Lachgas mindert Traumafolgen

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kommt nach schweren Lebensereignissen häufig vor. Betroffene leiden unter den Erinnerungen an das traumatische Ereignis. Lachgas könnte ihnen helfen.


Nach dem Trauma: Intrusionen und Flashbacks

Die PTBS ist eine Folge traumatischer Erlebnisse etwa durch Kriege, Verbrechen oder andere einschneidende Lebensereignisse. 60 bis 80 Prozent der Vergewaltigungsopfer leiden an einer PTBS. Insgesamt sind etwa fünf Prozent der Männer und zehn bis zwölf Prozent der Frauen davon zu irgendeiner Zeit in ihrem Leben betroffen.

Symptome der PTBS sind sogenannte "Intrusionen", Erinnerungen an das belastende Ereignis, die sich immer wieder unwillentlich aufdrängen und belastend sind. Auslöser sind häufig andere belastende Situationen. Davon zu unterscheiden sind "Flashbacks", bei denen Erkrankte das Trauma mit all ihren Sinnen intensiv wieder und wieder erleben, so als geschehe es nochmals. Möglicherweise können Betroffene das so intensiv Erlebte nicht von der gegenwärtigen Realität unterscheiden.

Dr. Ravi und Mitarbeiter vom University College London konnten jetzt zeigen, dass Lachgas geeignet ist, Intrusionen zu mindern. Sie untersuchten 50 gesunde Personen und zeigten ihnen Szenen des Films "Irreversibel", der in der Vergangenheit als so grausam und gewalttätig beschrieben wurde, dass er für viele Menschen nicht sehenswert ist. Es hatte sich bereits gezeigt, dass die Filmszenen geeignet sind, eine leichtere Art von Intrusionen auszulösen, als dies nach wirklich erlebten Traumen der Fall ist.


Forscher: Lachgas verhindert Speicherung in langfristige Erinnerungen

Nach dem Ansehen der Filmclips erhielt die Hälfte der Studienteilnehmer 30 Minuten lang ein Gas aus 50 Prozent Lachgas und 50 Prozent Sauerstoff, die andere Hälfte einfach Luft. Eine Woche lang dokumentierten die Teilnehmer intrusive Erinnerungen an das im Film Gesehene.

Belastende Gedanken an Inhalte des Films klangen bei Studienteilnehmern mit Lachgasbehandlung wesentlich schneller ab als bei nicht mit dem Gas Behandelten. Schon am ersten Tag nach Ansehen des Films nahmen Intrusionen um 50 Prozent ab und fielen in der restlichen Woche weiter exponentiell. Studienteilnehmer dagegen, die Luft geatmet hatten, zeigten einen langsameren Abfall von Intrusionen und erst am vierten Tag war dieser signifikant.

Die Wissenschaftler vermuten, dass Lachgas den Prozess der Speicherung von bleibenden Erinnerungen zu unterbrechen imstande ist.

Quelle: Dr. Julia Hofmann11.03.16Zum AnfangZurück

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