Fernsehlesegerät

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Methode zu Fernsehlesegerät

1. Bei starkem Vergrößerungsbedarf: Bildschirmlesegeräte
Ein Bildschirmlesegerät, auch Kamera-Lesesytem oder Fernsehlesegerät genannt, ist eine elektronische Sehhilfe. Es nimmt Schriftstücke und Bilder mit einer Kamera auf und gibt diese stark vergrößert auf einem Monitor wieder.
Bildschirmlesegeräte kommen dann zum Einsatz, wenn der Vergrößerungsbedarf so hoch ist, dass optische Sehhilfen zum Lesen von Texten nicht mehr ausreichen. Das ist spätestens dann der Fall, wenn mehr als eine 8-fache optische Vergrößerung benötigt wird, um Schriftzeichen zu erkennen. Sinnvoll können Kamera-Lesesysteme aber auch bei erhöhtem Kontrastbedarf sein oder wenn das Lesen umfangreicher Texte mit anderen Sehhilfen zu mühsam wird.

2. Individuelle Einstellungen erleichtern das Lesen
Das zu lesende Objekt (z. B. ein Schriftstück) wird unter eine Kamera auf einen beweglichen Kreuztisch gelegt, der per Hand horizontal oder vertikal bewegt werden kann. Der aufgenommene Textausschnitt wird in Echtzeit auf den Bildschirm übertragen. Wie weit der Text vergößert werden soll, kann manuell eingestellt werden. Bei manchen Geräten kann zudem die Farbe von Text und Hintergrund frei gewählt werden. Kontrast und Helligkeit können ebenfalls verändert werden. Viele Bildschirmlesegeräte verfügen über besondere Funktionen, um ein flüssiges Lesen zu ermöglichen. So kann eine zuschaltbare horizontale Linie helfen, in der richtigen Zeile zu bleiben. Alternativ kann eine Zeilenabdeckung eingeblendet werden, sodass nur die Zeilen sichtbar sind, die gerade gelesen werden.

3. Lesen, schreiben und basteln unter der Kamera
Mit Bildschirmlesegeräten können sämtliche Arten von Schriftstücken gelesen werden wie Bücher, Briefe, Zeitungen, Beipackzettel und Landkarten. Bei genügendem Abstand zur Arbeitsfläche kann unter der Kamera auch geschrieben oder handwerklich gearbeitet werden. Bildschirmlesegeräte gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und für spezielle Einsatzzwecke.

4. Beratung und Übung machen den Meister
Auch mit Bildschirmlesegeräten ist es nicht immer leicht, flüssig zu lesen. Gerade bei sehr hohen Vergrößerungen bedarf es oft einiger Zeit und Übung, bis die ungewohnte Hand-Auge-Koordination in Fleisch und Blut übergeht. Spezialisierte Augenoptiker bieten oft ein entsprechendes Handhabungstraining an. Darüber hinaus kann in einem Beratungsgespräch abgeklärt werden, ob eine zusätzliche Nahsichtbrille sinnvoll ist, die auf die Entfernung zum Monitor abgestimmt wird.

Alternativen zu Fernsehlesegerät

Auswahl des richtigen Bildschirmlesegeräts je nach Bedarf
Die Basisversion eines Bildschirmlesegerätes besteht in der Regel aus einer Kamera, einem Monitor und einem Kreuztisch, wobei Kamera und Tisch miteinander verbunden sind. Der Monitor ist frei stellbar. Die Vergrößerungsstufen sind zwischen 2-fach und 40-fach (eventuell noch höher) stufenlos einstellbar. Die Bedienung dieser Geräte ist meist einfach, was gerade den Bedürfnissen von Senioren sehr entgegen kommt.

Zudem gibt es Geräte mit PC-Anschluss. Das von der Kamera aufgenommene Bild wird dann auf den Computermonitor übertragen. Einige Geräte verfügen über eine Scan-Funktion, mit der die eingelesenen Schriftstücke gespeichert und weiterverarbeitet werden können. Dies eröffnet auch die Möglichkeit, sich einen längeren Text per Sprachausgabe vorlesen zu lassen.

Geräte mit Fernkamera (auch "Tafellesegeräte") vergrößern entfernte Objekte im Raum, zum Beispiel die Tafel in der Schule. Hierzu wird entweder eine schwenkbare Kamera oder eine zusätzliche Fernkamera eingesetzt.

Für den Einsatz unterwegs gibt es tragbare Bildschirmlesegeräte, die mit Akkus betrieben werden. Sie sind üblicherweise mit Flachbildschirm und Handkamera ausgestattet. Alternativ können sie auch an einen Laptop angeschlossen und über die Tastatur gesteuert werden.

Die derzeit kleinste Variante eines Bildschirmlesegerätes ist die elektronische Lupe. Hier werden Bildschirm und Kamera (inklusive Beleuchtung und Abstandshalter) in einem Gerät vereint, das nicht größer ist als ein Handy. Dabei kann die elektronische Lupe ein stationäres Gerät aber nicht vollständig ersetzen.

Kosten zu Fernsehlesegerät

Kostenübernahme durch die Krankenkasse
Die Preisspanne bei Bildschirmlesegeräten reicht von ca. 2.500.- Euro (einfache Schwarz-Weiß-Geräte) bis über 8.000.- Euro (Geräte mit Fernkamera). In der Regel werden die Kosten für elektronische vergrößernde Sehhilfen bei einer Sehschärfe von 0,1 und darunter oder ab einem Vergrößerungsbedarf von > 6 von den Krankenkassen übernommen.
Liegt ein Nystagmus (Augenzittern) vor oder leiden Betroffene unter gravierenden Gesichtsfeldausfällen, kann eine Verordnung durch den Augenarzt auch schon eher erfolgen. Die gesetzlichen Kassen übernehmen normalerweise die Versorgung mit einem Standardgerät, meistens in Schwarz-Weiß-Ausführung. Viele Krankenkassen haben zudem Verträge mit Anbietern entsprechender Geräte abgeschlossen, die festlegen, welche Gerätetypen geliefert werden können. Wird eine "Sonderausstattung" gewünscht, zum Beispiel eine Echtfarbendarstellung, wird meist eine Zuzahlung fällig. Diese variiert je nach Art des Geräts und nach Krankenkasse. Der Augenoptiker kann hierzu beraten bzw. die nötigen Informationen bei der Krankenkasse einholen.

Daten/Fakten zu Fernsehlesegerät

Sehbehinderungen nehmen mit steigendem Alter zu
Schätzungen zufolge leben in Deutschland zwischen 500.000 und einer Million Menschen mit Sehbehinderung. Eine hochgradige Sehbehinderung ist nicht gesetzlich geregelt. Sie besteht bei einem Visus im Bereich von 0,03 bis 0,05 oder einer gleichwertigen Einschränkung wie zum Beispiel einem besseren Visus in Kombination mit ausgeprägter Gesichtsfeldeinschränkung.
Die Hauptursachen für Blindheit und Sehbehinderung sind in allen Industrieländern die altersabhängige Makuladegeneration (AMD), das Glaukom und die diabetische Retinopathie. Diese Augenkrankheiten steigen mit zunehmendem Alter erheblich an.

Links zu Fernsehlesegerät

Weitere Informationen
Informationspool Computerhilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte: http://www.incobs.de
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA): http://www.augeninfo.de
Deutscher Hilfsmittelvertrieb gem. GmbH: http://www.deutscherhilfsmittelvertrieb.de
Wissenschaftliche Vereinigung für Augenoptik und Optometrie (WVAO): http://www.wvao.de
Autor: Thiede, Katja06.04.2013

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