Kinder: Antibiotika bei Blinddarmentzündung?

Müssen Kinder mit Blinddarmentzündung immer operiert werden oder kann auch eine Behandlung mit Antibiotika helfen? Oftmals reicht eine medikamentöse Therapie aus, aber nicht in jedem Fall, ergab die Analyse von Studien zum Thema.


Antibiotika wirken in 90 Prozent der Blinddarmentzündungen

Akute Blinddarmentzündungen stellen häufige Notfallsituationen dar. In den vergangenen 100 Jahren galt, dass eine sofortige Operation die einzig angemessene Behandlung darstellt, heißt es im "Deutschen Ärzteblatt". Bei Erwachsenen hat sich das Vorgehen mittlerweile verändert. Bei unkomplizierten Entzündungen kommen Antibiotika zum Einsatz und lassen Entzündungen meist ausheilen. Behandlungsentscheidungen bei Kindern erscheinen jedoch schwieriger, weil bei ihnen die Krankheit anders verläuft. Auch klinische Studien, die Operationen mit Antibiotikatherapien bei Kindern mit akuter Blinddarmentzündung vergleichen, sind rar.

Eine Metaanalyse von fünf Studien mit über 400 Kindern, die unter einer akuten Blinddarmentzündung litten, ergab, dass die Entzündung bei mehr als 90 Prozent der 168 gleich mit Antibiotika behandelten Kinder ausheilte. 9,5 Prozent der Kinder benötigten aber eine Operation, weil die akute Entzündung antibiotisch nicht ausheilte oder es zu einem erneuten Auftreten der Entzündung kam. 


Manchmal folgt doch noch eine Operation

236 Kinder erhielten keine Antibiotika und wurden sofort operiert. Eines der Kinder erlitt eine Komplikation, die einer erneuten Operation bedurfte, sechs weitere Komplikationen konnten konservativ behandelt werden.

Wenn auch die Antibiotikabehandlung bei über 90 Prozent der Kinder erfolgreich war, bleibt ein erhöhtes Risiko des Versagens dieser Behandlung. Die Forscher konnten Kotsteine als Risiko identifizieren. Kotsteine sind verhärtete Stuhlreste aufgrund von Verstopfung. Ein weiteres von den Wissenschaftlern identifiziertes Risiko besteht in einem späten Wiederauftreten der Blinddarmentzündung nach antibiotischer Therapie, die schließlich doch eine Operation erfordert.

Die Studie wurde im Fachjournal "JAMA Pediatrics" veröffentlicht.

Quelle: Dr. Julia Hofmann13.04.17Zum AnfangZurück

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