Antidepressiva können Tinnitus verstärken

Menschen mit Tinnitus sind gefährdeter, eine Depression zu entwickeln. Erhalten sie Antidepressiva, ist es möglich, dass sich der Tinnitus verschlimmert, so US-Wissenschaftler. Die betroffenen Antidepressiva sind selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI). Sie werden in der Praxis sehr häufig eingesetzt.



Zweischneidiges Schwert: SSRI bei Tinnitus

Tinnitus ist das Wahrnehmen eines intermittierenden oder auch anhaltenden Geräusches, das objektiv nicht vorhanden ist. Pfeifen, Klingeln, Brummen oder Zischen hören mehr als 45 Millionen US-Amerikaner. Bei rund zwei Millionen ist der Tinnitus so belastend, dass dies die Alltagsaktivitäten beeinträchtigt.

Studien deuten darauf hin, dass Tinnituspatienten gegenüber der Allgemeinbevölkerung ein erhöhtes Depressionsrisiko aufweisen. Manche Patienten erhalten deshalb antidepressiv wirksame SSRI, die im Gehirn den Nervenbotenstoff Serotonin erhöhen. Serotonin beeinflusst die Stimmung. Eine erhöhte Konzentration des Neurotransmitters im Gehirn soll innerhalb weniger Wochen die Stimmung verbessern.

Eine aktuelle Studie ergab jetzt, dass die Behandlung mit SSRI bei Tinnitus ein zweischneidiges Schwert sein kann. Zwar können sich depressive Symptome unter der Behandlung verbessern, der Tinnitus sich aber verschlimmern. Denn Serotonin aktiviert Nervenzellen der Sinnesverarbeitung, die für die Tinnitusentstehung bedeutsam sind und wahrscheinlich von Haus aus überaktiv sind. 


Forscher wollen SSRI verändern

Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher in Versuchen mit Mäusen. In der Praxis berichten Patienten immer wieder, dass sich der Tinnitus unter der Therapie mit SSRI verschlechtert.

Bei Hörverlust oder Tinnitus sollten diese Antidepressiva zurückhaltend eingesetzt werden, fordern die Studienautoren. Denn sie könnten Tinnitusbeschwerden bereits früh nach Behandlungsbeginn verschlimmern und bei Patienten für zusätzliche Angst sorgen. Möglicherweise könnte man die Medikamente aber so verändern, dass sie den Teil der für den Tinnitus relevanten Sinnesverarbeitung nicht mehr aktivieren. 

Die Studie veröffentlichten die Forscher im Journal "Cell Reports".

Quelle: Dr. Julia Hofmann08.09.17Zum AnfangZurück

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