Probiotika gegen MS?

Darmbakterien könnten für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen geeignet sein. Auch bei Multiple Sklerose (MS) könnten sie wirken, ergaben Untersuchungen an Mäusen. 


MS: Immunsystem attackiert Nervenschutzmantel

MS ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem irrtümlich den Schutzmantel (Myelin) von Nerven angreift. Myelin schützt Nerven nicht nur, der fetthaltige Mantel ist für die schnelle Übertragung von Nervenimpulsen und damit für die Kommunikation zwischen dem Gehirn und dem Körper sehr wichtig.

Symptome der MS, wie Schwäche, Taubheit, Doppelbilder, Koordinationsstörungen, Lähmungen oder andere treten bei den meisten Patienten schubhaft auf und können sich ganz oder teilweise wieder zurückbilden. Eine Heilung der Krankheit ist nicht möglich, beeinflussbar ist aber deren Verlauf und auch Symptome lassen sich lindern.

Im menschlichen Darm leben sehr viele Mikroorganismen. Die Anzahl der Bakterien dürfte die Zahl menschlicher Zellen weit überschreiten. Mikroorganismen und Bakterien sind lebenswichtige Bestandteile eines funktionierenden Körpers und doch liegen die Aufgaben und Effekte der mikroskopisch kleinen Mitbewohner noch weitgehend im Dunkeln.

Autoimmunerkrankungen werden vor allem in entwickelten Ländern zu einem Problem. In der Ursachenforschung rücken auch immer mehr die Bakterien des Darmes ins Blickfeld des Interesses. Unterschiede in der Zusammensetzung von Darmbakterien könnten zum Beispiel in der Ernährung, dem Einsatz von Antibiotika oder dem fehlenden Kontakt zu Parasiten liegen.


Darmbakterium bekämpft Entzündungen

Wissenschaftler der Mayo Clinic in Rochester wollten wissen, ob die Behandlung mit Darmbakterien die Bakterienflora des Darms verändert und MS-Symptome lindern könnte. Dafür untersuchten die Forscher drei Typen von Bakterien, entnahmen diese dem menschlichen Darm und kultivierten sie, um deren Wirksamkeit dann an Mäusen mit MS zu prüfen.

Sie fanden heraus, dass das Bakterium Prevotella histicola bei Tieren die MS effektiv lindern konnte. Das Bakterium half auch, zwei Arten von Entzündungszellen zu reduzieren, die für die Entzündung bei MS bedeutsam sind. Umgekehrt waren Zellen erhöht, die helfen, die Erkrankung zu bekämpfen. 

Die Forscher fordern weitere Untersuchungen, nicht nur bei MS, sondern auch anderen Autoimmunerkrankungen. Ihre Studie veröffentlichten sie im Journal "Cell Reports".

Quelle: Dr. Julia Hofmann29.08.17Zum AnfangZurück

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