Brustkrebs: Nebenwirkungen von Erwartung abhängig

Erwartungen werden manchmal zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung: Glauben Frauen mit Brustkrebs, an der Hormontherapie mit Tamoxifen zu leiden, erfüllt sich das auch häufig. Zu diesem Ergebnis kommen Psychosomatiker des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

Antihormon Tamoxifen soll Tumorwachstum stoppen

Frauen, die erwarten, dass sie an einer Hormontherapie mit Tamoxifen leiden, haben auch eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, mehr und schwerere Nebenwirkungen zu erfahren, ergab eine Studie in den "Annals of Oncology".

"Unsere Befunde zeigen, dass die Erwartungen an die Therapie ein klinisch relevanter Faktor für das langfristige Therapieergebnis sind", so Prof. Yvonne Nestoriuc. Denn schlechte Erfahrungen mit Nebenwirkungen könnten Frauen dazu bewegen, die Behandlung abzubrechen. Dies könne sowohl den Therapiererfolg als auch das Überleben beeinflussen. Ziel wäre, die Erwartungen von Frauen zu beeinflussen, damit sie weniger Nebenwirkungen erfahren.

Der Untersuchung zugrunde liegen die Daten von 111 Frauen, die in der Uniklinik Marburg behandelt worden waren. Alle Frauen hatten nach der Diagnose einer hormonrezeptor-positiven Brustkrebserkrankung und chirurgischer Tumorentfernung eine unterstützende Antihormontherapie mit Tamoxifen oder einem Aromatasehemmer wie Exemestan erhalten. Diese Antihormontherapie hemmt vorzugsweise das weibliche Hormon Östrogen, das hormonempfindliche Krebstumore wachsen lässt. Die Antihormontherapie soll das Tumorwachstum also stoppen.


Negative Einstellungen schlagen auf Behandlung

Die Frauen wurden vor der Hormonbehandlung, nach drei Monaten und nach zwei Jahren befragt. Acht Prozent der Frauen erwarteten keine Nebenwirkungen, 63 Prozent leichte Nebenwirkungen und 29 Prozent befürchteten mäßige bis schwere Nebenwirkungen der Hormonbehandlung.

Nach drei Monaten gab es 19 Frauen, die über deutlich mehr Nebenwirkungen berichteten und später aus der Studie ausstiegen. Die Therapietreue der Patientinnen nach zwei Jahren hing mit den Nebenwirkungen zusammen, die nach drei Monaten angegeben worden waren. Das heißt, je weniger Nebenwirkungen Frauen nach drei Monaten wahrnahmen, desto eher hielten sie sich an das Behandlungsschema. Und je weniger Frauen von Nebenwirkungen ausgingen, desto wahrscheinlicher folgten sie auch der Therapie.

Die häufigsten berichteten Nebenwirkungen waren Gelenkschmerzen, Gewichtszunahme und Hitzewallungen. Doch litten Frauen auch unter Beschwerden wie Rückenschmerzen, Atemproblemen oder Schwindel, die nicht direkt mit der Hormonbehandlung in Zusammenhang stehen. Die Forscher gehen davon aus, das psychologische Faktoren großen Einfluss auf die Behandlung nehmen.

Quelle: Dr. Julia Hofmann06.09.16Zum AnfangZurück

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