Nicht nur Wulff hofft auf «schöne, ruhige Tage»

Berlin (dpa) – Mit der letzten Kabinettssitzung in diesem Jahr hat die Bundesregierung am Dienstag die politische Weihnachtsruhe in Berlin eingeläutet. Für ruhige Stunden Zuhause oder Urlaub mit der Familie hatten die meisten Politiker 2011 kaum Zeit. Sie mussten den Euro retten, den Atomausstieg beschließen oder die Wutbürger in Stuttgart besänftigen. Nun freuen sich viele aus Regierung und Opposition darauf, das Handy einmal auszuschalten und die Aktenstapel gegen Berge von Geschenken eintauschen zu können. Und statt nur schnell Häppchen in Sitzungen zu verdrücken, wird nun ausgiebig geschlemmt.

Vor allem Bundespräsident Christian Wulff (52) dürfte es genießen, wenn sich die Türen des Schlosses Bellevue schließen und alle Kritiker seines umstrittenen 500 000-Euro-Privatkredits draußen bleiben müssen. Zum ersten Mal werden die Wulffs Weihnachten in Berlin feiern, «in unserem neuen Zuhause», wie Ehefrau Bettina (38) sagt. Mit der ganzen Familie wollen sie sich «ein paar schöne, ruhige Tage machen».

Auch Kanzlerin Angela Merkel (57) sucht Erholung – in der Einsamkeit der Berge. Merkel hat dieses Jahr alle Kraft in die Rettung des Euro gesteckt. An Weihnachten kann sie ihre Energie endlich auf andere Dinge verwenden: Skilanglauf in den Alpen und die Zubereitung ihrer traditionellen Weihnachtsgans.

In den vergangenen Monaten mahnte Merkel immer wieder bei allen Euro-Ländern eine strenge Haushaltsdisziplin an. Sparen Politiker eigentlich auch im eigenen Haus? «Nein, denn das wäre auch für Handel und Wirtschaft nicht gut!», meint FDP-Entwicklungsminister Dirk Niebel (48). Auch Grünen-Chefin Claudia Roth (56) will die Binnenwirtschaft ankurbeln: «An Geschenken werde ich sicher nicht sparen, sondern verschenke gerne großzügig und bunt verpackt. Unter dem Weihnachtsbaum sollen ja viele Päckchen liegen.»

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (54) will nicht ganz so opulent feiern. «Sparen ist immer sinnvoll, aber nicht wegen der Schuldenkrise», findet der CSU-Politiker. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (53) hält es ähnlich: «Eine große Familie zu haben - mit derzeit zwei Kindern im Studium – setzt einen gewissen Rahmen. Dazu brauchen wir weder Euro noch Krise», sagte die CDU-Politikerin.

Nach einem Jahr voller Sitzungen und Bürotage suchen einige Politiker auch sportlichen Ausgleich über die Festtage. Gesundheitsminister Daniel Bahr (35) von der FDP etwa wagt sich in Österreich auf die Skipiste. Auch Landwirtschaftsministerin IlseAigner (47) von der CSU möchte nach dem Fest Luft holen: «Wenn man fast das ganze Jahr im Büro verbringt, im Auto, im Flugzeug und auf Konferenzen, unter ständigem Zeitdruck, dann ist es einfach traumhaft, für ein paar Tage die frische Luft und die Ruhe in den Bergen genießen zu können.»

Auf dem Speiseplan stehen in vielen Familien jedes Jahr die gleichen Gerichte. Bahr etwa sitzt mit der Familie gerne beim Fondue zusammen, Aigner isst «ganz traditionell Würstel mit Kartoffelsalat». Roth feiert die echte bayerische Weihnacht mit «dem großen Weihnachtsschmaus».

Richtig gut durchorganisiert ist das Fest bei Familie von der Leyen, wo die sieben Kinder, Großvater Ernst Albrecht und die Geschwister der Ministerin mit Familien zusammenkommen. Dort gibt es ein kaltes Buffet, das alle zusammen vorbereitet haben - «so muss keiner hektisch in der Küche wirbeln, sondern wir können einfach entspannt Zeit miteinander verbringen», erklärt von der Leyen.

Ganz besonders freuen sich SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles (41) und Familienministerin Kristina Schröder (34) auf Weihnachten. Sie feiern beide zum ersten Mal mit ihren kleinen Töchtern. Schröder, die im Sommer die kleine Lotte Marie zur Welt brachte, sehnt sich nach freien Tagen ohne Akten und Termine. «Ich werde zwischen den Jahren zum ersten Mal seit der Geburt meiner Tochter wieder versuchen, ein komplettes Buch zu lesen», verrät die CDU-Politikerin.

Der Kirchgang gehört für viele zum Fest dazu. Neben Bahr, Aigner, von der Leyen oder Friedrich will auch FDP-Chef Philipp Rösler (38) wie jedes Jahr in den Gottesdienst gehen. Der Wirtschaftsminister freut sich nach den schweren Turbulenzen bei den Liberalen besonders darauf, dass es an den Festtagen endlich mal keine Besonderheiten gibt. «Ganz normal Weihnachten: Weihnachtsbaum schmücken, Kirche, Bescherung, Essen.»

Quelle: Von Doreen Fiedler, dpa21.12.11Zum AnfangZurück

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