Gene bestimmen Suchtanfälligkeit mit

Nicht jeder, der mit Drogen in Berührung kommt, wird süchtig. Forscher sind den Gründen für dieses Phänomen seit Langem auf der Spur. Nun konnten sie am Suchtgeschehen beteiligte Gene in Ratten identifizieren.


Zusammenspiel aus Veranlagung und Umwelt 

Sucht ist ein komplexes Phänomen, das weder nur mit einem schwachen Willen noch mit einem schlechten Einfluss von außen erklärt werden kann. Nicht jeder, der Drogen wie Kokain mehr als einmal konsumiert, verfällt dem Stoff ein Leben lang. Auf der anderen Seite gibt es Familien, deren Angehörige scheinbar überdurchschnittlich häufig Suchterkrankungen entwickeln. Eine genetische Komponente bei der Abhängigkeitsentwicklung gilt bereits seit Langem als wissenschaftlich erwiesen.

Nun ist es Wissenschaftlern der University of Michigan Health System mithilfe Ratten verschiedener selektiver Zuchtlinien erstmals gelungen, die Neigung zur Suchtentwicklung an der Aktivität bestimmter Gene festzumachen. 


Stoffwechselvorgänge im Hirn nicht bei allen Ratten gleich

Die Forscher betrachteten die Dichte bestimmter Rezeptoren im Hirn unterschiedlicher Rattenzuchtlinien. D2 ist ein Rezeptor, der auf den körpereigenen Botenstoff Dopamin, aber auch auf die Droge Kokain reagiert. Ratten aus Züchtungen, die anfällig für Drogenabhängigkeit sind, wiesen vor einer Kokainexposition eine geringere Dichte dieser Rezeptoren im Gehirn auf als Ratten anderer Linien. Dies ist auf eine geringere Aktivität des kodierenden Gens zurückzuführen. Unter Kokaineinfluss nahm die Genaktivität und damit die Rezeptordichte jedoch soweit zu, dass sich die Nager der beiden Zuchtrichtungen diesbezüglich nicht mehr unterschieden. Während die Ratten, die genetisch über eine geringere Zahl an Rezeptoren verfügten, nach dem Absetzen der Drogen deutliche Entzugserscheinungen zeigten, hatten die von Natur aus D2-reichen Ratten keine Probleme mit einer Abstinenz.

Die Forscher fanden noch weitere Unterschiede im Hirnstoffwechsel der beiden Gruppen. FGF2 ist ein Signaleiweiß, das bekanntermaßen am Suchtgeschehen beteiligt ist. Die Gene von Ratten, die keine Kokainabhängigkeit entwickelten, produzierten sowohl vor als auch nach dem Kontakt mit Kokain geringere Mengen FGF2 als die ihrer suchtanfälligeren Artgenossen. 

Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen, dass sich Stoffwechselvorgänge im Gehirn nicht erst durch Drogenkonsum verändern, sondern je nach Veranlagung bereits vor dem Kontakt von Individuum zu Individuum unterscheiden. 
 

Quelle: Dr. Julia Hofmann09.05.16Zum AnfangZurück

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