Luftnot - große Mandeln oder Zunge?

Kann ein Zahnarzt mit einem Blick in den Mund seines Patienten einschätzen, ob er ein Risikokandidat für nächtliche Atemstillstände ist? Ja, sagt eine neue Studie der Universität von Dammam.


Berliner Fragebogen zur Risikoeinschätzung

Bei dem Schlafapnoesyndrom handelt es ich um gefährliche nächtliche Atemstillstände. Den Ursachen dieser Atemaussetzer kamen jetzt Wissenschaftler näher. Um das Risiko der Studienteilnehmer, am Schlafapnoesyndrom zu erkranken, einzuschätzen, verwendeten die Forscher den Berliner Fragebogen. Dieser bewertet Risikofaktoren wie Geschlecht, Alter, Übergewicht, Nackenumfang, Schnarchen, Müdigkeit, Sekundenschlafanfälle und Bluthochdruck. Auch die Größe von Zunge, Mandeln und Gaumenzäpfchen wurden beachtet. 


Die Studie unter der Leitung von Thikriat Al-Jewair zeigt, dass Menschen mit verhältnismäßig großen Mandeln oder Zungen häufiger am Schlafapnoesyndrom leiden als andere Männer und Frauen. Bei schweren Formen dieser Schlafstörung kann es durch minutenlange Atemstillstände mitunter zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen.  Außerdem ist der Schlaf für Betroffene durch den anhaltenden Sauerstoffmangel wenig erholsam.

Zwar können Zahnärzte die Schlafstörung nicht diagnostizieren, sie können Patienten mit einem oder beiden Risikofaktoren jedoch frühzeitig an einen Spezialisten für Schlafmedizin überweisen. Ein häufiger Hinweis auf eine zu große Zunge sind zum Beispiel Zahnabdrücke an den Zungenseiten. Solche Indizien sind für den Zahnarzt leicht zu erkennen, während andere Mediziner den Mund- und Rachenraum ihrer Patienten nur selten genauer inspizieren.


Männer mit Übergewicht am häufigstens betroffen

In der Gewichtung der Risikofaktoren befinden sich große Zungen und Mandeln jedoch nicht an erster Stelle. Menschen mit Übergewicht haben ein zehnmal höheres Risiko nächtliche Atemstillstände zu entwickeln als Normalgewichtige. Außerdem waren 80 Prozent der betroffenen Studienteilnehmer Männer. Allein in den USA leiden schätzungsweisen mehr als 18 Millionen Erwachsene am Schlafapnoesyndrom, laut der National Sleep Foundation wird es häufig nicht diagnostiziert.

Die Forscher veröffentlichten die Studie vergangenen Monat im "Saudi Medical Journal". Laut Al-Jewair sollen weitere Studien mit verschiedenen Altersgruppen und Überwachungen im Schlaflabor folgen, um Häufigkeit und Schwere des Schlafapnoesyndroms genauer zu erforschen.

Quelle: Dr. Julia Hofmann18.03.16Zum AnfangZurück

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