Selbstmord: Luftverschmutzung als Risikofaktor

Bislang wurde das Selbstmordrisiko vor allen mit psychologischen Faktoren in Zusammenhang gebracht. US-Forscher finden nun in der Luftverschmutzung eine mögliche Ursache. Betroffen sind mehr Männer als Frauen.

 

Etwa 10.000 Menschen nehmen sich in Deutschland jährlich das Leben, in den USA sind es 40.000 Menschen. Damit rangiert der Suizid unter den ersten zehn Todesursachen. Psychologische Faktoren wie Stress, Angst und Depressionen stehen mit dem Selbstmordrisiko in engerem Zusammenhang. Bereits eine Studie aus 2010 im "American Journal of Psychiatry" zeigte, dass Südkoreaner aus sieben Städten innerhalb von zwei Tagen nach einem Anstieg der Luftverschmutzung zu neun Prozent wahrscheinlicher Selbstmord verübten.

 

 

Schlechte Luft steigert Selbstmordrisiko vor allem bei Männern

 

Wissenschaftler der Universität Utah weisen in ihrer im "American Journal of Epidemiology" veröffentlichten Studie ebenfalls einen Zusammenhang mit der Luftverschmutzung nach. Sie fanden heraus, dass Bewohner des Salt Lake County wahrscheinlicher innerhalb von drei Tagen Suizid verübten, nachdem sie erhöhten Stickstoffemissionen oder einer hohen Feinstaubbelastung ausgesetzt waren. Besonders betroffen sind Menschen mittleren Alters und Männer.

 

Der Untersuchung zugrunde liegen die Daten von über 1.500 Bewohnern von Salt Lake County, die zwischen 2000 und 2010 Selbstmord verübten. Männer wiesen demnach drei Tage nach einer erhöhten Luftbelastung durch Stickstoffemissionen und Feinstaub ein um bis zu 25 Prozent erhöhtes Selbstmordrisiko auf.

 

 

Nicht alle Bewohner einer Gegend sind gleichermaßen betroffen

 

Laut Forscher unterschied sich das Selbstmordrisiko zwischen verschiedenen Altersklassen und zwischen den Geschlechtern und war auch bei allen Bewohnern des County gleich. In einem nächsten Schritt wollen die Forscher genauer untersuchen, welche Faktoren (zum Beispiel sozioökonomische oder genetische Faktoren) für die Selbstmordanfälligkeit nach erhöhter Luftbelastung verantwortlich sind.

Quelle: Dr. Julia Hofmann25.02.15Zum AnfangZurück

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