Vorhofflimmern

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Wissen zu Vorhofflimmern

Bei Vorhofflimmern handelt es sich um eine Herzrhythmusstörung, die von den Vorhöfen des Herzens ausgeht. Hier sitzt der Impulsgeber des Herzens (Sinusknoten), der dem Herz den Takt angibt. Beim Vorhofflimmern kommt es jedoch nicht wie bei gesunden Herzen zur geordneten Weiterleitung der Reizimpulse, sondern zur ungeordneten Erregung von Muskelfasern. Dies führt zu kreisenden Erregungen, sodass ein effektives Pumpen des Blutes aus den Vorhöfen in die Herzkammern nicht mehr gewährleistet ist.
So kann es immer wieder zu unregelmäßigen Aktivierungen der Kammern und einer Herzrhythmusstörung kommen. Vorhofflimmern kann vorübergehend oder dauerhaft bestehen. Der Puls als Ausdruck der Herzkammertätigkeit kann zu schnell, aber auch zu langsam sein, da die Erregungsweiterleitung zu schnell oder zu langsam vor sich geht. Die Häufigkeit von Vorhofflimmern steigt mit dem Alter, in Zukunft rechnen Experten mit einer weiteren Zunahme dieser Herzerkrankung. Ab dem 50. Lebensjahr verdoppelt sich das Risiko, an Herzflimmern zu erkranken, mit jedem Lebensjahrzehnt. Während unter 50-Jährige nur selten erkranken, sind es bei den über 80-Jährigen neun bis 16 Prozent.

Ursachen

Risikofaktoren für die Entwicklung von Vorhofflimmern

Ursache der Entstehung von kreisenden Erregungswellen im Vorhof sind Veränderungen der Gewebestruktur der Vorhöfe. Narben oder Entzündungen des Gewebes begünstigen das Vorhofflimmern. Darüberhinaus unterhalten Veränderungen, die durch das Vorhofflimmern selbst entstehen, den Prozess des Flimmerns.

Diagnose zu Vorhofflimmern

Nach einer ausführlichen Erfragung der Beschwerden und der Krankenvorgeschichte (Anamnese) folgt eine körperliche Untersuchung. Die Elektrokardiographie (EKG), ein Langzeit-EKG und möglicherweise ein Belastungs-EKG lassen die Art der Herzrhythmusstörung sowie die Dauer und Umstände, in denen die Störung auftritt, erkennen. Eine Herzultraschalluntersuchung liefert weitere wichtige Hinweise auf die Herzfunktion. Bei unklaren oder weiter abklärungsbedürftigen Ergebnissen können weitere Maßnahmen wie eine elektrophysiologische Untersuchung Auskunft – etwa über den Entstehungsort der Rhythmusstörung – liefern. Daneben dient eine Blutuntersuchung der Beurteilung von Stoffwechselfunktionen wie etwa der Schilddrüse.

Symptome

Nicht jeder Mensch, der Vorhofflimmern hat, bemerkt das aufgrund von Beschwerden. Möglicherweise decken erst Folgeerkrankungen die Störung auf oder bei einer Untersuchung wird festgestellt, dass das Herz aus dem Takt geraten ist. Besonders das vorübergehende Vorhofflimmern und zu schnelle Schlagen des Herzens bemerken jedoch viele Betroffene durch Herzstolpern, Herzrasen, Unruhe, Schwindel und eingeschränkte körperliche Belastbarkeit. So können Atemnot, Angst, Beklemmungsgefühle und Brustschmerzen vorkommen.

Behandlung zu Vorhofflimmern

Vorhofflimmern an sich ist meist nicht lebensbedrohlich, dennoch muss es unbedingt behandelt werden. Denn es besteht aufgrund des ineffektiven Pumpens der Herzvorhöfe die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel (Thromben) bilden, die dann in andere Gefäße fortgespült werden und diese verstopfen. Verschließt sich durch einen Thrombus ein Hirngefäß, resultiert ein Schlaganfall (Apoplex). Grundsätzlich richtet sich die Behandlung nach der Art und Ursache des Vorhofflimmerns. Betroffene erhalten Medikamente zur Blutverdünnung (beispielsweise Marcumar oder Falithrom), um die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern.
Ein normaler Herzrhythmus, der Sinusrhythmus, lässt sich mit einem elektrischen Verfahren, der Kardioversion, erreichen, allerdings ist es häufig nicht dauerhaft wirksam. Denn die Gewebeveränderungen des Herzmuskels führen zum erneuten Auftreten der Rhythmusstörung. Voraussetzung für die Behandlung ist eine bereits seit mehreren Wochen eingeleitete blutverdünnende Behandlung.
Eine weitere Möglichkeit, den Herzrhythmus zu normalisieren, besteht in einer medikamentösen Behandlung. Häufig geht es darum, die Herzfrequenz zu senken. Untersuchungen zeigen, dass Kardioversion und medikamentöse Rhythmisierung gleichwertig sind. Zudem gibt es die Möglichkeit, Herzmuskelzellen, die für die Rhythmusstörung verantwortlich sind, chirurgisch oder mit einem Katheter zu entfernen (Katheterablation). Nicht zuletzt gilt es, die individuellen Risikofaktoren zu senken und Grunderkrankungen wie Bluthochdruck und Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) zu behandeln.

Prognose

Vorhofflimmern allein ist zunächst nicht lebensgefährlich. Aber je länger das Vorhofflimmern unbehandelt besteht, desto größer werden die Veränderungen am Herzmuskelgewebe und die Pumpleistung des Herzens nimmt weiter ab. Bei längerem Vorhandenseins des Flimmerns wird es auch schwieriger, ohne Medikamente wieder einen normalen Herzrhythmus zu erreichen. Mit einer Behandlung kann das Risiko eines Schlaganfalls gesenkt werden, der eine schwerwiegende Komplikation des Vorhofflimmerns darstellt. Bei Behandlung ist weder die Lebenserwartung noch die Lebensqualität beeinflusst.

Selbsthilfe zu Vorhofflimmern

Beschwerden wie Herzstolpern, Herzrasen, Atemnot, Beklemmungsgefühle, Angst oder eingeschränkte Leistungsfähigkeit sollte jeder ernst nehmen und einen Arzt aufsuchen. Auch haben gesetzlich Versicherte ab 40 Jahren Anspruch auf eine Gesundheitsuntersuchung beim Haus- oder Allgemeinarzt, die ein EKG einschließt, sodass auch unbemerkte Veränderungen des Herzrhythmus frühzeitig diagnostiziert werden können.

Links zu Vorhofflimmern

Kompetenznetz Vorhofflimmern
Zentrale am Universitätsklinikum Münster
Domagkstraße 11
48149 Münster
http://www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de/Vorhofflimmern

Arbeitskreis Gerinnungs- und Herzklappen-Patienten
Hülsenbergweg 43
40885 Ratingen
http://www.die-herzklappe.de/Vorhofflimmern

Universitätsklinikum Leipzig
Medizinische Fakultät
Prof. Dr. med. D. Pfeiffer
http://kardio.uniklinikum-leipzig.de/Vorhofflimmern
Autor: Hofmann, Julia07.11.2016

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