Neurotizismus könnte Leben verlängern

Manche Neurotiker leben länger, zeigt eine aktuelle Studie. Speziell neurotische Menschen, die sich in schlechter gesundheitlicher Verfassung wähnen, könnten bezüglich der Lebensdauer von ihrer Persönlichkeit profitieren.


Neurotizismus: Prüfung in Persönlichkeitstests 

Neurotische Menschen könnten teilweise in den Genuss eines längeren Lebens kommen. Warum das so ist, können Wissenschaftler nicht erklären.

Menschen mit einem hohen Grad an Neurotizismus plagen sich häufig mit unangenehmen Gefühlen. Sie sind leicht irritierbar, schneller frustriert, nervös, ängstlich und haben häufiger Schuldgefühle. Neurotizismus und wie stark dieser asugeprägt ist, lässt sich in psychologischen Test messen. 

Untersuchungen des Zusammenhangs zwischen Neurotizismus und Sterblichkeit ergaben bislang widersprüchliche Befunde. Einige zeigten ein größeres Risiko, andere jedoch ein geringeres oder gar keine Beziehung zwischen beidem.

Forscher der Universität Edinburgh und Southampton untersuchten jetzt den Zusammenhang anhand der Daten von mehr als 500.000 Menschen einer britischen Langzeituntersuchung und veröffentlichten ihre Ergebnisse im Journal "Psychological Science". Die Forscher stellten die Hypothese auf, dass das Todesrisiko neurotischer Menschen von der Einschätzung ihrer eigenen Gesundheit abhängig sein könnte.

Die Daten der 37 bis 73 Jahre alten Studienteilnehmer stammten aus der britischen Biobank. Die Teilnehmer hatten an Untersuchungen ihrer Persönlichkeit teilgenommen, wobei der Neurotizismus erfasst wurde und die Teilnehmer Einschätzungen ihrer eigenen Gesundheit vornahmen. Auch Daten zu Gesundheit und Lebensstil wurden erfasst. In der Beobachtungsphase der Studie von 6,25 Jahren starben fast 4.500 der Studienteilnehmer.


Angst um die Gesundheit könnte länger leben lassen

Allgemein wiesen Menschen mit höheren Werten für Neurotizismus ein leicht erhöhtes Todesrisiko auf. Es zeigte sich aber, dass dies nicht für Menschen zutraf, die ihren Gesundheitszustand eher als schlecht einstuften und eine höheren Grad an Neurotizismus in Bezug auf Angst und Sorge wie Verletzbarkeit aufwiesen. Diese Menschen schienen ein geringeres allgemeines Todesrisiko und ein geringers Risiko für einen Tod durch Krebs aufzuweisen. 

Hinsichtlich dieses Ergebnisses ließ sich kein Zusammenhang mit dem Gesundheitsverhalten der Untersuchten oder deren medizinischen Diagnosen herstellen. Rauchen, körperliche Aktivität, Ernährung und Alkoholkonsum konnten die Beziehung zwischen selbst wahrgenommener schlechter Gesundheit und längerem Leben nicht erklären.

Eine größere Angst oder Verletzbarkeit gegenüber der Gesundheit könnte Menschen zu einem gesünderen Verhalten veranlassen, hatten die Forscher erst spekuliert. Dies ist den Studienergebnissen zufolge aber nicht der Fall. Die Wissenschaftler fordern weitere Untersuchungen zu dem verschiedenen Aspekten des Neurotizismus, um den Zusammenhang zu verstehen.

Quelle: Dr. Julia Hofmann11.08.17Zum AnfangZurück

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