Krebs: Fortbewegung von Tumorzellen verändert

Krebsgeschwüre werden vor allem dann gefährlich, wenn sie streuen. Amerikanische Forscher untersuchten die abgesiedelten Tumorzellen nun genauer.


Brustkrebszellen verhalten sich anders als gesunde Zellen

Ein Team um Anand Asthagiri der Northeastern University in Boston imitierte mithilfe des Eiweißes Fibronectin die Struktur von Bindegewebe im Körper aus Glasplatten. Dabei achteten die Wissenschaftler vor allem auf verschiedene Weiten im künstlich geschaffenen Eiweißnetz. Diese bindegewebsähnlichen Streifen versetzten sie mit Hunderten von entarteten sowie gesunden Brustzellen. Das Verhalten der Zellen konnten die Forscher dann mithilfe eines Zeitraffermikroskops beurteilen.

Während gesunde Brustzellen bei der Kollision mit anderen Zellen in 99 Prozent der Fälle eine Kehrtwende machten, verhielt sich ungefähr die Hälfte der Tumorzellen anders. Stießen sie auf andere Zellen, verlängerten sie sich und glitten um die Kollisionspartner herum.


Oberflächeneiweiße verantwortlich

Es ist bereits lange bekannt, dass Tumorzellen einen Mangel bestimmter Oberflächeneiweiße zur Zell-Zell-Kommunikation aufweisen. Sogenannte E-Cadherine sind dafür verantwortlich, dass Zellverbände stabil werden. Durch das Fehlen dieser Eiweiße kommt es zu Instabilitäten in Tumoren, die ein Abschwemmen von entarteten Zellen ermöglichen. 

Die Forscher fanden nun heraus, dass E-Cadherine scheinbar nicht nur für das Abschwemmen der Tumorzellen aus ihrem Verband verantwortlich sind. Auch die besondere Agilität der Zellen scheint mit dem Mangel an Oberflächeneiweißen in Verbindung zu stehen. Entfernten die Wissenschaftler das Eiweiß von gesunden Zellen, begannen auch diese um Kollisionspartner herum zu gleiten und wiesen eine bessere Beweglichkeit durch das Eiweißnetz auf.

Das Modell der Forscher könnte in Zukunft hilfreich bei der Beurteilung der Effektivität neuer Krebsmedikamente sein, was die Einschränkung der Fortbewegung von Tumorzellen betrifft. Auch für das Staging von Tumoren könnte sich die Betrachtung des Fortbewegungsverhaltens der entarteten Zellen als nützlich erweisen. 

Quelle: Dr. Julia Hofmann11.05.16Zum AnfangZurück

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