Haushaltschemiekalien: Geburtsdefekte?

Im Haushalt findet sich eine Vielzahl von Chemikalien. Dass einige davon bedenklich wirken, ahnen die meisten Menschen. Forscher identifizierten jetzt Stoffe, die für Geburtsdefekte verantwortlich sein könnten. 


Geburtsdefekte: Putz- und Pflegemittel unter Verdacht

US-Veterinärmediziner zeigten im Tierversuch, dass Haushaltschemikalien dem ungeborenen Nachwuchs schaden können. Quartäre Ammioniumverbindungen, auch Quarts genannt, sind Stoffe, die in Desinfektionsmitteln und als Konservierungsstoffe Verwendung finden. Sie befinden sich in Putz- und Waschmitteln, Weichspülern, Shampoos und Conditioner oder Augentropfen. Die Forscher fanden einen Zusammenhang zwischen den Chemikalien und Neuralrohrdefekten beim Nachwuchs von Mäusen und Ratten.

Die Chemikalien werden im privaten Bereich, in Kliniken, an öffentlichen Orten und in Swimmingpools verwendet, so die Autoren der Studie. Die meisten Menschen kommen mit den Verbindungen in Kontakt.

Die im Tierversuch gefundenden Neuralrohrdefekte entsprechen den Erkrankungen Spina bifida und Anencephalie beim Menschen. Bei der Spina bifida handelt es sich um eine nicht geschlossene Wirbelsäule unterschiedlichen Ausmaßes und Schweregrades. Der Geburtsdefekt entwickelt sich während der 22. bis 28. Embyonalwoche. Etwa eines von 1.000 Kindern ist betroffen. Je nach Ausprägung des Defekts sind Betroffene mehr oder weniger stark beeinträchtigt. Anencephalie bezeichnet ein fehlendes beziehungsweise zum großen Teil fehlendes Gehirn. Betroffene Kinder können oftmals nicht ausgetragen werden oder versterben meist rasch nach der Geburt.


Forscher fordern Untersuchungen bei Menschen

In der Studie waren weiblicher und männlicher Nachwuchs gleichermaßen betroffen und es reichte aus, wenn nur ein Elternteil der Chemikalie ausgesetzt war. Dies zeige, dass auch Väter in die vorgeburtliche Vorsorge einbezogen werden sollten, so die Forscher. Die Studie zeigte auch, dass kein naher Kontakt oder keine direkte Aufnahme der Substanzen nötig war, um das Risiko für die Geburtsdefekte zu erhöhen. Das erhöhte Risiko ließ sich über zwei Generationen beobachten. 

Studien an Risikopersonen könnten klären, ob das im Tierversuch gefundene Risiko auch auf Menschen übertragbar sei, so die Wissenschaftler. Ein erhöhtes Risiko könnten zum Beispiel Menschen in Gesundheitsberufen oder in der Gastronomie aufweisen. Die Studie wurde im Journal "Birth Defects Research" veröffentlicht.

Quelle: Dr. Julia Hofmann26.06.17Zum AnfangZurück

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