Heuschnupfen verändert Gehirn

Niesen, laufende oder verstopfte Nase, juckende Augen: Pollenallergiker leiden in Frühling, Sommer und frühem Herbst am meisten. Saisonale Allergien beeinflussen aber auch das Gehirn, zeigt eine Forschungsarbeit aus Österreich.


Pollenallergie beeinflusst Gedächtnis und Lernen

Mäuse mit Graspollenallergie entwickeln nicht nur neue Nervenzellen in einem bestimmten Hirnareal, wenn sie Graspollen ausgesetzt sind. Sie weisen dort auch eine verminderte Aktivität von Immunzellen auf, ergab eine Studie von Wissenschaftlern der Paracelsius Universität in Salzburg.Bei der Hirnregion handelt es sich um den Hippocampus. Dieser Teil des Gehirns ist für die Erinnerung und das Lernen bedeutsam.

Über 40 Prozent der Allergiker leiden unter einer Pollenallergie. Diese tritt entsprechend der auslösenden Antigene wie Blüten-, Baum- oder Kräuterpollen meist saisonal auf. Manche Allergiker leiden aber unter mehreren Allergien, sodass einige fast das ganze Jahr lang Beschwerden aufweisen.

Die Erkenntnis, dass allergische Reaktionen die Funktion des Gehirns, vor allem Gedächtnis und Lernen beeinflussen, ist nicht ganz neu. Die Wissenschaftler aus Österreich gingen der Sache im Tierversuch auf den Grund. Sie verglichen die Gehirne von Mäusen mit Heuschnupfen beziehungsweise einer Graspollenallergie mit den Gehirnen nicht allergischer Mäuse.


Ergebnisse sind schwer zu interpretieren

Waren allergische Tiere Graspollen ausgesetzt, bildeten sie im Hippocampus vermehrt Nervenzellen.Gleichzeitig war die Aktivität von Mikrogliazellen im Hippocampus vermindert. Mikrogliazellen sind primäre Immunzellen des zentralen Nervensystems. Das sind Zellen, die auf Krankheitserreger zuerst reagieren.

Die festgestellte verminderte Aktivität der Immunzellen verwunderte die Forscher, da andere Studien bei bakteriellen Infektionen eine vermehrte Aktivität nachgewiesen hatten. Allerdings würden sich die Reaktionen des Immunsystems bei bakteriellen Infektionen und Allergien unterscheiden, so die Wissenschaftler. Die Auswirkungen auf das Gehirn hängen offenbar von der Art der Immunreaktion im Körper ab.

Wie die Veränderungen die Funktion des Gehirns beeinflussen, ist indes unklar. De Bildung neuer Nervenzellen im Bereich des Hippocampus ist im Alter reduziert. Dies kann zu Erkrankungen führen, bei denen das Gedächtnis in Mitleidenschft gezogen wird, zum Beispiel Morbus Alzheimer. Die Wissenschaftler wissen aber nicht, was eine vermehrte Bildung von Nervenzellen bedeutet. Die verminderte Immunaktivität könnte aber zerstörerische Konsequenzen haben, besonders wenn diese längere Zeit anhält.

Quelle: Dr. Julia Hofmann23.08.16Zum AnfangZurück

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