Depressionen: Wie sich die Corona-Krise auf die psychische Gesundheit von Erkrankten auswirkt

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Seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie im März 2020 reduzierte sich der soziale Kontakt extrem: Kindergärten, Schulen und Universitäten wurden temporär geschlossen. Für viele Menschen bedeuten die Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung von COVID-19 das Wegfallen der gewohnten Tagesstruktur. Auch in der Freizeit gibt es seit langer Zeit Einschränkungen, die den Alltag aller Menschen beeinflussen.

Besonders für Menschen, die unter Depressionen leiden, stellen die Corona-Maßnahmen eine Belastung für die eigene psychische Gesundheit dar. Während 34% der Allgemeinbevölkerung im Juli 2020, wenige Wochen nach dem Lockdown, die Maßnahmen als belastend einstuften, gaben 68% der depressiv Erkrankten an, unter der aktuellen Situation zu leiden. Lesen Sie in diesem Artikel, welchen Einfluss das Coronavirus auf die psychische Gesundheit von depressiv Erkrankten hat und erhalten Sie Tipps zum Umgang mit einer Depression während der Corona-Pandemie.

Welchen Einfluss haben die Corona-Maßnahmen auf die psychische Gesundheit?

Viele Menschen leiden aufgrund der bestehenden Kontaktbeschränkungen an Symptomen wie depressiven Verstimmungen und Angst. Dies ermittelte die NAKO Gesundheitsstudie im Jahr 2020. Unter den 200.000 deutschen Teilnehmenden zeigte sich eine Zunahme an Depressionen und psychischer Belastungen während der Corona-Krise. Insgesamt sind Personen unter 60 Jahren stärker betroffen, junge Frauen sollen der Studie nach besonders unter den Corona-Maßnahmen leiden.

Auffallend ist, dass es regionale Unterschiede zwischen den Befragten gibt. So geben Menschen aus Regionen mit einer niedrigen Coronafallzahl an, weniger unter psychischen Belastungen zu leiden, als Personen in Gebieten mit hohen Fallzahlen. Dies zeigt den Zusammenhang zwischen der Coronavirus-Pandemie und Belastungen der psychischen Gesundheit.

Deutschland-Barometer Depression gibt Rückschlüsse auf psychische Gesundheit von depressiv Erkrankten

Die jährliche Befragung der Deutschen Depressionshilfe untersucht die individuellen Erfahrungen der deutschen Bevölkerung zum Thema Depression. Im Jahr 2020 wurde diese Befragung während der Coronavirus-Pandemie durchgeführt, wodurch starke Diskrepanzen der psychischen Belastung zwischen Betroffenen und der Allgemeinbevölkerung deutlich wurden. Obwohl depressiv Erkrankte kaum größere Angst vor einer Erkrankung an dem Coronavirus haben, geben 75% der Betroffenen an, stärker an der fehlenden Tagesstruktur zu leiden. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (39%) ist diese Zahl mehr als doppelt zu hoch.

Unter den Betroffenen, die an Depressionen während der Corona-Krise leiden, stieg jedoch die Bereitschaft an digitalen Angeboten zur Behandlung teilzunehmen. Etwa 55% sehen digitale Programme als hilfreiches Angebot, 15% mehr als noch im Jahr 2017. Patientinnen und Patienten, die wegen Depressionen in Behandlung sind und während des Lockdowns an Telefon- oder Videogesprächen teilnahmen, bewerteten diese mit über 80% positiv.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie lösen bei vielen Betroffenen eine depressive Episode aus oder lassen diese ausgeprägter auftreten. Auf der Webseite der Deutschen Depressionshilfe berichten Betroffene von der eigenen Erfahrung mit Depressionen während der Corona-Pandemie. „Ich hab auch Tage gehabt, wo ich nur liegen konnte“, sagt ein Betroffener. Andere berichten von einer fehlenden Tagesstruktur und der nicht vorhandenen räumlichen Trennung von Arbeit und Freizeit. Wiederum andere litten besonders unter dem Verlust der sozialen Kontakte.

Auch der Bundesverband der AOK vermerkte unter seinen Mitgliedern eine längere Arbeitsunfähigkeit durch psychische Erkrankungen. Diese seien von 25,9 Tagen im August 2019 innerhalb eines Jahres auf 29,3 Tage gestiegen. Zwar würden sich weniger Menschen aus Angst vor einer Ansteckung beim Arztbesuch krankschreiben lassen, jedoch zeigt die gestiegene Zahl der Krankheitstage, dass Symptome unter diagnostizierten Betroffenen stärker auftreten.

Was hilft bei depressiven Verstimmungen und Einsamkeit während der Pandemie?

Neue Routinen, wie beispielsweise ein Spaziergang vor dem Home-Office-Arbeitstag, können dabei helfen, die Trennung von Arbeit und Freizeit auch zu Hause wiederherzustellen. Wichtig ist, sich bei depressiven Verstimmungen und Einsamkeitsgefühlen gezielt Arbeits- oder Lernzeiten setzen. Auch die Planung von festen Mahlzeiten kann ein wichtiger Bestandteil eines Tagesablaufes sein.

In der Freizeit bedarf es ebenfalls eine neue Strukturierung. Dabei ist es essentiell, sich zielgerichtet Zeit für Dinge zu nehmen, die einem Spaß machen, auch in der Corona-Krise. Dies können sowohl Tätigkeiten im Haushalt, wie beispielsweise das Umtopfen von Pflanzen, oder Beschäftigungen wie puzzeln, nähen oder lesen sein. Von Depressionen betroffene Menschen in der Corona-Krise sollen hierbei überlegen, was ihnen gut tun könnte und sich dafür gezielt die Zeit nehmen, die sie benötigen.

Zudem hilft es, trotz depressiver Verstimmung während der Pandemie in den Kontakt mit Familie oder Bezugspersonen zu treten, beispielsweise durch Videotelefonie oder Telefonate. Gegen die Einsamkeit während der Coronavirus-Pandemie können auch moderierte Online Foren oder digitale Selbsthilfegruppen helfen. Viele Selbsthilfegruppen haben sich mit dem Beginn der Kontakteinschränkungen online organisiert. Eine Liste von Anlaufstellen und Selbsthilfegruppen finden Sie auf der Webseite der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen.

Des Weiteren ist Bewegung ein wichtiger Punkt in der Bekämpfung einer depressiven Verstimmung. Ob es sich dabei um eine kurze Runde joggen oder Yoga handelt: Sport hilft, um einen Ausgleich im Alltag zu schaffen und die psychische Gesundheit während der Corona-Maßnahmen zu erhalten.

Wer hilft mir, wenn ich akut Hilfe bei Depressionen während der Corona-Pandemie brauche?

Auch in der aktuellen Corona-Pandemie hilft bei einer Depression oder anderen psychischen Erkrankungen am besten professionelle Hilfe. Die Suche nach einer geeigneten Therapeutin oder einem Therapeuten kann auf Betroffene ermüdend wirken. Wichtig ist, sich gezielt Zeit zu nehmen. Eine Liste von Psychotherapeutinnen oder -therapeuten in Ihrer Stadt können Sie sich auf der Internetseite der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung anzeigen lassen. Auf Qimeda können Sie über die Arztsuche ebenfalls passende Therapeutinnen und Therapeuten in der Nähe finden.

Ein Anruf bei  der TelefonSeelsorge kann zusätzlich Betroffenen bei Depressionen helfen. Alle Anrufe sind anonym und kostenfrei. Die TelefonSeelsorge erreichen Sie unter den Telefonnummern: 0800/111 0 111, 0800/111 0 222 oder der 116 123. Zusätzlich bietet die TelefonSeelsorge die Möglichkeit mit einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter per Mail oder Chat über online.telefonseelsorge.de zu schreiben.

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