Phobien

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Wissen zu Phobien

Phobien gehören zur Gruppe der Angststörung/Panikstörung. Sie werden auch "gerichtete Ängste" genannt, denn sie beziehen sich auf bestimmte Situationen, Orte, eine bestimmtes Umfeld oder umschriebene Objekte.

Es werden grundsätzlich drei Arten von Phobien unterschieden:
  • Agoraphobie: Angst vor weiten, offenen Plätzen oder auch Situationen, in denen keine Fluchtmöglichkeiten bestehen. Die Entwicklung eines Vermeidungsverhaltens ist bei dieser Phobie mit Abstand am stärksten.
  • Soziale Phobie: Anhaltende Angst vor dem Umgang mit anderen Menschen; Angst davor, im Mittelpunkt stehen zu können. Die Betroffenen verlieren zunehmend ihre kommunikativen Kompetenzen und haben starke Probleme damit, sich bei zwischenmenschlichen Konflikten oder in verschiedenen gesellschaftlichen Situationen richtig zu verhalten.
  • Spezifische Phobie: Anhaltende Angst vor einem ganz speziellen Objekt oder einer ganz bestimmten Situation (Flugangst, Höhenangst, Verletzungsangst oder Ähnliches). Am häufigsten ist eine Furcht vor Tieren. Meistens wird die Störung nur festgestellt, wenn der Leidensdruck sehr groß ist.
Die Phobie äußerst sich wie bei anderen Angsterkrankungen durch einen unangemessen übermäßigen Wunsch, den Auslöser der Angst zu vermeiden. Eine tatsächliche Bedrohung oder Gefahr liegt nicht vor.

Diagnose zu Phobien

Bei der Diagnosefindung ist es wichtig, die verschiedenen Ebenen zu erfassen. Zunächst muss geklärt werden, ob es sich um eine normale oder eine krankhafte Angst handelt.

Eine Furcht wird dann als krankhaft gewertet, wenn:
  • die Angstzustände mit der Zeit in ihrer Dauer und Häufigkeit zunehmen,
  • sie über die Maßen stark ist,
  • die Betroffenen nicht in der Lage sind, aus eigener Kraft die Angst zu überwinden,
  • aktuelle Lebensumstände oder Situationen die Angst nicht erklären können.
Wichtig bei der Unterscheidung der verschiedenen Angsterkrankungen und zur Diagnose der Phobieform ist in jedem Fall das Arzt-Patienten-Gespräch. Dabei können angstauslösende Faktoren und Situationen genauer bestimmt werden. Zu klären ist dabei unter Umständen auch der Zeitpunkt des erstmaligen Auftretens von Beschwerden und die Beschwerdeintensität. Bevor eine Diagnose gestellt wird, müssen auf jeden Fall andere Erkrankungen als Ursache für eine Angststörung ausgeschlossen werden (Gehirnentzündung, Hirntumor). Andere psychische Krankheiten wie beispielsweise die Schizophrenie oder auch Depressionen können ebenfalls Ängste auslösen und dürfen nicht mit einer primären Angststörung verwechselt oder übersehen werden.
Auch an eine mögliche Suchterkrankung muss gedacht werden. Drogen wie LSD, Amphetamine, Marihuana und sogar die Einnahme von Koffein können zu Angstzuständen führen. Je nach Einzelfall können zur weiteren genauen Abklärung Blutabnahmen und Ultraschall-Untersuchungen erfolgen. Eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) des Schädels sollte in Erwägung gezogen werden, um neurologische Ursachen auszuschließen. Sollten körperliche (organische) Ursachen und die Einnahme von Drogen oder Medikamenten als Ursache der Angststörung nicht in Frage kommen, ist von einer primären Angstsymptomatik auszugehen. Zur genaueren Einteilung von Angststörungen sind diverse Fragebögen geeignet. Es gibt Selbstbeurteilungs- und Fremdbeurteilungsbögen. Von Medizinern und Psychotherapeuten wird bevorzugt der sogenannte HAMA-Test eingesetzt (Hamilton-Angstskala).

Symptome

Die Beschwerden sind zumeist sehr variabel. Generell kommen bei Angstzuständen die Beschwerden durch die Erregung des autonomen Nervensystems auf: schnellerer Herzschlag, schnelleres Atmen, Schwitzen oder Bauchschmerzen, hinzu kommen innere Anspannung und Angstgefühle. Gerade bei Phobien kann es schnell zu Vermeidungsverhalten kommen. Die Angst vor der Angst (Erwartungsangst), die allein schon Unbehaglichkeitsgefühle auslöst, wird im Verlauf so groß, dass sich Betroffene zurückziehen. Diese Beschwerden sind bei der Agoraphobie besonders stark ausgeprägt.

Behandlung zu Phobien

Das erste Therapieziel für Betroffene ist, zu erkennen, dass ihre Beschwerden Ausdruck von Angst sind, und dass sie zu ihrer Angst stehen. Zur Therapie sind sowohl Psychotherapie als auch Medikamente geeignet. In Einzelfällen kann auch die Kombination sinnvoll sein. Von den Medikamenten sind die aus der Gruppe der Antidepressiva am besten geeignet – vor allem neuere mit weniger Nebenwirkungen (SSRI /Selektive-Serotonin-Wiederaufnahmehemmer).
Medikamente können in Phasen mit häufigen Angstzuständen stabilisierend wirken und so vorbereitend für eine Psychotherapie und damit für die Auseinandersetzung mit den Ängsten sein. Der Einsatz von Antidepressiva sollte gut abgewogen und genau mit dem Betroffenen besprochen werden. Es können kurzfristig bei schweren Angstzuständen Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) eingesetzt werden, wobei gerade durch die angstlösende Wirkung das Abhängigkeitspotenzial steigt. Die Einnahme sollte ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht erfolgen und zeitlich begrenzt werden.
Zudem ist zu bedenken, dass die wiederholten Einnahmen von Benzodiazepinen eine Therapie ungünstig beeinflussen, da die Angst künstlich unterdrückt wird.
Gerade bei den Phobien hat sich gezeigt, dass es oft nicht notwendig ist, Medikamente einzusetzen. Unter den verschiedenen Psychotherapien hat sich die Verhaltenstherapie (VT) am besten bewährt.

Es gibt zur Behandlung von Phobien zwei Formen der VT:

  • Systematische Desensibilisierung: Hierbei wird eine Angsthierarchie aufgestellt, die zunächst in der Vorstellung vom kleinsten bis zum größten Problem durchlebt wird, bis diese Vorstellungen keine Angst mehr auslösen. Das Gleiche wird danach in der Realität geübt. Der Betroffene wird also langsam an die Angst auslösenden Faktoren herangeführt, bis er nach einer Weile spürt, dass es zur befürchteten Katastrophe, zum Horrorszenario, gar nicht kommt.
  • Flooding (Konfrontationsverfahren): Konfrontationsverfahren zielen auf die direkte Auseinandersetzung mit dem Angst auslösenden Reiz in therapeutischem Rahmen. Es ist möglich, eine Konfrontation in sensu (Vorstellung), in vitro (reale Situation) und sowohl graduell (allmählich, gestuft) als auch massiert (plötzlich, intensiv, als Reizüberflutung) durchzuführen.
Bei der Soziophobie (Angst vor sozialen Kontakten) kann zum Beispiel auch ein sogenanntes Soziale-Kompetenz-Training helfen. Verlernte kommunikative Fähigkeiten und Kompetenzen im Umgang mit verschiedenen Situationen im zwischenmenschlichen Bereich können über Rollenspiele wieder erlernt und gefestigt werden. Bei der Verhaltenstherapie werden zunehmend Entspannungstechniken wie Progessive Muskelrelaxation oder Autogenes Training mit eingesetzt.

Prognose

Die Prognosen unterscheiden sich je nach Phobieform. Bei spezifischen Phobien ist der Verlauf der Erkrankung meist unproblematisch, da sie am wenigsten einschränkend auf die Lebensqualität wirken – der Angst auslösende Faktor kann meist sehr gut vermieden werden, ohne dass sich das auf das Sozial- oder Berufsleben auswirkt. Besonders für die Agoraphobie ist die Prognose in der Regel nicht sehr günstig, sofern sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Die Entwicklung von Vermeidungsverhalten ist bei ihr und auch bei der Soziophobie am größten. Sollte sich frühzeitig für eine Therapie entschieden werden, sind die Chancen, die Angst gut in den Griff zu bekommen, bei jeder Form der Angststörung hoch.

Selbsthilfe zu Phobien

Am wichtigsten ist es, sich so früh wie möglich professionelle Hilfe zu suchen. Es ist nicht ratsam, zu versuchen, mit der Angst allein fertig zu werden. Die Gefahr, dass ausgeprägtes Vermeidungsverhalten zur Manifestation der Angststörung führt und damit im Verlauf womöglich zur Vereinsamung, wird größer, je länger eine Therapie vermieden wird. Das gilt vor allem für die Agora- und Soziophobie. Es ist günstig, sich einen vertrauenswürdigen Behandler zu suchen und sich zunächst über die Therapiemöglichkeiten zu informieren.
Es besteht auch die Möglichkeit, sich in eine Selbsthilfegruppe einzugliedern. Vor allem sollte Alkohol nicht als angstlösendes Mittel genutzt weden. Genau wie bei der Einnahme von Beruhigungsmitteln ist die Suchtgefahr sehr hoch. Das Erlernen von Entspannungstechniken kann ein sinnvoller Zusatz zu einer Therapie sein, um Angstgefühle abzubauen, das innere Gleichgewicht wieder herzustellen und die körperlichen Beschwerden bei Angstzuständen kontrollieren zu lernen. Die spezfische Phobie ist meist weniger einschränkend in Bezug auf die Lebensqualität; mit einer geeigneten Therapie lässt sie sich in der Regel sehr schnell gut beherrschen.

Daten/Fakten zu Phobien

Die Phobien, vor allem die spezifische Phobie, sind die am häufigsten vorkommenden Angststörungen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Das gilt vor allem für die Agoraphobie.
Es ist jedoch schwierig, das Auftreten von Phobien in der Bevölkerung genau zu bestimmen, denn vor allem die einfachen Phobien beeinträchtigen das Alltagsleben in den wenigsten Fällen.

Links zu Phobien

Arbeitsgemeinschaft Psychosoziale Gesundheit
Prof. Dr. med. Volker Faust
Zentrum für Psychiatrie – Die Weissenau
Abt. Psychiatrie I der Universität Ulm
88214 Ravensburg
http://www.psychosoziale-gesundheit.net

Forum für Psychiatrie und Psychotherapie
http://www.psychiatriegespraech.de
Autor: Krack, Vanessa07.02.2017

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