Seltene Hirnentzündung: Neuer Wirkstoff

Bei der Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis handelt es sich um eine seltene Form der Hirnentzündung, die das Immunsystem selbst verursacht. Mediziner der Berliner Charité entdeckten nun die Wirksamkeit eines Medikaments, das sonst in der Krebtherapie Verwendung findet und gaben ihre Ergebnisse in einer Pressemitteilung bekannt.


Wenn sich der Körper selbst zerstört

Bei der Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis bildet der Körper Abwehrstoffe gegen eine Struktur im Nervensystem, die auf Botenstoffe reagiert – den sogenannten NMDA-Rezeptor. Betroffene leiden unter schweren neurologischen, aber auch psychiatrischen Symptomen. Es kann unter anderem zu Bewegungsstörungen, Epilepsie und Psychosen kommen. Besonders bei schwer Erkrankten sind bisherige Therapiekonzepte oft völlig wirkungslos und der Krankheitsverlauf schreitet rasch fort. 

Wissenschaftler machen für das Therapieversagen Zellen aus dem Blut verantwortlich, die Antikörper gegen den NMDA-Rezeptor freisetzen und ihn so zerstören. Den Forschern aus der Berliner Charité gelang es nun erstmals, diese Zellen mit einem Medikament aus der Blurtrebstherapie zu erreichen und den Krankheitsverlauf so zu stoppen.


Erster Testdurchlauf mit fünf Patienten

Dr. Franziska Scheibe und Prof. Dr. Andreas Meisel behandelten in ihrer jüngsten Studie fünf Patienten, die unter schweren Verläufen der Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis litten. Neben der herkömmlichen Therapie nahmen die Probanden den aus der Krebstherapie bekannten Wirkstoff Bortezomib ein. Er stoppt die Eiweißproduktion in Zellen und ist so in der Lage, die Antikörper-produzierenden Zellen zu zerstören, da diese besonders viel Eiweiß herstellen. 

Bei allen fünf Patienten kam es zu einer verminderten Ausschüttung von NMDAR-Antikörpern. Auch besserten sich die neurologischen und psychatrischen Symtome schnell. Weitere Studien mit mehr Probanden sollen nun zeigen, ob sich dieser Effekt von Bortezomib reproduzieren lässt. Auch neue Konzepte zur Früherkennung der Erkrankung wollen die Wissenschaftler entwickeln.

Quelle: Dr. Julia Hofmann19.01.17Zum AnfangZurück

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