Magersucht: Tiefe Hirnstimulation hilft

Magersucht ist eine schwere Erkrankung, die häufig chronisch verläuft. Auch langfristige Behandlungen sind oft nur unzureichend wirksam. Forscher entdeckten, dass eine tiefe Hirnstimulation erfolgversprechend ist.


Magersucht birgt viele Gesundheitsgefahren

Anorexia nervosa ist eine Essstörung, bei der Patienten so viel Gewicht verlieren, dass es gesundheitsschädigend ist. Die Magersucht zählt zu den mentalen Erkrankungen, die mit den höchsten Todeszahlen verbunden ist. Etwa 70 Millionen Menschen sind weltweit betroffen, 90 Prozent davon sind Frauen im Alter zwischen zwölf und 25 Jahren.

Mit der Unterernährung bei Magersucht sind eine Schwächung des Immunsystems und der Knochen, Herzprobleme aufgrund eines Kaliummangels sowie ein Mangel an Proteinen, Vitaminen und Nährstoffen verbunden. Daneben bestehen oftmals zusätzliche psychische Erkrankungen wie Depressionen, die das Selbstmordrisiko erhöhen. Ein Großteil der Todesfälle aufgrund einer Anorexie geht auf das Konto von Depressionen.

In der Behandlung der Magersucht kommt vor allem die kognitive Verhaltenstherapie sowie Ernährungstherapien zum Einsatz. Diese werden möglicherweise von weiteren Behandlungen ergänzt. Zukünftig könnte eine weitere vielversprechende und sichere Behandlungsmethode hinzukommen: Die tiefe Hirnstimulation. Kanadische Forscher untersuchten die Auswirkungen der Behandlung auf Stimmung, Körpergewicht und allgemeines Wohlbefinden bei 16 Anorexiepatientinnen. Ergebnisse veröffentlichte das Fachjournal "Lancet Psychiatry".


Studie: Tiefe Hirnstimulation war langfristig wirksam

Die zwischen 21 und 57 Jahre alten Studienteilnehmerinnen litten bereits seit durchschnittlich 18 Jahren unter Magersucht. Ihr Body Mass Index (BMI) betrug 13,8. Erst ab einem Wert von 18,5 ist die Marke für Untergewicht überschritten. Der BMI ist ein Maß, das der Abschätzung des Körpergewichts unter Berücksichtigung der Körpergröße dient. Die Frauen hatten in der Vergangenheit bereits viele verschiedene Therapien gemacht, die erfolglos waren. Das Risiko, vorzeitig zu sterben, war sehr groß.

Die Patientinnen erhielten nach Implantation von Elektroden im Gehirn eine tiefe Hirnstimulation. Positronen-Emissions-Tomographien (PET) dienten der Untersuchung der Hirnaktivität. Die Verträglichkeit der Behandlung war relativ gut. Es kam häufiger zu krankheitsbedingten Nebenwirkungen, einmal zu einer Infektion im Bereich der Elektroden und einige Patientinnen hatten nach der Behandlung anhaltende Schmerzen, eine Patientin erlitt epileptische Anfälle. Es blieben bis zum Schluss der Untersuchung 14 Untersuchungsteilnehmerinnen.

Bei fünf der Frauen zeigten sich Verbesserungen der Stimmung und der Angstzustände. Zehn Untersuchungsteilnehmerinnen waren weniger depressiv. Alle Patienten schätzten ihre Lebensqualität als verbessert ein. Auch das Gewicht schien zuzunehmen. Das zeigte sich drei Monate nach der Behandlung. Der durchschnittliche BMI stieg um 3,5. Sechs Frauen erreichten sogar einen Wert von 18,5 oder mehr, befanden sich also an beziehungsweise oberhalb der Grenze zu Untergewicht. Auch die Hirnaktivität veränderte sich langfristig positiv. 

Quelle: Dr. Julia Hofmann14.03.17Zum AnfangZurück

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