HIV: Warum das Immunsystem machtlos ist

Anders als andere Krankheitserreger kann das menschliche Immunsystem HIV nicht eliminieren. Forscher konnten nun ein bestimmtes Gen dafür verantwortlich machen.


Eiweiß verhindert Immunantwort

Gelangt das HI-Virus in eine Zelle des Immunsystems, beginnt es diese umzuprogrammieren, indem es seine eigene Erbinformation in die der Zelle einbaut. Gegen diesen von Viren genutzten Mechanismus sollte der Körper eigentlich gewappnet sein, da seine Zellen das Sensoreneiweiß STING herstellen, das Verlängerungen der zelleigenen Erbsubstanz erkennt und daraufhin eine Immunantwort auslöst. Bisher war unklar, wie genau es dazu kommt, dass dieser schützende Vorgang bei einer HIV-Infektion versagt. Nun konnte ein Team der Universität von North Carolina ein menschliches Gen, das ein Eiweiß namens NLRX1 kodiert, für das Phänomen verantwortlich machen. Das produzirte NLRX1 blockiert ein durch STING aktiviertes Protein und verhindert so eine Immunantwort.


Parallelen zu Krebs

NLRX1 kann als sogenannter Immun-Checkpoint eingeordnet werden. Solche Checkpoint-Eiweiße sollen überschießende Reaktionen des Immunsystems in gesunden Zellen verhindern, indem sie Immunreaktionen abbrechen. Auch bei Krebserkrankungen spielen die Mechanismen dieser Proteine eine Rolle. Tumorzellen nutzen die Immun-Checkpoints um zu verhindern, dass sie das Immunsystem erkennt und eliminiert. Dieses Wissen spielt bei der Krebsbehandlung mittlerweile eine große Rolle. Medikamente, die die Immun-Checkpoints inaktivieren, machen eine Immunantwort des Körpers wieder möglich und verbessern so die Heilungschancen bei Tumorleiden.

Auch für den Therapieerfolg bei HIV können die neuen Erkenntnisse der Forscher nun ein wichtiger Meilenstein sein. Haitao Guo, der Leiter der Studie, betont außerdem, dass die Ergebnisse seiner Untersuchungen das Verständnis für Pathomechanismen anderer Virenarten wie Herpes- und Pockenerreger verbessern kann. Er veröffentlichte seine Studie in der Wissenschaftszeitung "Cell Host & Microbe".

Quelle: Dr. Julia Hofmann28.04.16Zum AnfangZurück

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