Trunkenheit verändert Persönlichkeit kaum

Egal, ob Alkoholkonsum als Entschuldigung für schlechtes Benehmen herhält oder getrunken wird, um die Laune zu heben: Die meisten glauben, dass ein höherer Alkoholkonsum die Persönlichkeit stark verändert. Offenbar ist das nicht der Fall, so US-Forscher.


Wie verändern moderate Alkoholmengen die Persönlichkeit?

Alkohol enthemmt, ein sonst schüchterner Mensch wird eher zum Entertainer und ohnehin aggressivere Zeitgenossen verlieren unter Alkoholeinfluss wahrscheinlich endgültig die Fassung. Stimmt das? Nein, so die Antwort von Wissenschaftlern der Universität von Missouri. Sie untersuchten das Ausmaß der Persönlichkeitsveränderung unter Einfluss von Alkohol. 

Demnach beeinflusst das Trinken die Persönlichkeit meist nicht so stark wie viele vermuten. Der Erkenntnis liegt eine Studie mit 156 Erwachsenen zugrunde, die Angaben zu ihrem typischen Trinkverhalten machten und ihr Verhalten beziehungsweise die Wahrnehmung ihrer Persönlichkeit im nüchternen und angetrunkenen Zustand beschrieben.

In einem nächsten Schritt trafen sich die Teilnehmer mit einigen Freunden des gleichen Geschlechts im Labor. Gewicht und Größe wurden gemessen. Die Hälfte der Probanden trank innerhalb von 15 Minuten Wodka und Alkoholmixgetränke, deren Alkoholgehalt dem Körpergewicht angepasst war. Der Blutalkoholspiegel stieg auf diese Art kontrolliert bis auf 0,09 an, was gemessen wurde. Ab 0,08 gilt in vielen Staaten der USA der im Verkehr erlaubte Alkoholspiegel als überschritten.

Nach den 15 Minuten des Alkoholkonsums verbrachten die Gruppen noch Zeit miteinander. Verschiedene Aktivität waren dazu geeignet, dass die Studienteilnehmer ihr Verhalten und ihre Persönlichkeit zum Ausdruck brachten. 


Andere bemerken Verhaltensänderung bis 0,1 Blutalkoholspiegel kaum

Zwischen Selbsteinschätzung der Persönlichkeit der Studienteilnehmer und der Einschätzung von Freunden beziehungsweise beobachtenden Personen bestand ein Unterschied. Nach der Selbstwahrnehmung veränderte sich die Persönlichkeit in allen fünf abgefragten Persönlichkeitszügen. Dies waren Neurotizismus, Extraversion, Verträglichkeit, Intellekt und Gewissenhaftigkeit. Die Teilnehmer fühlten sich extrovertierter und emotional stabiler, aber weniger gewissenhaft, weniger verträglich und weniger offen für neue Erfahrungen.

Die Beobachter fanden kaum Unterschiede in der Persönlichkeit nüchterner oder angetrunkener Probanden. Lediglich in punkto Extraversion stimmten sie mit den Studienteilnehmern überein. 

Die im Journal "Clinical Psychological Science" veröffentlichte Studie zeigt, dass die Wirkung von Alkohol von anderen möglicherweise nicht nur anders eingeschätzt wird, sondern auch unterschätzt wird. Umgekehrt könnten Menschen, die mit Alkohol ihre Stimmung heben oder lockerer werden möchten, von der Erkenntnis profitieren, dass ihre Außenwirkung oftmals nur wenig verändert erscheint.

Quelle: Dr. Julia Hofmann01.06.17Zum AnfangZurück

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