber an einen Arzt wenden. Bei denjenigen, die Abführmittel hoch dosiert brauchen, findet man oft eine Störung im Nervensystem des Darms. Die Nervenstörung ist Ursache, nicht Folge des Abführmittelbedarfs.

Man unterscheidet drei Arten von chronischer Verstopfungen. Als chronisch gelten die Beschwerden, wenn sie acht bis zwölf Wochen andauern. Bei einer Transportstörung, bei der der Stuhl verzögert den Dickdarm passiert, ist das Nervensystem gestört. Bei einer Entleerungsstörung ist der Transport bis in den Enddarm dagegen kein Problem, allerdings fällt dem Patienten die Entleerung schwer. Das kann organische Gründe haben, zum Beispiel, wenn bei einer Frau durch eine Geburt die Bindegewebsplatte zwischen Scheide und Enddarm zerstört ist.

Die dritte Art ist eine habituelle Obstipation, deren Ursache noch etwas unklar ist. Bei der körperlichen Untersuchung lässt sich keine krankhafte Veränderung im Darmtrakt feststellen. Der Stuhl dickt aber ein, und der Darm ist sehr träge. Der Lebensstil kann in diesem Fall schon eine Rolle spielen, aber die Ursache ist nicht ein banaler Ballaststoffmangel, zu wenig Sport und unzureichendes Trinken. Es gibt gute Studien, wonach psychische Faktoren in Betracht kommen. Bewusst oder unbewusst unterdrückt der Patient den Stuhldrang, dadurch verlangsamt sich die Darmpassage.

In vielen chronischen Fällen raten Ärzte zunächst, den Ballaststoffanteil an der Ernährung etwa durch Vollkornprodukte zu erhöhen - wenn man es verträgt. Flüssiger, weicher und daher besser auszuscheiden wird der Stuhl auch durch die ergänzende Einnahme von Ballaststoffen wie Weizenkleie oder Flohsamen. Synthetisch hergestellte Ballaststoffe aus der Apotheke sind eine weitere Option. Der Körper nimmt sie nicht auf, sie bleiben im Darm und halten dort Wasser - der Darm hat zu tun. Das trainiert den Verdauungstrakt, der ein Muskelschlauch ist. Und ein Muskel, der nicht bewegt wird, verkümmert.

In akuten Fällen setzt der Hausarzt auch auf sogenannte Laxanzien, das sind Medikamente, die die Beweglichkeit des Darms fördern. Rizinusöl, das Wasser im Darm hält, gasbildende Zäpfchen, die einen Stuhlpfropfen im Darm lösen sollen, und Einläufe sind weitere Methoden. Grundsätzlich gilt: Je länger die Verstopfung anhält, desto eher steckt eine ernste Erkrankung dahinter. Dickdarmkrebs zum Beispiel kann sich so bemerkbar machen.

Quelle: dpa09.02.13Zum AnfangZurück

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