Harnwegsinfektion: Cranberrysaft hilft nicht

Cranberrysaft ist gegen Harnwegsinfektionen wirksam, glauben viele Menschen. Ein Irrtum, meinen Wissenschaftler aus Houston in Texas. Nur Kapseln haben demnach eine schützende Wirkung. Saft enthält demnach nicht die nötigen Konzentrationen eines Inhaltsstoffes, der vor Harnwegsinfektionen schützen kann.


Forscher untersuchen Frauen mit Risiko für Harnwegsinfekt

Eine Harnwegsinfektion kann jeden Bereich des Harntraktes betreffen. Neben der Blase können auch Harnröhre und Nieren entzündet sein. Häufig zeigen sich Symptome wie häufiges und schmerzhaftes Wasserlassen, Schmerzen im Bereich des Beckens und Blut im Urin.

Bei den ersten Anzeichen greifen viele als Erstmaßnahme zu Cranberrysaft. Eine aktuelle Studie ergab jedoch, dass der Saft im Gegensatz zu Cranberrykapseln nicht ausreichend hilft.

Zugrunde liegt eine Untersuchung an 160 Frauen zwischen 23 und 88 Jahren, die sich einem gynäkologisch-chirurgischen Eingriff unterzogen hatten. Nach dem Eingriff, bei dem ein Harnblasenkatheter gelegt wird, entsteht bei Frauen sehr häufig ein Harnwegsinfekt, wenn der Katheter entfernt wird.  


Handelsüblicher Cranberrysaft ist eher wirkungslos

Die Hälfte der Frauen erhielt zweimal täglich Cranberrykapseln, eine andere Gruppe nach dem Eingriff sechs Wochen lang Cranberrysaft in vergleichbarer Konzentration und eine weitere Gruppe eine Scheinbehandlung.

Cranberry in Form von Kapseln konnte das Risiko eines Harnwegsinfekts um 50 Prozent senken. 19 Prozent der mit Cranberry behandelten Frauen entwickelten eine Harnwegsinfektion. Scheinbehandelte Frauen waren zu 38 Prozent betroffen.

Die Wirkung von Cranberry lässt sich durch einen Inhaltsstoff in der Beere erklären, der Bakterien daran hindert, sich an die Blasenwand zu heften. Allerdings entsprach eine Cranberrykapsel, die in der Untersuchung verwendet wurde, 240 ml des Saftes, sodass Frauen sehr große Mengen an Saft trinken müssten, damit dieser überhaupt eine Wirkung entfalten könnte. Zudem sind die benötigten Konzentrationen des wichtigen Inhaltsstoffes im Handel gar nicht erhältlich.

Quelle: Dr. Julia Hofmann22.02.16Zum AnfangZurück

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