Wie Ketamin bei Depression wirkt

Ketamin sorgt bei vielen Menschen mit Depression schnell dafür, dass sie sich besser fühlen. Forscher entschlüsselten nun die Wirkungsweise des Stoffs im Gehirn. Das kann die Therapie in Zukunft sicherer machen.


Schnelle Stimmungsaufhellung, teils schwere Nebenwirkungen

Viele Menschen, die an Depressionen leiden, wissen um die häufig effektive und schnelle Wirkung des Medikaments Ketamin und die Nachfrage in der Therapie steigt. Trotz schwerer Nebenwirkungen verlangen Erkrankte immer häufiger nach dem Wirkstoff, um sich endlich besser zu fühlen. Ketamin kann zwar innerhalb weniger Stunden eine Stimmungsaufhellung bewirken, kann jedoch auch dazu führen, dass Anwender schwere und mitunter als stark verängstigend wahrgenommene Halluzinationen erleiden. Außerdem kann es zu psychischen Abhängigkeiten kommen, wenn Patienten häufig Ketamin einnehmen.

Für Ärzte ist es deshalb bisher schwierig abzuwägen, wann eine Behandlung mit Ketamin sinnvoll sein kann und wie oft sie chronisch depressiven Patienten den Wirkstoff verabreichen können, ohne vermeidbare Risiken einzugehen.


Wirkung im Gehirn entschlüsselt

Wissenschaftler des medizinischen Zentrums in Texas haben nun entdeckt, auf welche Rezeptoren im Gehirn Ketamin wirkt. Der Arzneistoff blockiert das Eiweiß NMDA, das an normalen Hirnfunktionen beteiligt ist. Dadurch kommt es zu einem stimmungsaufhellenden Effekt, allerdings ist die Blockade auch für die durch Ketamin verursachten Wahnvorstellungen verantwortlich. 
Diese Art der Wirkung unterscheidet Ketamin von anderen bisher verfügbaren Antidepressiva. Das erklärt, warum auch Patienten, die durch andere Medikamte bisher keine Besserung ihrer Symptome erfahren haben, häufig gut auf eine Therapie mit Ketamin ansprechen. 


Die Entschlüsselung des Wirkungsprinzip kann in Zukunft dabei helfen Arzneistoffe zu entwickeln, die nur stimmungsaufhellende Eigenschaften haben. Außerdem eröffnet es Ärzten neue Möglichkeiten einzuschätzen, bei welchen Patienten eine Behandlung mit Ketamin erfolgsversprechend ist.   

Quelle: Dr. Julia Hofmann03.07.17Zum AnfangZurück

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