Computertraining gegen Tinnitus

Ein Computerübungsprogramm zur kognitiven Verbesserung der Leistungsfähigkeit kommt möglicherweise Patienten mit schwerem Tinnitus zugute. Die Übungen verbesserten nicht nur Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Konzentration, auch die Wahrnehmung des Tinnitus war vermindert, zeigt eine Untersuchung im Fachjournal "JAMA Otolaryngology-Head & Neck Surgery".


Interaktive kognitive Übungen gegen Tinnitus

Patienten mit Tinnitus haben ein schlechteres Arbeitsgedächtnis, eine langsamere Verarbeitungs- und Reaktionsgeschwindigkeit und sind in ihrer selektiven Aufmerksamkeit eingeschränkt. Verschiedene Computerprogramme können diese kognitiven Leistungsbereiche verbessern und verlangsamen das normale Altern. Sie leisten bei verschiedenen Erkrankungen ihren Beitrag. Sie beeinflussen die Fähigkeit des Gehirns, sich selbst zu reorganisieren, indem neue Nervenverbindungen geschaffen werden. Man spricht in diesem Zusammenhang von der Neuroplastizität des Gehirns.

Das kognitive Trainingsprogramm "Brain Fitness Programm-Tinnitus" ist ein kognitives Training, das speziell die kognitiven Leistungen von Patienten mit Tinnitus verbessern soll. In der aktuellen Untersuchung hatten 60 Tinnituspatienten und 20 Gesunde sechs Monate lang mit dem Programm trainiert oder kein Computertraining erhalten. Die Studienteilnehmer trainierten eine Stunde pro Tag an fünf Tagen in der Woche. Bestandteil des Programms waren elf interaktive Trainingsübungen, etwa mit akustischen Signalen oder visuellen Reizen, um die Wahrnehmung des Tinnitus zu beeinflussen.


Forscher: Kognitive Übungsprogramme könnten vielen Patienten helfen

Eine Untersuchung des Tinnitus, bildgebende Untersuchungen und kognitive Tests vor und nach dem Computertraining zeigten, dass Tinnituspatienten ihre Ohrgeräusche weniger stark wahrnahmen. Auch Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Konzentration waren gegenüber Tinnituspatienten ohne Computertraining verbessert. Bildgebende Untersuchungen offenbarten Veränderungen in Gehirnbereichen, die mit der Aufmerksamkeit und kognitiven Kontrolle verbunden sind. Veränderungen des Verhaltens ließen sich nicht beobachten.

Das Training zur Restrukturierung des Gehirns durch Bildung neuer Nervenverbindungen könnte ein wesentlicher Bestandteil der Tinnitustherapie werden, so die Wissenschaftler. Sie versprechen sich gute Erfolge bei Tinnitus.

Quelle: Dr. Julia Hofmann02.02.17Zum AnfangZurück

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